Ein Käfer wird zum Sandfloh

Der VW Beetle Dune tritt das Erbe der legendären Strandbuggys an. Bis zur Serienfertigung dauert es zwar noch bis 2016, aber das Warten dürfte sich lohnen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist, als sässe man vollbekleidet in einer trockenen Badewanne. In einer orangefarbigen Badewanne auf Rädern, um genau zu sein. Und für Aussenstehende sieht es wohl auch so aus: Als brause da jemand – völlig albern und wahrscheinlich sogar bekifft – in einer orangen Badewanne über den Ellenbogen genannten nördlichsten Teil der Insel an Spaziergängern, Fahrradfahrern und Sanddünen vorbei.

Kein Vergleich zu den ach so vornehmen Bentley- und Porsche-Cabrios, die das Strassenbild von Sylt sonst prägen. Aber wetten, dass sich deren Fahrer nicht halb so gut amüsieren? Die Augen tränend vom Fahrtwind, auf der Zunge der Geschmack des Meeres, im Kopf irgendein Hippie-Surf- Gedudel von Dick Dale – man glaubt, in Pismo Beach zu sein, wo 1964 der erste Buggy auf ein Käfer-Chassis geschraubt wurde. Man trägt sogar imaginäre Schlaghosen. Wobei das Verlangen nach Räucherstäbchen, Sonnenblumen und Weltfrieden selbst dann noch anhält, als man längst von der orangefarbigen Badewanne auf ein in Arizona-Gold lackiertes Coupé umgestiegen ist. Optisch und technisch haben der VW Beetle Dune und das kompromisslose Glasfaser- Cabrio zwar nichts gemeinsam, aber gefühlsmässig schon.

Mehr als ein Cross-Beetle

Markante Stossfänger mit verchromtem Unterfahrschutz, um 48 Millimeter verbreiterte Radläufe und 45 Millimeter mehr Bodenfreiheit machen den Dune augenscheinlich zum Abenteurer. Mehr noch: zum beliebten Fotomotiv für Touristen. Die Hobby-Paparazzi scheinen zu ahnen, dass es sich dabei – teurer, exklusiver noch als der gleich um die Ecke geparkte Aston Martin – um ein Unikat handelt. Um einen Showcar, der im Januar auf der Detroit Auto Show im Rampenlicht stand und nun einmalig über nordfriesischen Asphalt rollt.

Doch dabei soll es nicht bleiben: Anders als E-Bugster, Ragster, R Concept und wie die Studien auf Beetle-Basis alle hiessen, darf der Dune tatsächlich in Serie gehen. Dass bis dahin noch genügend Zeit bleibt, sich eine Hippie-Mähne wachsen zu lassen, hat einen guten Grund: Der Dune soll nicht bloss eine mit Plastikplanken geschmückte Cross- Version wie bei Polo, Up und Co. sein. Sondern ein eigenständiges Modell mit neuer Front- und Heckpartie sowie aufwendig umgerüstetem Fahrwerk. Die Freigabe für die Änderungen kostet Zeit – vor Anfang 2016 ist mit dem Marktstart nicht zu rechnen – und gewiss auch Geld. Der Aufpreis gegenüber dem 21 450 Franken teuren Basis-Beetle dürfte somit über den 2950 Franken liegen, die den Cross-Up von seinem gewöhnlichen Bruder trennen.

Israel Romero von der Produktkommunikation betont, dass der Showcar auf dem Weg zum Serienmodell schon sehr weit sei. Der Dune werde in eineinhalb Jahren genauso bullig, in einer ähnlichen Metallic-Lackierung und mit einem eigenständigen Interieur samt kontrastierenden Nähten beim Händler stehen.

Was auf der Strecke bleibt

Weniger enthusiastisch beantwortet er die Frage, welche Details der Studie auf der Strecke bleiben werden. Es sind wie so häufig die interessantesten: Die stark konturierte Fronthaube mit gerippten Lufteinlässen – wird einer normalen weichen. Der clever in den Spoiler integrierte Skiträger – wäre zu teuer. Die 19-Zoll-Räder – fallen dann ein Zoll kleiner aus. Die «Sideways» genannte Navigationssoftware, die nicht nur eigeninitiativ Sonderziele anzeigt, sondern auch, ob sich dort gerade Freunde aufhalten, bringt VW erst zu einem späteren Zeitpunkt auf den Markt. Und der charmante, vom Ur-Käfer inspirierte Haltegriff vor dem offenen Handschuhfach entfällt ganz. «Dazu müssten wir neue Crashtests machen, und das hiesse, noch mehr Zeit zu verlieren», so Romero. Noch mehr Zeit? Wer seit der ersten Dune-Studie auf den Marktstart wartet, hat inzwischen nicht nur lange, sondern graue Haare. Erstmals zu sehen war die faszinierende Idee eines Offroad-Beetle nämlich auf der Los Angeles Auto Show – und zwar im Jahr 2000.

Als Cabrio, aber ohne Allrad

Dafür beträgt die Wartezeit von null auf Tempo 100 nur 7,3 Sekunden. Derselbe 2-Liter-4-Zylinder-Turbo, der in der Vergangenheit schon den Golf GTI befeuerte, sorgt auch im Dune für einen sportlichen Antritt. Im Angebot wird aber nicht nur das 210 PS starke Toptriebwerk stehen, sondern die gesamte Motorpalette des aktuellen Beetle – sprich auch der 105-PS-Basisbenziner und der ebenso starke Diesel. Dem Hippie- Glück steht also nichts im Weg – ausser vielleicht ein harter Winter in den Bergen. «Allradantrieb ist nicht vorgesehen », beteuert Israel Romero von der Produktkommunikation. Abgesehen davon, dass schon die Strandbuggys der 60er-Jahre nur zwei Antriebsräder hatten, wäre der technische Aufwand zu gross. Dafür wird es den Neuzeit-Buggy von Anfang an auf Wunsch auch als Cabrio geben. Für das Gefühl, vollbekleidet in einer trockenen Badewanne zu sitzen – aber ohne dabei allzu albern und bekifft auszusehen.

Nina Vetterli fuhr die Studie VW Beetle Dune am 19./20. Juni auf Einladung von VW-Importeur Amag in Deutschland.

(Erstellt: 27.06.2014, 18:11 Uhr)

Video

Video-Präsentation des Konzepts.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Vergleichsdienst

Finden Sie in nur fünf Schritten die optimale Versicherung für Ihr Auto.
Jetzt vergleichen.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Blogs

Mamablog Mama, bleib doch mal stehen!

Never Mind the Markets Polen und Ungarn sind keine Schwellenländer

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...