Smartes Tauwetter

TA-Mitarbeiter Thomas Geiger drehte am Polarkreis erste Runden mit dem neuen Smart.

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Es ist Tauwetter in Älvsbyn, und auf dem Testgelände «Arctic Falls» am Polarkreis geht die Saison in diesem Jahr ein bisschen früher zu Ende. Markus Riedel sind die hohen Temperaturen gar nicht recht. Denn er ist Projektleiter für den neuen Smart und hätte in Schweden gerne noch ein paar zusätzliche Pirouetten auf dem gefrorenen See gedreht, statt durch den Schneematsch zu waten. Für das Testgeschäft ist das Tauwetter Gift. Doch für die Symbolik ist es gar nicht so schlecht. Denn auf das Ende der Eiszeit haben sie bei Smart jetzt lange genug gewartet. Der aktuelle Fortwo ist in die Jahre gekommen und die vielen – zum Teil fragwürdigen – Studien konnten kaum darüber hinwegtäuschen, dass es endlich Zeit wird für den Nachfolger. Aber jetzt hat das Warten bald ein Ende: «Ein paar Testschleifen noch, dann machen wir die letzten Haken auf unsere Listen, geben die Serie frei und können im Sommer mit der Produktion beginnen», sagt Riedel.

Bis 90 PS, aber kein Diesel

Dass der neue Smart so spät kommt, liegt an der komplizierten Vaterschaft: Denn die dritte Generation des Kleinwagens wird bekanntlich in Kooperation mit Renault entwickelt und braucht deshalb ein paar Abstimmungsschleifen mehr. Natürlich hätten die Schwaben den Winzling auch wieder alleine auf die Räder stellen können. Doch nur in einer Partnerschaft liessen sich die Stückzahlen nach oben und die Kosten nach unten schrauben, sagt Riedel. Und den Forfour mit vier Türen und ebenso vielen Plätzen hätten sie ohne das Zwillingsmodell Renault Twingo wahrscheinlich auch nicht so schnell auf die Räder gestellt.

Deshalb also hat der neue Smart jetzt französische Wurzeln, fährt mit den Renault-3-Zylindern, die aus einem Liter Hubraum wohl um die 70 und 90 PS holen, und wird zum Teil sogar von den Franzosen gebaut. Denn während der neue Fortwo neben dem alten Cabrio und dem Elektro-Smart bei Daimler in Hambach vom Band läuft, kommt der Forfour wie der Twingo aus Novo Mesto in Slowenien.

Wendekreis von nur 7,5 Metern

Auch mit französischem Einfluss ist das neue Auto auf den ersten Blick ein Smart nach alter Schule. Denn es bleibt bei den kurzen 2,69 Metern, es bleibt bei der farblich abgesetzten Tridion-Sicherheitszelle und es bleibt bei den 3-Zylindern im Heck. Sonst allerdings ist so ziemlich alles neu am Mini-Mercedes. Wie die Studie Fourjoy sieht auch der Seriensmart jetzt richtig erwachsen aus: Er hat ein freundliches, aber ernst zu nehmendes Gesicht mit fast eckigen Tagfahrleuchten um die matten Augen, hat für den Fussgängerschutz einen kleinen Vorbau bekommen und sogar ein bisschen Speck auf den Hüften.

Die wichtigste formale Änderung ist aber die grössere Spur. Weil der Neuling zehn Zentimeter in die Breite geht, steht er nicht nur optisch satter auf der Strasse und sieht aus wie ein Auto und nicht mehr wie ein Spielzeug, sondern wer neben Riedel bei einer seiner Runden Platz nimmt, der erlebt endlich auch ein komfortables und stabiles Fahrgefühl, wie man es aus der Klasse von Polo & Co. kennt. «Der Smart ist erwachsen geworden, und genau so fühlt er sich an», umschreibt es der Projektleiter. Nachdem mit Holperfahrwerk, Knattermotoren und Nick-Automatik die Fahrfreude ab und zu auf der Strecke geblieben ist, will der neue Smart den Spass zurück in die Stadt bringen. Dafür stehen nicht nur neue Motoren mit um die 70 und 90 PS – aber diesmal ohne Diesel –, ein besseres Fahrwerk und der Wechsel auf eine sanfte Doppelkupplung. Sondern der ganze Stolz der Schwaben ist der rekordverdächtige Wendekreis von nur 7,5 Metern – 1,25 Meter weniger als heute. Das sollte reichen, damit Smart-Kunden um den Mini künftig Kreise fahren und sich weiter als Champions in der City fühlen können.

Mehr Platz auf allen Plätzen

Vom Zuwachs in der Breite profitiert auch der Innenraum: Die Sitzposition ist erhaben wie immer, und an Kopffreiheit herrscht auch künftig kein Mangel. Nur mit dem Kuscheln dürfte es jetzt schwierig werden. Denn die Zeit der zwanghaften Tuchfühlung mit dem Nebenmann ist mit dem neuen Format endlich vorbei. Wem das nicht reicht, der bekommt den Smart künftig auch wieder in XL – als 4-Türer Forfour. Er soll eine Alternative zu Fiat 500, Opel Adam oder VW Up werden und zugleich die Erinnerung an den unglücklichen Forfour der ersten Generation auslöschen. Weil der als halbherziger Ableger des Mitsubishi Colt noch jedem bei Smart eine flammende Warnung ist, wurde der neue 4-Türer konsequent auf Family-Face getrimmt. Von vorne oder hinten sind die beiden Modelle kaum zu unterscheiden, nur in der Seitenansicht kann man sie sofort auseinanderhalten. Schliesslich wurde der Wagen auf 3,5 Meter gestreckt und eine zweite Tür in die markante Sicherheitszelle gequetscht. Die ist zwar ziemlich kurz, öffnet sich dafür aber fast 90 Grad und erleichtert so auch Erwachsenen den Zustieg zum Fond. Der ist extrem knapp bemessen, aber dafür ist die Rückbank betont praktisch: Mit einem Zug lassen sich die Sitzkissen umdrehen, auf den Boden klappen und flachlegen.

Preise sind noch nicht bekannt

Dass man den Smart nicht mit dem Twingo verwechseln wird, dafür sorgen nicht nur die Designer, die nach den Worten von Projektleiter Riedel über die gemeinsame Unterwäsche zwei sehr individuelle, aufreizende Kleider geschneidert haben, sondern den Unterschied sollen am Ende auch die Kollegen aus dem Marketing machen. «Wir werden unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und deshalb auch unterschiedliche Preise haben», sagt Riedel. Wo die liegen werden, das kann und will er allerdings noch nicht sagen. Zumal darüber in der Zentrale in Stuttgart wohl noch heiss diskutiert wird. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.03.2014, 08:20 Uhr

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