Spät, aber mit Ambitionen

Mit dem CX-5 fährt Mazda spät ins dicht besetzte Segment der Kompakt-SUV. Doch die Japaner sehen sich nicht als Lückenbüsser.

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Sie kommen spät, aber es mangelt ihnen nicht an Selbstvertrauen: Wenn Mazda im Frühjahr als letzter Japaner auch einen kompakten Geländewagen bringt, dann wird das nicht nur «der schönste und sportlichste SUV auf dem Markt», sondern auch «der geräumigste und sparsamste». Das zumindest war das Ziel von Projektleiter Hideaki Tanaka. Und die ersten Probefahrten im CX-5 haben bewiesen, dass er diesem Ziel ziemlich nahegekommen ist.

Und dafür hat Tanaka einen extrem hohen Aufwand getrieben. Immerhin ist der kleine Kraxler das erste Modell, in dem Mazda im vollen Umfang die neuen Sky-active-Technologien zum Einsatz bringt. Unter diesem Oberbegriff summieren die Entwickler um Technikchef Hirotake Kanazawa alle Lösungen, mit denen sie den CO2 ihrer Flotte bis 2015 um fast 25 Prozent senken wollen. Deshalb hat der CX-5 nicht nur ein neues Format und als erstes Auto aus der Feder von Designchef Ikeo Maedo zudem eine neue Formensprache. Sondern auch die Technik ist komplett neu: «Bodengruppe, Karosserie, Fahrwerk, Motoren, Getriebe – nichts davon haben wir bislang in einem anderen Modell eingebaut», sagt Kanazawa.

4,5 Liter Diesel im Schnitt

Jeder einzelne Baustein dient in erster Linie einem geringeren Verbrauch: So ist die gesamte Konstruktion rund 100 Kilogramm leichter als bei einem konventionellen Fahrzeug, die Motoren bieten mehr Leistung und Drehmoment und sind trotzdem mit weniger Sprit zufrieden, und selbst die Getriebe gehen mit einem Verbrauchsvorteil von bis zu 7 Prozent in die Kalkulation ein. So wiegt der CX-5 im besten Fall keine 1400 Kilogramm und ist damit sogar noch 70 Kilo leichter als der zehn Zentimeter kürzere VW Tiguan. Und obwohl die Japaner auf eine Doppelkupplung ebenso verzichten wie auf den Turbo für den Benzindirekteinspritzer, kann der Wagen locker mit den Konkurrenten mithalten: «In Praxistests haben wir zum Beispiel gegenüber dem Tiguan einen Verbrauchsvorteil von 20 Prozent herausgefahren», berichtet Tanaka, und auch auf dem Prüfstand sieht der CX-5 nicht schlecht aus: Der sparsamste Diesel wird nur 4,5 Liter verbrauchen und selbst der stärkste Benziner soll nicht über 6 Liter kommen.

Leichtfüssig und lustvoll

Angeboten wird der CX-5 in Europa vorerst mit drei Motorvarianten, die weitgehend frei mit Allrad- oder Frontantrieb, Handschaltung oder Automatik ausgerüstet werden können. Den Einstieg markiert ein zwei Liter grosser Benziner mit 165 PS und 210 Nm, und als Alternative gibt es einen 2,2 Liter grossen Diesel, der wahlweise mit 150 oder 165 PS ausgeliefert wird. Er geht mit bis zu 420 Nm zu Werke, bringt den CX-5 ausgesprochen flott in Fahrt und beweist, dass bei aller Vernunft das Vergnügen nicht auf der Strecke bleibt: Niedertourig gefahren, ist er ein ebenso kultivierter wie kraftvoller Dauerläufer. Tritt man jedoch etwas fester aufs Pedal, dreht er willig bis weit über 5000 Touren und knurrt jenseits von 3000 Umdrehungen so laut und kernig, wie man es von einem Sportwagen erwarten würde.

So kernig der Motor, so knackig auch das Fahrwerk: «Wir haben den CX-5 zum MX-5 unter den Geländewagen gemacht», behauptet Entwicklungschef Kanasawa mit Blick auf den legendären Roadster.

Tatsächlich ist das Fahrwerk straff, die Lenkung präzise, die Sitze endlich mit genügend Halt und die Position hinter dem Lenkrad vorbildlich. So lässt sich der Wagen tatsächlich leichtfüssig und lustvoll durch die Kurven bewegen, ohne dabei hart und unkomfortabel zu wirken.

Mehr Platz auf allen Plätzen

Aber Projektleiter Tanaka hat nicht nur an den Fahrer gedacht. Damit sich auch die Passagiere wohlfühlen, gibts einen stattlichen Radstand von 2,7 Metern und mit ihm überraschend viel Platz auf allen Plätzen. Viele Ablagen sollen den 4,55 Meter langen CX-5 für den Alltag rüsten, die jetzt dreigeteilte Rückbank sorgt für mehr Variabilität im ordentlich bemessenen Kofferraum, die Materialanmutung zeugt bis auf das altbackene Display des Bordcomputers im Cockpit von der neu entdeckten Liebe zum Detail, und eine Vielzahl neuer Ausstattungsoptionen bringen den CX-5 auf Augenhöhe mit den meisten Konkurrenten.

Ganz so viel Technik wie beim Tiguan oder X1 gibts zwar nicht. Aber zum ersten Mal bietet Mazda neben dem elektronischen Blick in den Toten Winkel auch eine Spurverlassenswarnung an. Zudem zündet das Fernlicht automatisch, und im Stadtverkehr kann der CX-5 vor einer drohenden Kollision alleine bremsen.

Die Preise für die Schweiz stehen noch nicht fest. Aber zumindest in Deutschland ist das Einstiegsmodell mit Benzinmotor und Frontantrieb beispielsweise deutlich günstiger als ein schwächer motorisierter und weniger gut ausgestatteter Tiguan. Damit dürfte die Preisliste des Neulings wohl knapp jenseits der 30 000-FrankenMarke beginnen – und für ein bisschen mehr Schwung sorgen. Denn nach 10 Monaten liegt Mazda in der Schweiz 5,2 Prozent hinter dem Vorjahr zurück.

Erstellt: 28.11.2011, 15:52 Uhr

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