Licht ins Dunkel

Das neue Laser-Fernlicht lässt weiter in die Ferne blicken. Doch BMW beweist auch mit neuen Antriebskonzepten Weitsicht.

600 Meter Reichweite: Das neue Laser-Fernlicht im BMW i8 stellt die bisherige LED-Technik förmlich in den Schatten. Fotos: BMW

600 Meter Reichweite: Das neue Laser-Fernlicht im BMW i8 stellt die bisherige LED-Technik förmlich in den Schatten. Fotos: BMW

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Die Scheinwerfer strahlen 300 Meter weit, dahinter herrscht Finsternis. Keine Laterne säumt die Landstrasse, noch nicht einmal der Mond spendet sein blasses Licht. Trotzdem gibt der Fahrer Gas. Die digitale Tachonadel schiesst in die Höhe, und es folgt die Erleuchtung, wortwörtlich: Ein weisser Lichtkegel gibt eine Kreuzung zu erkennen, die über einen halben Kilometer entfernt liegt. Der Mann am Steuer bleibt stumm, doch sein stolzes Lächeln sagt alles. Vorsprung durch Technik? Den hatte diesmal nicht Audi. Die Münchner waren im vergangenen Juni die Ersten, die das Laser-Fernlicht einführten – vor den Ingolstädtern. Acht Exemplare des BMW i8 waren damit ausgeliefert worden; inzwischen steht es auf der Optionenliste des Plug-in-Hybrid-Sportlers. Die Technik: Im Innern der Scheinwerfer trifft – ungefährlich fürs menschliche Auge und ohnehin erst ab 70 km/h – ein Laserstrahl über ein System von Spiegeln auf Phosphorkristalle und wird über einen Reflektor ausgesendet. Die Vorteile gegenüber LED: doppelt so viel Reichweite, rund 30 Prozent weniger Energieverbrauch, kompaktere Bauweise. Der Preis: derzeit noch 13'980 Franken. «Aber das ist die Zukunft», sagt der Mann.

Plug-in-3er kommt 2016

Es ist nicht das einzige Licht, das BMW auf diesem Pressetermin ins Dunkel bringt. Nächster Tag, anderes Auto, der Blick – diesmal vom Fahrersitz aus – ist auf eine kurvige Handlingstrecke im hauseigenen Testgelände bei Miramas gerichtet. Doch die Sicht reicht noch viel weiter: bis ins Jahr 2016, wenn die Plug-in-Hybridtechnik auch in der 3er- Reihe eingeführt werden soll. Nur noch 2,1 Liter und 50 Gramm CO2 soll die Mittelklasselimousine damit verzeichnen; rund 60 Prozent weniger als ein Benziner. Anders als das aktuelle, nicht an einer externen Steckdose aufladbare Hybridmodell, wird der künftige Teilzeitstromer zudem bezahlbar sein und nicht viel über dem 52'000 Franken teuren 328i starten. Die Zukunft schleicht sich zunächst auf leisen Sohlen heran.

Die 95 Elektro- PS und 5,5-kWh-Akkus sollen für 120 km/h und bis zu 35 Kilometer reichen – laut Hersteller genug, um 80 Prozent der bisherigen 3er-Kunden emissionslos durch den Tag zu bringen. Dann aber der Druck auf die eDrive-Taste in der Mittelkonsole. Ohne Ruckeln meldet sich der Verbrenner mit diesem markentypisch knurrenden Sound und liefert die zusätzliche Kraft eines 2-Liter-4-Zylinders. 245 PS Systemleistung stehen jetzt zur Verfügung und mehr als 500 Kilometer Reichweite. Von Vorsprung durch Technik kann diesmal nicht die Rede sein – Volvo und VW haben ihrer Mittelklasse bereits Steckdosen-Zugang verschafft. Doch das BMW-Ding ist ohnehin die Freude am Fahren, und eines macht der vorne und hinten mit Tarnfolie beklebte Prototyp klar: Das Versprechen wird auch dann noch eingelöst, wenn der 3er 165 Kilo schwere Zusatz-Aggregate mit sich herumschleppen muss. Das Handling bleibt agil, Spurt von 0 auf Tempo 100 gelingt in weniger als sieben Sekunden.

5er GT mit Achterbahn-Feeling

Schliesslich kommt noch etwas anderes ans Licht: ein gewöhnlicher 5er GT, der unter dem Blech aber noch nicht einmal Prototypstadium erlangt hat. Der «e-Power-Demonstrator» ist ein Versuchsfahrzeug, ein millionenschweres Einzelstück, weshalb es nun wieder auf den Beifahrersitz geht. «Den zeigen wir auch noch», hatte der Vorstand vor wenigen Wochen spontan entschieden, um der Presse einen flüchtigen Blick in eine noch entferntere Zukunft zu gewähren. Wobei Blick vielleicht das falsche Wort ist: Als der Testfahrer loslegt, gibt es nichts mehr zu sehen, so sehr tränen die Augen.

Ein heftiger Druck, ein flaues Gefühl im Magen – haben die Münchner etwa vor, ins Achterbahngeschäft einzusteigen? Natürlich nicht. Auch wenn die beiden E-Motoren und der wahlweise als Range-Extender oder Antrieb genutzte 3-Zylinder gemeinsam über 600 PS leisten und die Anzahl Newtonmeter «vierstellig » ist. Es geht um Power, ja, aber es geht auch um die Möglichkeit, längere Strecken elektrisch zurücklegen: mindestens 100 Kilometer, wobei der Benziner die Gesamtreichweite auf 500 Kilometer erhöhen soll. Wo das Verbrenner- Elektro-Verhältnis bei Plug-in-Hybriden 3:1 beträgt, wird es bei diesem Konzept umgekehrt. Denkbar sind verschiedene Fahrzeugkonzepte zwischen 250 und 600 PS; die Komponenten stehen heute schon zur Verfügung.

CO2-Ziele in Sicht

Man wisse noch nicht, welches Antriebskonzept sich durchsetzen werde, beteuert man in Miramas. Nur einen Fixstern gibt es: die von der EU vorgeschriebenen 95 Gramm CO2, die der Flottendurchschnitt bis 2020 betragen soll. BMW beschreitet bis dahin verschiedene Wege. Der i3 ist rein elektrisch unterwegs, die Kompaktklasse kommt mit 3-Zylinder-Downsizingmotoren voran, der 3er als weltweit erfolgreichste Premium-Limousine geht an die Steckdose und bringt den Hersteller damit näher an die CO2-Ziele, und für grössere, schwerere Reisefahrzeuge könnte der «e-Power-Demonstrator» eine Rolle spielen. Nebenbei soll BMW auch eine Kooperation mit Toyota eingegangen sein, was die Brennstoffzelle anbelangt. Laser-Fernlicht hin oder her, in gewisser Hinsicht tappt auch BMW im Dunkeln. Doch wie heisst es so schön? Wer im Dunkeln herumballert, trifft immer ins Schwarze.

Erstellt: 09.01.2015, 17:14 Uhr

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Als Plug-in-Hybrid soll der 3er künftig 35 Kilometer weit stromern.

BMW tüftelt zudem an einem Hochleistungshybriden für Langstrecken.

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