Nicht kleiner, aber feiner

Der neue Mazda 2 präsentiert sich mit frischem Design, modernen Features und Motoren, die auch ohne Downsizing den gewünschten Spareffekt erzielen.

«Wir werden die Vorurteile, die die Leute über kleine Autos haben, über den Haufen werfen», verspricht Mazda beim neuen, bis zu 20 Prozent sparsameren 2er. Fotos: Mazda

«Wir werden die Vorurteile, die die Leute über kleine Autos haben, über den Haufen werfen», verspricht Mazda beim neuen, bis zu 20 Prozent sparsameren 2er. Fotos: Mazda

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«Reiskocher» nennt man die Autos der Japaner, wenn man ihnen böse will. Dabei ist der Verweis auf ihre Küche eigentlich ein Kompliment. Immerhin wurde sie von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt – eine Auszeichnung, die an Sauerkraut, Weisswurst und Co. bislang vorbeiging. Ausserdem bildet der Reis ja bloss die Basis. Es ist die Raffinesse der japanischen Kochtechnik, die sie zur Kunstform erhebt.

Der Anspruch, mit dem sie im Nippon-Staat selbst Alltägliches zubereiten, und so ähnlich halten sie es in Hiroshima auch beim Autobau: «Wir werden die Vorurteile, die die Leute über kleine Autos haben, über den Haufen werfen», «wir sind versessen auf Details», und «die Qualitätsanmutung übertrifft alles, was man in diesem Segment kennt», liess der Hersteller bei der Vorabpräsentation des neuen Mazda 2 verlauten. Die dritte Generation des seit 1996 gebauten Kleinwagens will offenbar mehr sein als gewöhnliche Hausmannskost. Und sie will der Konkurrenz endlich die Suppe versalzen. Kleine Kostprobe aus der Schweizer Absatzstatistik gefällig? Der VW Polo belegt regelmässig Platz drei, der Mazda 2 kam 2013 mit über dreimal weniger Verkäufen auf Platz 81 – für die Japaner natürlich bitter.

Schärfer und geräumiger

Nach dem CX-5, Mazda 6 und Mazda 3 wurde nun auch der 2er nach dem hauseigenen Designrezept «Kodo» gestaltet. Der Kühlergrill fünfeckig, die Chromspange bis in die Scheinwerfer gezogen, die Überhänge kurz, die Schulterlinie hoch – eine gewisse Schärfe lässt sich dem Kleinwagen nicht absprechen. Bei der Gestaltung des Interieurs gingen die Japaner wie in ihrer Kochkunst vor: Um die frischen Zutaten besser zur Geltung zu bringen, wurde an Würze gespart.

Die Mittelkonsole wirkt schlicht, die meisten Funktionen werden über das 7-Zoll-Display gesteuert, ohne dem Individualisierungs- und Lifestyle-Wahn mancher Mitbewerber zu verfallen, bieten sich dem Käufer einige geschmackvolle Farb-, Textur- und Materialkombinationen zur Auswahl. Das fade Interieur des Vorgängers ist damit gegessen. Ergonomisch weiss der Kleinwagen zu überzeugen, und weil er mit 16 Zentimetern mehr Länge und 8 Zentimetern mehr Radstand eine gute Portion grösser wurde, überzeugt auch das Raumangebot. Zumindest auf kurzen Reisen fühlen sich Grossgewachsene selbst auf der Rückbank nicht eingeengt – der Kofferraum hat auf konkurrenzfähige 255 bis 887 Liter zugelegt.

Um die Effizienz zu steigern, setzt Mazda auf die Skyactiv Technology, eine Spezialität des Hauses, die unter anderem die Verwendung hochfester Stähle und Motoren mit ungewöhnlichen Verdichtungsverhältnissen sowie Bremsenergie-Rückgewinnung umfasst. So bleibt der 2er trotz gewachsener Aussenmasse leichte Kost – der 4,06-Meter- Wagen wiegt knapp eine Tonne – und köchelt mit 3,4 bis 4,9 Litern auf Sparflamme. Dies, wohlgemerkt, obwohl Mazda auf gängige Zutaten wie einen 3-Zylinder-Downsizingantrieb verzichtet: Der Benziner mit 90 oder 115 PS ist ein Saugmotor; wie der 105-PS-Diesel im Angebot hat er vier Zylinder und 1,5 Liter Hubraum.

Mit einer Prise Fahrspass

Zum Probieren in Barcelona gab es einerseits den Selbstzünder und andererseits den schwächeren der beiden Benziner mit optionaler 6-Gang-Automatik. Ersterer wäre eigentlich eine Empfehlung: Kein Anlassschütteln, kein Geknatter, der Motor läuft kultiviert und bringt den 5-Türer mit bis zu 220 Newtonmetern locker in Fahrt. Nur interessiert dies in der Schweiz keinen – Kleinwagen mit Dieselmotor gelten hierzulande als so abwegig wie ein japanisches Fisch- und Reisfrühstück. Aber auch der Benziner gibt sich leise und souverän. Trotz mageren 148 Newtonmeter Drehmoment zieht er entschlossen vom Fleck, hinzu kommt die bei allen Motorisierungen serienmässige, blitzschnell agierende Start-Stopp-Automatik und diese kleine Prise Fahrspass, die sie bei Mazda mitliefern, indem sie ihre Fahrwerke mit der richtigen Mischung aus Komfort und Sport zubereiten.

Die Liste der Assistenzsysteme liest sich wie die Speisekarte eines gediegenen Restaurants: Spurwechselwarner, Fernlichtassistent, City-Notbremsassistent, Voll-LED-Scheinwerfer, und falls es sonst noch etwas sein darf – der neue Rückraumassistent überwacht das Umfeld mit Unterstützung von Radarsensoren und warnt beim Ausparken vor Querverkehr. Was einigen Käufern allerdings sauer aufstossen könnte: Der kleine Benziner mit Basisausstattung startet bei 19 650 Franken, die meisten der oben genannten Features lassen sich aber leider nicht etwa als einzelne Extras bestellen, sondern sind an die teurere Topausstattung gebunden – mit welcher der kleine Benziner gar nicht erst erhältlich ist.

Abgesehen davon leistet sich der neue Mazda 2 kaum Schwächen: Preis, Technik, Optik und Qualität überzeugen. Doch ob er damit besser ist als die Konkurrenz? Letztlich kochen sie selbst in Japan nur mit Wasser, und fragen Sie einmal einen, der fürs Leben gerne Sauerkraut, Weisswurst und Co. isst, was er von der Unesco-Auszeichnung hält. Wie beim Essen ist und bleibt auch die Wahl des Autos Geschmacksache.

Nina Vetterli fuhr den Mazda 2 am 6./7. November auf Einladung der Mazda Suisse SA in Spanien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2014, 18:35 Uhr

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