«Nur Gipfeltreffen abzuhalten, reicht nicht aus»

Håkan Samuelsson startet mit dem ersten Elektro-SUV XC40 Recharge ein neues Firmenkapitel bei Volvo.

Volvos erster Elektro-SUV basiert auf dem Bestseller XC40: Seine Elektromotoren an der Vorder- und Hinterachse leisten zusammen 408 PS. Foto: PD

Volvos erster Elektro-SUV basiert auf dem Bestseller XC40: Seine Elektromotoren an der Vorder- und Hinterachse leisten zusammen 408 PS. Foto: PD

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Herr Samuelsson, erleben Sie jetzt die spannendste Phasein Ihrer über 30-jährigen Managerkarriere?
Ja, das erste Elektrofahrzeug von Volvo mitzuerleben, ist auch für mich ein sehr spezieller Moment. Vermutlich werde ich mich daran mein Leben lang erinnern.

Hat die weltweite CO2-Diskussion Ihren Entscheid zur Elektrifizierung von Volvo beeinflusst?
Ja, er wird sicherlich ein Fahrzeug sein, das bei Volvo die Themen Verbrennungsmotoren und Sicherheit durch Nachhaltigkeit und Elektrifizierung ablösen wird. Wir betreten damit einen schnell wachsenden Markt und haben den Anspruch, hier zuvorderst mit dabei zu sein.

Ist der XC40 Recharge ein entsprechender Gamechanger für Volvo?
In gewisser Weise ja, denn rund um dieses wichtige Thema nur Gipfeltreffen und Diskussionen abzuhalten, reicht nicht mehr aus. Nun sind auch von Unternehmen wie Volvo echte Taten gefordert. Wir haben erkannt, dass nicht das wirtschaftliche Wachstum im Automobilgeschäft ein Problem darstellt, sondern dessen Nachhaltigkeit. Deshalb bringen wir mit der Elektrifizierung – also mit Plug-in-Hybriden und reinen Elek­troantrieben – mehr davon in unser Unternehmen. Wir glauben, dass dieser Schritt allen zugutekommt.

Håkan Samuelsson: Der einstige Vorstandsvorsitzende der MAN AG ist seit Oktober 2012 Chef der Volvo Car Corporation. Foto: PD

Ist es der richtige Entscheid, das erste E-Fahrzeug von Volvo als grossen und entsprechend schweren SUV zu lancieren?
Hier muss man die gesamte Grössenordnung in Betracht ziehen. Viel wichtiger als die Form und Grösse des Fahrzeuges ist doch die Tatsache, dass es rein elektrisch fährt. Ein Elektro-SUV ist immer nachhaltiger als ein SUV mit herkömmlichem Verbrennungsmotor.

Der XC40 Recharge wird knapp unter 70'000 Franken kosten und auch in der Produktion teuer sein. Warum bauen Sie ihn nicht in China, sondern in Belgien?
Die Unterschiede bezüglich Produktionskosten zwischen Belgien und China sind nicht so gross, wie man sich das vorstellt. In China mögen die Arbeitskosten tiefer liegen, aber der Transport nach und die Einfuhrzölle in Europa gleichen den Vorteil praktisch wieder aus. Europa ist ziemlich gut darin, den heimischen Markt mit Zöllen zu schützen.

Auf welche Mitbewerber zielen Sie mit dem XC40 Recharge?
Es sind vor allem die drei deutschen Produzenten Audi, BMW und Mercedes, die wir respektieren, weil sie wirklich gut sind. Wenn die Deutschen etwas wollen, dann sind sie sehr effizient darin. Vielleicht sind wir etwas flexibler und schneller in unserem Angebot, weil unsere Fahrzeugpalette nicht so gross ist wie die der Mitbewerber.

