Stolzer Aufsteiger

Mit dem neuen CX-9 nimmt Mazda erstmals das SUV-Premiumsegment ins Visier. Aber ohne übertriebenes Oberklassegehabe.

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Ist Mazda der Erfolg zu Kopf gestiegen? Japaner sind doch eigentlich die personalisierte Bescheidenheit. Nirgendwo auf dieser Erde verbeugt man sich aus Höflichkeit tiefer als in Nippon. Nirgends wird mehr Zurückhaltung gepflegt. Auch die 1920 gegründete Mazda Motor Corporation hat in ihrer bald 100-jährigen Geschichte nie die grosse Show veranstaltet, wenn es darum ging, der Öffentlichkeit ein neues Produkt vorzustellen.

Mit dieser fast zenmeisterlichen Bescheidenheit – gepaart mit technischem Know-how und hohen Ansprüchen an das Design – hat sich die eigenständige Marke Mazda in den vergangenen Jahren beachtliche Erfolge erwirtschaftet. In der Schweiz platzierte sie sich 2015 in der Neuwagenverkaufsstatistik der asiatischen Marken auf Platz 1, noch vor Hyundai und Toyota. Was also ist jetzt der Grund dafür, dass Mazda bei der Präsentation des neuen Flaggschiffs CX-9 in den USA das Wort Premium inflationär gebraucht? Versuchen wir es mit einer hypothetischen Analyse.

Stolz siegt über Bescheidenheit

Über Schönheit lässt sich bekanntlich streiten. Doch ein Blick auf die Strassen genügt, um festzustellen, dass die Mazda- Palette in den vergangenen Jahren einerseits wegen des sogenannten Kodo-Designs zum Hingucker geworden ist und sich positiv von der Masse abhebt. Die beiden SUV-Modelle CX-3 und CX-5 haben sich damit zu Bestsellern gemausert, und auch die Neuauflage des Roadsters MX-5 zeugt vom erfolgreichen Handwerk der Designabteilung. Andererseits weiss aber auch die Technik zu überzeugen, die unter dem trendig geformten Blech steckt. Die Eigenentwicklung der sparsamen Skyactiv-Motoren trägt ebenfalls ihren Teil dazu bei, dass die Mazda-Verantwortlichen bei der Präsentation des neuen CX-9 in San Francisco zu Recht stolz sind auf ihr neustes Werk. Denn der mit einer Länge von knapp über fünf Metern stattliche SUV mit sieben Sitzen beinhaltet alles, was Mazda derzeit zu bieten hat, wie Masashi Otsuka erklärt: «In unserem neuen Flaggschiff, das in unseren Augen sehr viel Premium-Feeling ausstrahlt, haben wir all unsere Design-, Handwerks- und Technologiekünste vereint.»

Während solche Worte bei anderen Fahrzeugvorstellungen auch schon mal überheblich klangen, klingen sie aus dem Munde des japanischen Programmmanagers nicht aufschneiderisch. Otsuka schiebt denn auch gleich ein paar Beispiele nach, weshalb der CX-9 für ihn eindeutig Premium sei: «Erstmals bieten wir Nappa-Ledersitze, ein Head-up-Display, einen neu entwickelten Spurhalteassistenten sowie einen noch sparsameren 4-Zylinder-Turbobenziner mit einer Kraftentwicklung wie bei einem Diesel an.» Die japanische Bescheidenheit schwingt bei diesen Worten immer noch mit, aber der Stolz über das neue Auto überwiegt für einmal eindeutig.

Überzeugung als Triebfeder

«Jinba Ittai» heisst die traditionelle Form des japanischen Bogenschiessens, bei der ein auf einem galoppierenden Pferd sitzender Bogenschütze ein Ziel treffen muss. Die dafür notwendige Einheit von Reiter und Ross habe man sich bei der Entwicklung des CX-9 stets vor Augen gehalten und sie sei an dessen Steuer auch spürbar, sind die Mazda-Verantwortlichen überzeugt und weisen mit Nachdruck darauf hin. Glücklicherweise müssen wir auf unserer Probefahrt im dichten Stadtverkehr von San Francisco keine Pfeile abschiessen, sondern können uns ganz darauf konzentrieren, die wirklich steilen Strassen der City zu meistern und sicher den Weg über die Golden Gate Bridge ins hügelige Marin County zu finden.

