Testosteron für die Ikone

Der neue VW Beetle hat mehr Power, mehr Stil und macht mehr Spass – und soll dem Kultauto wieder zu altem Glanz verhelfen.

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Man kann sich die langen Gesichter in der VW-Designabteilung förmlich vorstellen: Mit dem Auftrag: «Entwerft ein neues Original», standen die Wolfsburger Kreativen vor der Herausforderung, eines der berühmtesten Designs der Geschichte neu zu entwerfen. Denn neben Coca-Cola, dem iPhone oder Ray-Ban-Sonnenbrillen gibt es wohl kaum ein prägnanteres Design als den VW Käfer. Nicht umsonst machen kleine Kinder aus ihren ersten gezeichneten Autos noch heute fast automatisch Käfer; so stark hat sich der Volkswagen ins kollektive Bewusstsein gebrannt. Bei über 22,5 Millionen verkauften Autos (inkl. New Beetle) nicht weiter verwunderlich.

Breiter, flacher, klassischer

Doch auch eine Ikone muss sich anpassen. Nachdem das Kultauto 1998 mit viel Tamtam ein erstes Mal neu lanciert worden war, präsentiert man nun den neuen Käfer – The Beetle. Anders als bei seinem Vorgänger setzt man darauf, dass der neue Käfer nicht nur am Anfang einen riesigen Hype auslöst, sondern langfristig einen ähnlichen Stellenwert wie das legendäre Original erreicht. Deshalb hat man sich optisch viel stärker am Urdesign orientiert als beim New Beetle: Breiter, flacher, klassischer – der neuste Käfer ist auf den ersten Blick als solcher zu erkennen. Die aus drei Halbkreisen zusammengesetzte Karosserie des 98ers-Modells hat einem neuen Kuppelbau Platz gemacht, der nicht mehr ganz so weit aufragt und nun in einem einzigen Schwung bis zur hinteren Stossstange ausläuft.

Die Folge: Das Auto wirkt maskuliner, kräftiger, dynamischer. Ein Eindruck, der sich beim Fahren bestätigt. Die breitere Spur gibt dem Auto einen stabileren Stand. Damit liegt der Krabbler auffallend satt auf der Strasse und lässt sich locker und sportlich bewegen. Er wirkt dabei agiler, als man es bei einem 1,6 Tonnen schweren Gefährt erwarten würde. Und er widerspricht dem Klischee, das der Beetle vor allem ein Lifestyle-Auto für Frauen ist: Mit seinen 200 PS aus dem vom Golf GTI bekannten 2-Liter-Turbo-Motor hat der aufgerüstete Beetle auch in Sachen Sportlichkeit einiges zu bieten.

Sparsamster Käfer aller Zeiten

Für umweltbewusste Fahrer gibts Alternativen. Zum Verkaufstart im Oktober hat VW einen 1,2 Liter grossen TSI-Benziner mit 105 PS im Programm, der 5,5 Liter verbraucht. Die Dieselvarianten haben 1,6 oder 2,0 Liter Hubraum, kommen auf 105 oder 140 PS und drücken den Verbrauch im optimalen Fall auf 4,3 Liter. Dafür braucht man jedoch die Start-Stopp-Automatik, die bei VW weiterhin einen Aufpreis kostet; immerhin fährt man so aber den sparsamsten Käfer aller Zeiten.

Eine echte Weltpremiere ist das Soundsystem von Fender, das im Gegensatz zu amerikanischen Modellen in Europa optional erhältlich ist. Mit zusätzlicher Bassbox und 400 Watt Ausgangsleistung zeigt der US-Hersteller, weshalb Jimi Hendrix, Kurt Cobain und David Gilmour ihre Welthits über Fender-Verstärker gespielt haben. Fender und der Beetle – da sind Legenden unter sich. Und wer sich von der Fender-Anlage einmal die Gehörgänge durchputzen lässt, darf sich auch mal ein wenig wie ein Rockstar fühlen.

Auch sonst hat sich im Innenleben des Käfers einiges getan: Der auffallend lange Vorbau des Armaturenbretts ist verschwunden. Dafür gibt es viele Farben, sportlich ausgeformte Sitze und ein neues Cockpit samt optionaler Zusatzinstrumente auf dem Armaturenbrett. Sieht man von den klassischen Halteschlaufen einmal ab, sind Retro-Elemente wie die Blumenvase neben dem Lenkrad verschwunden. Dafür feiert das klassische «Käferfach» sein Comeback.

«Auto für die Massen»

Ein Riese ist der neue Beetle dafür immer noch nicht. Und auch in Sachen Übersicht ist der Käfer nach wie vor kein Weltmeister: Ein gewisses Höhlengefühl vermittelt auch der neue Käfer, nicht nur wegen seiner breiteren C-Säule. Doch nach einer Vergleichsfahrt im Käfer von 1958 empfindet man das Platzangebot als sehr komfortabel. Zumal auch der Kofferraum alltagstaugliche Masse erreicht: Statt 210 gibts nun 310 Liter – also fast Golf-Niveau.

Bleibt die Frage, wer den neuen Beetle ins Herz schliessen soll. Nach seiner langen Evolution vom Familienauto über das Hippie-Mobil zum Lifestyle-Darling scheint das Ziel der Wolfsburger, den Käfer wieder «zum Auto für die Massen» zu machen, realistisch. Zumal man mit einem Preis ab 16'950 Euro (Schweizer Preise sind derzeit noch nicht bekannt) auch überraschend tief einsteigt. Und dass man dafür auch noch eine individualisierte Heck-Anschrift anbringen darf, macht den neuen Käfer oder Beetle erst recht zu einer runden Sache.

Lukas Rüttimann fuhr den neuen VW Beetle auf Einladung des Schweizer Importeurs Amag am 14. Juli in Berlin.

Erstellt: 19.07.2011, 21:12 Uhr

VW Beetle

Masse: Länge 4,28 Meter, Breite 1,80 Meter, Höhe 1,48 Meter.
Kofferraum: 310 bis 905 Liter.
Motor: Vier Benziner mit 105, 160, 170 und 200 PS. Zwei Diesel mit 105 und 140 PS.
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 7,5 bis 10,9 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 180 bis 223 km/h.
Verbrauch: 5,9 bis 7,7 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangaben).
CO2-Ausstoss: 137 bis 179 Gramm pro Kilometer.
Marktstart: Oktober/November 2011.
Preis: Schweizer Preis steht noch nicht fest, in Deutschland startet der Beetle bei 16 950 Euro.
Infos: www.volkswagen.ch

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