Der Klassenbeste ist fast eine Klasse besser

Ford spricht bloss von einem Facelift. Aber in der Weiterentwicklung des Focus, des weltweit meistverkauften Autos, steckt einiges mehr.

Laut Ford-Schweiz-Chef Martin Hänni wurde der neue Focus «dem umfangreichsten Facelift, das ich in meiner Karriere erlebt habe», unterzogen. Fotos: Ford

Laut Ford-Schweiz-Chef Martin Hänni wurde der neue Focus «dem umfangreichsten Facelift, das ich in meiner Karriere erlebt habe», unterzogen. Fotos: Ford

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Facelift? Alle Hersteller machen das. In der Mitte eines jeden Modellzyklus – im Schnitt nach drei bis vier Jahren – wird das Auto «einer Überarbeitung unterzogen », wie es formell heisst. Mit dem Ausdruck «aufgefrischt» oder auch «aufgepeppt » trifft man die Sache in den meisten Fällen allerdings besser. Denn unter dem Blech, bei den Motoren, beim Antriebsstrang und auch beim Fahrwerk bleibt alles meist so, wie es war.

Und doch gibt es bei diesem universellen Gleichschritt der Hersteller, mit dem alle auch das gleiche Ziel verfolgen, nämlich das leicht erlahmende (Verkaufs-)Interesse jeweils wieder so aufzufrischen, wie das Auto selbst, gelegentlich Ausnahmen. Eine davon macht zurzeit Ford. Zwar sprechen auch die Kölner bei der Weiterentwicklung des Focus, dem mit über einer Million verkaufter Einheiten pro Jahr weltweiten Topseller (vor Toyota mit dem Auris als Überflieger in Asien und vor VW mit dem Golf, der Nummer 1 in Europa), nur von einem Facelift. Doch allein die Tatsache, dass Ford während dreier Wochen in einer Art Luftbrücke Medienvertreter rund um den Globus zur Focus- Präsentation nach Málaga einfliegen lässt, macht deutlich, dass es um viel mehr geht.

Ford lässt Fakten sprechen

Ford-Schweiz-Direktor Martin Hänni, der bereits seit 25 Jahren in Diensten von Ford steht und in seiner langen Zeit in der Kölner Konzernzentrale für das gesamte Marketing der mittleren Baureihen verantwortlich war, sprach denn in Málaga auch prompt «vom umfangreichsten Facelift, das ich in meiner Karriere bisher erlebt habe». Aber eigentlich meinte Hänni noch mehr: Der Klassenbeste ist für ihn nur drei Jahre nach der Lancierung der dritten Generation «fast eine Klasse besser geworden». Fakten zu dieser Aussage? Da liefert Ford mehrere.

Faktum eins ist das Outfit. Mit der neu gestalteten Frontpartie führt der Focus die neue Formensprache, die künftig alle Modelle der Kölner deutlich dynamischer machen soll, eindrücklich vor: eleganter, trapezförmiger Kühlergrill, flachere Linienführung der Motorhaube, lange, schlanke Hauptscheinwerfer und rechtwinklig gestreckte Nebelscheinwerfer in den seitlichen Lufteinlässen. Auch das Heck des Focus wirkt mit seinen verschmälerten, pfeilförmigen Leuchten nun deutlich akzentuierter – fast so scharf wie bei der neuen und erfolgreichen A-Klasse von Mercedes-Benz. Faktum zwei: das Interieur. «Wir haben die Wünsche der Kunden einfach nicht länger überhören können», merkt Schweiz-Chef Hänni mit Bezug auf das neu gestaltete Cockpit an. Neben den weicheren Oberflächen sticht dabei besonders die neu gestaltete Mittelkonsole ins Auge. Anstelle des bisherigen Mini- Bildschirms gibt es nun einen hochauflösenden 20,3-Zentimeter-Touchscreen, über den Telefon, Navigation, das gesamte Entertainment sowie die 2-Zonen- Klimaautomatik gesteuert werden. Tastenchaos? Das war gestern.

Stärken weiter ausgebaut

Aber es gibt im modifizierten Focus noch substanziellere Verbesserungen. Und das in jenen Bereichen, in denen Ford schon seit längerem eine führende Rolle spielt: bei der Fahrdynamik für Fronttriebler und bei den Motoren. Bei Faktum drei geht es somit um das dynamische Fahrverhalten und um den weiter gesteigerten Fahrspass, ohne dass man in einer ST-Version mit 250 PS (wird ebenfalls neu aufgelegt) oder in einem RS-Modell sitzen muss. Dieser giftgrün lackierte Über-Focus stemmte sogar mehr als 300 PS auf die Vorderräder, wird aber derzeit nicht mehr gebaut. Zukunft offen. Die Kompetenz der Kölner, ein sportlich-souveränes Fahrverhalten auch bei den Basismodellen mit Vorderradantrieb zu garantieren, erfährt dennoch eine weitere Steigerung. Ein modifiziertes Fahrwerk, neu abgestimmte Stossdämpfer und eine straffere Auslegung verschaffen dem Lenker noch direktere Rückmeldungen von der Strasse, ohne dass der Federungskomfort darunter leiden würde.

Neue Motoren, gleicher Preis

Am besten kommt dieses geschmeidige Handling bei den Benzinern zum Ausdruck. Womit wir bei Faktum vier wären, den Motoren. Zur Wahl stehen ab Verkaufsstart im November drei Benziner und zwei Selbstzünder. Als erstes europäisches Ford-Modell erhält der Focus einen Ecoboost-4-Zylinder, der trotz weniger Hubraum 150 oder 182 PS leistet und deutlich weniger Benzin verbrauchen soll. Sein Debüt in der Baureihe gibt ein 1,5-Liter-Diesel, der sich in seiner 105 PS-Version mit 3,6 Liter begnügt und somit nur 88 Gramm CO2 pro Kilometer emittiert – sagt Ford.

Zurück zum Ausdruck «Facelift». Ja, es gibt tatsächlich auch ein Faktum, das für die verbale Minimalvariante spricht: Der neue Focus kommt nicht teurer zu stehen als bisher. Die Preisspanne beginnt bei 22'850 Franken.


Peter Hegetschweiler fuhr den Focus am 16./17. September auf Einladung von Ford Schweiz in Spanien.

Erstellt: 22.09.2014, 17:38 Uhr

Ford Focus

Modell: Kompaktwagen mit 5 Plätzen.

Masse: Länge 4358 mm, Breite 1823 mm, Höhe 1484 mm, Radstand 2648 mm.

Kofferraum: 277 bis 1148 Liter.

Motor: Drei Benziner mit 100 bis 182 PS, zwei Diesel mit 105 und 150 PS.

Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 8,6 bis 12,5 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von 182 bis 224 km/h.

Verbrauch: 3,4 bis 6,3 Liter/100 Kilometer (offizielle Werksangabe).

CO2-Ausstoss: 88 bis 146 Gramm/Kilometer (offizielle Werksangabe).

Markteinführung: Mitte November.

Preise: ab 22 850 Franken.

Weitere Informationen: www.ford.ch

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