Das Tüpfelchen auf dem GTi

Zum 30. Geburtstag des legendären 205 GTi legt Peugeot ein Sondermodell des 208 GTi auf. Der «30th» bietet zwar nur wenig mehr Leistung, bereitet aber deutlich mehr Freude.

Der 208 GTi 30th glänzt mit matter Lackierung und Sportfahrwerk und ist laut Peugeot «der radikalste GTi» aller Zeiten. Fotos: Peugeot

Der 208 GTi 30th glänzt mit matter Lackierung und Sportfahrwerk und ist laut Peugeot «der radikalste GTi» aller Zeiten. Fotos: Peugeot

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105 PS. In Worten: Hundertfünf. Nicht lachen bitte, das war damals eine Menge – und möglicherweise sogar ein Scheidungsgrund. Die Frauen trugen zu jener Zeit pastellfarbene Blusen mit Schulterpolstern, und sie hatten sich nicht nur in den Sänger von Duran Duran verliebt. Sondern in einen hübschen, kleinen Franzosen, der auf den Namen Peugeot 205 lautete, erstaunlich viel Familiensinn bewies und in der Basis mit 45 PS auskam. Doch der hier, der mit den 105 PS war etwas anderes. Die Rede ist vom GTi, dem wohl heissesten unter den sogenannten «Hot Hatches ». In Abgrenzung zum berühmten GTI von VW endete sein Modellkürzel allerdings bloss mit einem kleinen i, doch er kam genauso gross heraus. Wenn nicht noch grösser.

Mit damals nur 6,8 Kilo pro PS, knallhartem Fahrwerk und der Neigung, in Kurven eher über- denn gutmütig unterzusteuern, erschien er fahraktiver als der immer schwerer gewordene Sport-Golf. Sogar bei der deutschen Presse erntete er Lob, und er bekam viel von dem Glanz ab, den sein Gruppe-B-Racing-Bruder 205 Turbo 16 als zweifacher Rallye-Weltmeister ausstrahlte. Er war das perfekte Spielzeug für Männer, er verwandelte sie in kleine Jungs – pubertär, spasssüchtig, pflichtvergessen. Gut möglich, dass viele Paargespräche 1984 mit «wir müssen reden» begannen. Denkbar aber auch, dass es ab 1986, als die Leistung auf 128 PS gesteigert wurde, gar keine Gespräche mehr gab. Nur noch verschlossene Haustüren und aus dem Fenster geworfene Männerkleider.

«Radikales» Sondermodell

Genau 30 Jahre ist es also her, seit die Franzosen der Welt erstmals bewiesen, dass sie nicht nur komfortabel und alltäglich, sondern auch sportlich und subversiv können. Die Schulterpolster mögen weitgehend verschwunden sein, und der 205 hat sich – in logischer Abfolge seiner Endziffer – zum 208 weiterentwickelt, doch das Kürzel GT mit dem kleinen i zur Kennzeichnung der stärksten Variante ist geblieben. Sie feiern es in diesem Jahr mit einem besonders scharfen Sondermodell – dem 208 GTi 30th. Und der sieht vielversprechend aus mit seiner um 10 Millimeter abgesenkten Karosserie, den 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, roten Bremssätteln und mattschwarz statt verchromten Zierelementen.

Wie sein Urahne ist er in Weiss oder Rot erhältlich, oder in der auffälligen, mattschwarz-roten Farbkombination «Coupe Franche», wobei es laut den Franzosen 17 Stunden dauern soll, bis die Speziallackierung von Hand angefertigt ist. Hinzu kommen zweifarbige Integralsitze mit Alcantara-Bezug und rote Applikationen im Interieur. Er sei der «radikalste GTi», der je in Serie gebaut wurde, verspricht Peugeot. Die Testfahrt findet auf einer kleinen Rennstrecke statt, die Piste ist regennass, einen Helm zu tragen, ist Pflicht. Aber irgendwie muss man dann trotzdem ein wenig lachen. 208 PS? Das sind lediglich 8 PS mehr als der normale GTi leistet. In Worten: acht. Das gibt selbst ausgeschrieben nicht viel her, und auch die übrigen Werte lassen keinen «radikalen » Unterschied erkennen: 6,5 statt 6,8 Sekunden von 0 auf Tempo 100, der Topspeed bleibt unverändert bei 230 km/h, das Gewicht ist sogar leicht gestiegen.

Schneller, stabiler, breiter

Doch wie schon beim früheren GTi sind es nicht die Zahlen, die Männer – und heutzutage auch Frauen – pubertär und spasssüchtig machen, es ist die Art und Weise, wie sie präsentiert werden. Im 30th ist man auf dem Rundkurs schneller unterwegs als im normalen GTi – nicht nur gefühlsmässig. Man kommt souveräner voran, weil das Drehmoment von 275 auf 300 Newtonmeter angehoben und die Schaltwege des 6-Gang-Getriebes verkürzt wurden. Man ist stabiler, weil die Spur verbreitert und die Dämpfer modifiziert wurden. Man bremst später, weil die Brembo-Anlage viel stärker zubeisst. Man beschleunigt früher aus der Kurve heraus, weil jenes Torsen- Differenzial eingebaut wurde, das sonst dem Peugeot RCZ R vorbehalten ist. Und man kann selbst bei eingeschaltetem ESP spielen, denn das System greift sehr viel später ein. Gewöhnungsbedürftig wie bei jedem 208 sind das winzige Volant und die Anordnung der Instrumente auf dem Armaturenbrett.

Man kann sich auch darüber streiten, ob die Konkurrenz – namentlich der neue VW Polo GTI – nicht mindestens so viel Spass bietet. Aber wer einmal mit dem 30th gefahren ist, der möchte nachher nicht mehr zum normalen GTi zurück.

Erst ab 35'990 Franken

Ein kleiner Tipp für die Rechtfertigung des Sondermodells bei einem allfälligen Paargespräch: Das nun Euro-6-konforme 1,6-Liter-Triebwerk verbraucht trotz der erhöhten Leistung auf dem Prüfstand nur 5,4 statt 5,9 Liter. Vernünftig klingt auch, dass beim neuen Peugeot 208 GTi 30th vieles serienmässig ist, was für gewöhnlich auf der Optionenliste steht: unter anderem das LED Licht, die Klimaautomatik, der Tempomat und die Sportsitze. Allerdings ist der Basispreis genauso radikal wie das Auto selbst – 35'990 Franken. In Worten: Fünfunddreissigtausendneunhundertneunzig. Für einen Scheidungsgrund dürfte es nicht reichen, gut möglich, aber, dass Gespräche mit dem Peugeot- Händler ab Januar 2015 mit «wir müssen reden» beginnen werden.

Nina Vetterli fuhr den neuen Peugeot 208 GTi 30th am 4. Dezember auf Einladung der Peugeot Suisse SA in Frankreich.

Erstellt: 08.12.2014, 17:38 Uhr

Der 205 GTi von 1984.

Supersportlich, aber gewöhnungsbedürftig – Cockpit des 30th.

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