Bald sind aus dem chinesischen Volvo-Mutterkonzern Geely die drei Marken Volvo, Polestar und Lynk & Co in Europavertreten. Welche Strategie steckt dahinter?
Vermutlich wird das Verhältnis unserer Marken zukünftig ähnlich sein wie zwischen VW, Audi und Skoda im VW-Konzern. Polestar ist eine Stufe mehr Premium als Volvo, etwas fortschrittlicher, rein elektrisch und in den technologischen Entwicklungen führend. Und Lynk & Co wird die Marke für preisbewusstere Kunden. Alle drei teilen sich aber die gleichen Fahrzeugplattformen.

Wann hört Volvo ganz auf, in Verbrennungsmotoren zu investieren?
Bei Volvo bald, aber zusammen mit unserer chinesischen Muttergesellschaft Geely gründen wir eine neue Motorenproduktionsgesellschaft mit Forschung in Göteborg sowie Produktionsstätten in Europa und China, die ausschliesslich Verbrennungsmotoren für den Weltmarkt produzieren, mit einer Kapazität von 600'000 bis über zwei Millionen.

Ist der Dieselmotor, den Sie in der Schweiz heute schon nicht mehr anbieten, bei Volvo definitiv Geschichte?
Wir stellen keine neuen Fahrzeugmodelle mit Dieselmotoren vor, also wird unser Dieselangebot mit den existierenden Modellgenerationen des V60 oder V90 auslaufen. Wann das so weit ist, wird sich zeigen. Wichtig ist mir noch zu sagen: Unsere heutigen Dieselmotoren sind sehr sauber, aber leider auch sehr teuer in der Produktion, sogar teurer als unsere Mildhybrid-Benzinmotoren.

Wie sieht die weitere Zukunft von Volvo bezüglich Elektromobilität aus?

Bis 2025 werden wir den CO2-Fussabdruck unserer Fahrzeugpalette im Vergleich zu 2018 um 40 Prozent senken. Unser Ziel ist es, bis 2040 komplett CO2-neutral zu sein, sowohl im Betrieb der Fahrzeuge als auch in deren Produktion und Rohstoffbeschaffung.

Dann wird Volvo ab 2040 also nur noch Elektroautos anbieten?
Der Zeitpunkt, ab dem wir gar keine Verbrennungsmotoren mehr anbieten werden, hängt stark von der Nachfrage danach ab und wie schnell die Lade­infrastruktur weltweit aufgebaut ist. Realistisch gesehen werden unsere Hybridfahrzeuge noch lange Jahre erhältlich sein. Unsere Vision 2040 sieht aber vor, dass wir bis dahin CO2-frei sind. Das heisst also: Spätestens dann dürfen wir auch keine Verbrenner mehr anbieten.

Erstellt: 21.10.2019, 18:24 Uhr

XC40 Recharge: Vollelektrisch und allzeit vernetzt

Der Volvo XC40 Recharge ist der erste Stromer von Volvo und das erste Auto überhaupt, in das Google sein Android-Infotainment-System integriert. Damit beginnt bei Volvo ab 2020 eine neue Ära. Auf das erste Elektrofahrzeug der Schweden sollen laut Henrik Green in den nächsten fünf Jahren vier weitere Elektroautos folgen. «2025 wird die Hälfte unseres weltweiten Fahrzeugabsatzes auf Elektroautos entfallen», erklärt Volvos Chief Technology Officer.

Basis des ersten Volvo-Stromers, der in der Schweiz im vierten Quartal 2020 für knapp unter 70'000 Franken erhältlich sein wird, ist Volvos Bestseller XC40. Er ist als E-Fahrzeug mit 400-Volt-Batterien im Unterboden und insgesamt 408 PS leistenden Elektromotoren an der Vorder- und Hinterachse ausgestattet und hat eine Reichweite von rund 400 Kilometern (nach WLTP).

Fast so stolz wie auf das erste Elektrofahrzeug ist man bei Volvo auf das Android-Infotainment-System. Es wurde in enger Zusammenarbeit mit Google konzipiert und umfasst den sprachgesteuerten Google Assistant sowie Google Maps und Google Play, wie Henrik Green weiter erklärt. (tb)

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