Das gelingt vorzüglich, denn im rund zwei Tonnen schweren Siebensitzer gleitet man erhaben dahin. Der 250 PS starke Turbobenziner unter der langen Aluminiumhaube arbeitet dank ausgezeichneter Lärmdämmung kaum hörbar und kommt beim Start an der Ampel mit dem grossen und schweren Fahrzeug absolut problemlos zurecht. Auf der kurvigen Landstrasse entlang des Pazifiks bleibt der CX-9 trotz seiner Höhe von 1,75 Metern erstaunlich wankstabil und dank seines Allradantriebs überzeugend auf Kurs. Zum Wohlfühlambiente im hochwertigen Interieur tragen Alu und Echtholzapplikationen bei. Schade nur, dass die Sitzflächen der ansonsten komfortablen Sitze für lange Beine etwas zu kurz geraten sind. Darüber tröstet am Ende des Tages der Blick auf die Verbrauchsanzeige hinweg: Die als Normwert angegebenen 12,3 Liter für 100 Kilometer bleiben um einen guten Liter unterboten.

USA über alles

Designt und entwickelt wurde der neue CX-9 in den US-Niederlassungen der Japaner. Mit einem gutem Grund: Denn rund 80 Prozent der bisherigen Verkäufe des Vorgängermodelles wurden in Nordamerika abgesetzt, weshalb man sich bei Mazda auch auf diesen Kernmarkt konzentriert – und dementsprechend auch die «Premium»-Wortwahl daran angepasst hat. Denn im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist Zurückhaltung ja bekanntlich auch heute noch eher Mangelware. Dass sich das Mazda-Flaggschiff in aller Bescheidenheit aber auch auf Schweizer Strassen gut machen würde, davon sind nicht nur wir, sondern auch Mazda- Schweiz-CEO Damian Donnellan überzeugt: «Der CX-9 ist für uns ein ausgezeichneter Imageträger, der als hochwertiger Allradler sehr gut in die Schweiz passen würde.» Als möglichen Verkaufsstart zieht Donnellan den Spätherbst 2016 oder den Autosalon Genf im Frühjahr 2017 in Betracht.

Thomas Borowski fuhr den neuen CX-9 am 19. Mai auf Einladung von Mazda Schweiz in den USA.

Erstellt: 27.05.2016, 18:23 Uhr

Mazda CX-9

SUV als Flaggschiff

Kategorie 5-türiger SUV mit 7 Sitzen
Masse Länge 5065 mm, Breite 1969 mm, Höhe 1753 mm, Radstand 2029 mm
Kofferraum 408 bis 2016 Liter
Motoren 4-Zylinder-Turbobenziner mit 250 PS (184 kW) bei 5000 U/min, maximales Drehmoment von 420 Nm
Fahrleistungen Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
Verbrauch 12,3 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangabe)
CO2-Ausstoss keine Angaben
Marktstart und Preis noch offen
Infos: www.mazda.ch

Mazda MX-5 RF

Europa-Premiere in Goodwood

Bei der New York Auto Show im vergangenen Frühjahr stahl der Mazda der grossen Konkurrenz mit einer Variante des MX-5 die Show. RF – Retractable Fastback – nennen die Japaner den Neuling, der Anfang 2017 in Europa am Start stehen soll. Im Gegensatz zum Vorgänger öffnet sich das Dach des RF nicht mehr komplett, sondern macht den Roadster zum Targa. Egal ob offen, zu oder als Roadster: Der Kofferraum schluckt immer 130 Liter. (lie)

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