Der Käfer fürs neue Jahrtausend

Er war das Auto des Jahrhunderts und kommt jetzt endlich im neuen Jahrtausend an: VW hat gestern den neuen Beetle enthüllt.

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Was da gerade weltweit um den Globus Premiere feiert und bei uns im November in den Handel kommt, ist mehr als eine Evolution des New Beetle von 1998. «Zurück zu den Wurzeln» lautet das Motto für den grossen Krabbler, dessen Silhouette sich jetzt wieder dem über 21 Millionen Mal gebauten Original annähert, das VW nicht umsonst das Auto schlechthin nennt. Schliesslich war der Käfer für Millionen Menschen weltweit nicht nur das erste, sondern auch das einzige je denkbare Fahrzeug in ihrer persönlichen Mobilitätsbiografie.

«Wieder ganz der Alte»

«Entwerft ein neues Original», haben die Designchefs Walter da Silva und Klaus Bischoff ihrem Team deshalb mit auf den Weg gegeben. Die haben verstanden und die Form neu überdacht: Die wie aus drei Halbkreisen zusammengesetzte Karosserie des Neo-Käfers macht Platz für einen neuen Kuppelbau, der hinter einer längeren Haube mit einer steileren Frontscheibe beginnt, nicht mehr ganz so weit aufragt und nun in einem einzigen Schwung bis zur hinteren Stossstange ausläuft. «Der Beetle ist wieder ganz der Alte», freut sich der Schweizer PR-Manager: «Darum hat VW jetzt auch auf die Bezeichnung New des Vorgängers verzichtet.»

Dabei wird der Beetle nicht nur flacher (1,49 Meter) und breiter (1,81 Meter), sondern mit nun 4,28 Metern wird er auch rund 15 Zentimeter länger und damit innen etwas grosszügiger. Der schier endlos lange und völlig überflüssige Vorbau des Armaturenbretts ist verschwunden. Man wähnt sich wieder in einem normalen Auto und nicht in einem Van, und auf der Rückbank kann man bei einem sozial eingestellten Vordermann bequem sitzen. Ausserdem erreicht der Kofferraum mittlerweile ein alltagstaugliches Mass: Statt mickrigen 210 Litern fasst er jetzt 310 Liter und landet damit beinahe auf Golf-Niveau.

Vase weg, Handschuhfach rein

Dazu gibt es viel bunte Farben, sportlich ausgeformte Sitze und ein neues Cockpit. Charmante Retro-Elemente wie die Blumenvase neben dem Lenkrad sind zwar verschwunden, doch dafür feiert vor dem Sozius jetzt das klassische Handschuhfach sein Comeback. In den gehobenen Modellvarianten jedenfalls gibt es dort jetzt eine zweite Staubox, deren Deckel sich genau wie früher nach oben öffnet. Zwar kommen sich Käfer und Beetle stilistisch jetzt wieder näher. Doch technisch trennen das Original und seinen Urenkel Welten. Denn auch bei der zweiten Neuauflage ist von luftgekühlten Boxer-Motoren im Heck natürlich keine Rede. Stattdessen stecken vorn unter der Haube dieselben aufgeladenen und direkteinspritzenden 4-Zylinder, die man auch von Golf & Co. kennt. Zur Wahl stehen drei Benziner und zwei Diesel, die sich mit 1,4 bis 2,0 Liter Hubraum begnügen und ein Leistungsspektrum von 105 bis 200 PS abdecken. Für die Vernunft stehen dabei Bluemotion-Technologien wie die Start-Stopp-Automatik oder Bremsenergie-Rückgewinnung und Verbrauchswerte zwischen 4,3 und 7,4 Litern.

Und für das Vergnügen sorgen die Option auf eine Doppelkupplung in allen Motorvarianten und die elektronische Differenzialsperre aus dem Golf GTI für die stärkeren Versionen.

Soundsystem von Fender

Dazu gibts neben den üblichen Assistenzsystemen ein paar Techniken, die im Beetle bislang nicht üblich waren. So führt VW nun auch im Käfer ein schlüsselloses Zugangssystem ein und montiert in den klassischen Rundscheinwerfern auf Wunsch Bi-Xenon-Strahler und das unvermeidliche Tagfahrlicht mit LED-Technik. Die Mittelkonsole bestückt VW nicht nur mit einer neuen Generation von Navigationssystemen und dem ersten europäischen Soundsystem der Gitarrengötter von Fender, sondern auf Wunsch auch mit drei Zusatzinstrumenten für Öltemperatur, Fahrzeit und Ladedruck. Gebaut wird der Beetle wie die erste Reinkarnation des Käfers in Mexiko. Die Umstellung der Fabrik hat bereits begonnen, doch für Preise ist es noch ein bisschen früh. Aber PR-Mann Grütter verspricht: «Der Beetle soll erreichbar sein.» Beim Zweitürer soll es nicht bleiben: Obwohl VW mit dem Eos und dem neuen offenen Golf bereits zwei Cabrios in der Kompaktklasse hat, lässt der Käfer im nächsten Jahr auch wieder die Hüllen fallen.

Dass der Wagen in Europa lange nicht so erfolgreich ist wie Retro-Modelle vom Schlage eines Mini oder eines Fiat 500, mag am Stolz der Wolfsburger kratzen. Doch solange Chinesen und Amerikaner verrückt sind nach dem neuen Beetle, dürfte das für die Bilanzen keine Rolle spielen. Ausserdem passt auch das in die Tradition des Käfers: Denn während er bei uns längst eingestellt war und dem Golf Platz gemacht hat, lief er in anderen Ecken der Welt noch viele Jahre vom Band.

Erstellt: 18.04.2011, 14:27 Uhr

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