Vernunft ist Trumpf

Sparsam, aber kein bisschen bieder: Der Kia Niro ist cooler als die meisten Hybridautos und sauberer als der Sportage.

Mit dem Kompakt-Crossover gibt Kia sein Debüt bei den hybridgetriebenen Fahrzeugen. Fotos: Kia

Mit dem Kompakt-Crossover gibt Kia sein Debüt bei den hybridgetriebenen Fahrzeugen. Fotos: Kia

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Barcelona Chic oder sparsam? Oft mussten sich die Kunden der Kompaktklasse zwischen diesen beiden Extremen entscheiden. Denn so trendy die vielen handlichen SUV auch aussehen mögen, zahlt man dafür eben auch an der Tankstelle einen Aufpreis. Und wer mit Prius & Co. vorfährt, beweist zwar ein grünes Gemüt, gewinnt aber ganz sicher keinen Schönheitspreis. Um dieses Dilemma zu umgehen, rollt Kia seit ein paar Tagen zu Preisen ab 36'400 Franken den Niro an den Start.

Bullig gezeichnet und ein paar Zentimeter aufgebockt, reitet der Neuling (4,36 Meter) unterhalb des Sportage einerseits auf der Erfolgswelle der kleinen SUV, sieht cool aus und bietet neben ausreichend Platz auf allen Sitzen auch viel Kofferraum. Andererseits startet er als erstes designiertes Hybridmodell der Koreaner und garantiert den Kunden so trotzdem ein reines Gewissen.

Dafür haben die Ingenieure ihre neue Öko-Plattform – auf der die Schwestermarke Hyundai auch den Ioniq aufbaut – unter die trendige Crossover-Karosserie gesteckt. Die treibende Rolle spielt das Duo aus einem 1,6 Liter grossen Benziner mit 105 PS und einer E-Maschine, die auf 44 PS kommt. Mit vereinten Kräften erreichen die beiden Motoren eine Systemleistung von 141 PS und bringen den Niro mit bis zu 265 Newtonmetern auf Touren.

Cruiser, nicht Sprinter

Die Fahrleistungen dieses gemischten Doppels sind zwar eher vernünftig als vergnüglich. Denn so sportlich der Kia Niro bei der Ampel auch startet, sind die 11,5 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 eher durchschnittlich. Dazu passt die betont gutmütige, komfortable und kompromissbereite Abstimmung die zwar nicht zum Spurten, aber zum entspannten Cruisen einlädt.

Dass die Fahrt im Niro trotzdem mehr Spass macht als bei der Hybridkonkurrenz, hat also einen anderen Grund: nämlich das Doppelkupplungsgetriebe, das für ein erwachsenes und komfortables Fahrgefühl sorgt und den Insassen das Heulen einer stufenlosen Automatik erspart. So hat man den Hybridantrieb schon nach wenigen Kilometern vergessen. Das liegt auch am reibungslosen Zusammenspiel der beiden Triebwerke. Und man muss schon ganz genau auf die unscheinbare Anzeige im Cockpit schauen, ob nun gerade der Verbrenner fährt, der E-Motor oder ob mal wieder Teamwork angesagt ist. Selbst bestimmen kann man das übrigens nicht, denn es gibt keine Taste, mit der sich der Niro in den Elektrobetrieb zwingen liesse. Und wer die rund zwei Kilometer elektrischer Reichweite des 1,56 kWh grossen Puffer-Akkus ausloten will, der muss so zaghaft durch die Stadt zuckeln, dass die Geduld der Hintermänner in der City arg strapaziert wird.

Der sauberste SUV

Nötig ist das nicht, denn die Elektronik weiss selbst am besten, wie der Niro am sparsamsten unterwegs ist, denn der E-Motor soll den Benziner nur unterstützen. Nicht umsonst rollt der Koreaner im besten Fall mit einem Normwert von 3,8 Litern (CO2 88 Gramm pro Kilometer) vom Prüfstand – so sauber ist in diesem Segment kaum ein anderer SUV. Assistenzsysteme satt Sparen ist beim Niro zwar beim Benzin angesagt, nicht aber bei der Ausstattung: Der Koreaner bietet alle erdenklichen Extras und lässt die Konkurrenz fast schon spartanisch aussehen. Lenkradheizung, klimatisierte Sitze, Tempomat mit Distanzkontrolle, Notbremsassistent, Spurhalteassistent oder das zeitgemässe Onlinenavigationssystem samt Smartphone-Integration und WLAN Hotspot gibts serienmässig. Und sieben Jahre Garantie bietet sonst auch keiner – weder für herkömmliche Kompakte noch für Hybridmodelle.

Chic und trotzdem sparsam, gut ausgestattet und wie alle Kia-Modelle auch aggressiv in der Preisgestaltung – kein Wunder, dass Europachef Michael Cole grosse Hoffnungen für den kleinen Wagen hegt. Das gelte nicht nur für die Stückzahlen, denn der Kia Niro habe auch eine übergeordnete Mission, sagt Cole: «Er soll uns dabei helfen, die Effizienz unserer Flotte bis 2020 im Vergleich zu 2014 um durchschnittlich 25 Prozent zu steigern.» Dem fügt der Schweizer Kia- Chef Michel Rutschmann hinzu: «Wenn wir nächstes Jahr bei uns um die 300 Fahrzeuge verkaufen, bin ich mehr als zufrieden.» So cool und trendy sich die Koreaner auch gerne geben, ihre Ziele definieren sie derzeit eher zurückhaltend.

Erstellt: 17.10.2016, 18:02 Uhr

Kia Niro

Crossover mit Hybridantrieb

Masse Länge 4355mm, Breite 1805 mm, Höhe 1545 mm, Radstand 2700 mm
Kofferraum 427 bis 1425 Liter
Motor 1,6-Liter-Benziner mit 105PS (77kW) + Elektromotor mit 44 PS (32 kW), Systemleistung von 141 PS (105 kW)
Fahrleistungen 0 bis 100 km/h in 11,5 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von 162 km/h
Verbrauch 3,8 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangabe)
CO2-Ausstoss 88 Gramm/ Kilometer
Preis ab 36'400 Franken
Markteinführung September 2016


Infos: www.kia.ch

Arbeitsstätte Niro-Cockpit: Viele Tasten und Schalter für noch mehr Funktionen.

Ausreichend Platz für die Hinterbänkler.

Rückansicht: Der Kia Sportage stand Pate.

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