Die neue Bescheidenheit

An der North American International Auto Show (NAIAS) fahren die Amerikaner kompakte Autos ins Rampenlicht.

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Das waren noch Zeiten, als die amerikanischen Hersteller bei der Präsentation ihrer vierrädrigen Neuheiten Rockbands und TV-Stars auf die Bühne stellten, mit ihren Offroadern durch die Fensterscheiben der Cobo-Hall bretterten oder gleich ganze Büffelherden über die Strassen vor der North American International Auto Show (NAIAS) trieben.

In diesem Jahr sind leisere Töne angesagt. Zwar haben sich die ehemaligen «Big Three» – Chrysler, Ford und General Motors – überraschend schnell und gesund aus dem Krankenbett erhoben, trotzdem verzichten die Amerikaner beim derzeitigen Heimspiel im frühlingswarmen Detroit auf zu viel Powerplay. Denn trotz einem guten 2011 und noch besseren Aussichten und Prognosen für 2012 hängen die maroden US-Staatsfinanzen wie ein Damoklesschwert über der auf allen Ständen spürbaren Hoffnung auf (noch) bessere Zeiten.

Fusion als globaler Ford

Am wenigsten auf Hoffnung, sondern auf realen Produkten und einer klugen Strategie basieren die Zukunftsaussichten von Ford. Notabene der einzigen der drei US-Marken, die den Turnaround ohne Staatsgelder geschafft hat. Ford verdient zwar das grosse Geld in den USA noch immer mit dem XXL-Pick-up F-150 und profitiert nach wie vor vom rustikalen Charme des Mustangs, doch diese beiden Relikte vergangener Zeiten stehen in der Cobo Hall nicht im Rampenlicht, sondern im Schatten kleinerer und vernünftigerer Autos.

Die wichtigste Ford-Neuheit nebst verschiedenen Ecoboostmotoren, Hybridantrieben und Elektrokonzepten ist in Detroit der neue Ford Fusion. «Das Ziel für dieses Auto war klar definiert», erklärte Ford-Vizepräsident Derrick Kuzak: «Wir haben alle Vorteile unserer globalen Produktstrategie ‹One Ford› auf den Punkt gebracht und eine Limousine für die obere Mittelklasse konzipiert, die punkto Design und Treibstoff-Effizienz dank Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Antrieben neue Massstäbe setzt.» Das dürfte auch die Europäer interessieren, schliesslich wird die nächste Generation des Mondeo zu 80 Prozent auf Teilen des Fusion basieren.

Chevy mag es sportlich

Bei Chevrolet dreht sich in der Cobo Hall alles um zwei neue Coupé-Studien: Der sogenannte Code 130R erinnert vom Design her ziemlich unverblümt an das erfolgreiche 1er-Coupé von BMW, der Tru 140S soll bei den kompakten Sportautos zumindest mit dem aggressiven Design für Furore sorgen. Denn unter dem sportlichen Blechkleid der beiden Hingucker mit 2+2 Plätzen verbergen sich nicht etwa V8-Motoren, sondern effiziente Benziner, und im Fall des 130R auch ein zusätzlicher Elektromotor.

Ob die beiden Flitzer je gebaut werden, steht noch in den Sternen. Sicher ist, dass die Autos im Falle einer Realisierung mit einem Kampfpreis von unter 20 000 Dollar am Start stehen sollen – und das trotz einem hochwertigen Multimediaangebot für junge Käufer.

Wachstum mit Schrumpfkur

Dass Chevrolet ein Gespür und das Knowhow für Kleinwagen hat, wird niemand bezweifeln. Dass aber auch die luxuriöse Konzernschwester Cadillac neues Wachstum dank einer Schrumpfkur erreichen will, erstaunt schon eher. Allerdings will Cadillac mit dem in Detroit enthüllten ATS nicht bei den ganz Kleinen punkten, sondern in der Mittelklasse – also bei Audi A4, BMW 3er und Konsorten. Mit diesem Modell will Cadillac den Weg zur «weltweiten Exklusivmarke» ebnen.

Und Chrysler? Unter der Flagge Fiats reaktiviert Dodge den einstigen Kultcruiser Dart. Was von vorne aussieht wie ein Mix aus Scirocco und Kia, ist nichts anderes als ein neu verpackter Alfa Romeo Giulietta. So wird das «Hütchenspiel» der italienisch-amerikanischen Freundschaft nun auch auf dem US-Markt angewendet.

So oder so: «Die Detroit Auto Show versprüht in diesem Jahr sehr viel Optimismus», bestätigt der deutsche Auto-Papst Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. «Das ist gut für die Branche und zeigt, dass die USA noch lange grosse Bedeutung als einer der wichtigsten Automärkte der Welt haben.»

Erstellt: 13.01.2012, 22:11 Uhr

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