Citroën kehrt zurück zur alten Extravaganz

Auffälliges Design und vernünftige Funktionalität: Das neue Stadt-SUV C3 Aircross soll die französische Marke wieder bei Individualisten und Nonkonformisten punkten lassen.

Mit 4,16 Meter Länge ist kein Raumwunder möglich: Technisch ist der Aircross auf dem Kleinwagen-Zwilling C3 aufgebaut. Foto: PD

Mit 4,16 Meter Länge ist kein Raumwunder möglich: Technisch ist der Aircross auf dem Kleinwagen-Zwilling C3 aufgebaut. Foto: PD

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Auf den ersten Blick sind wir hier richtig. Kein Meter der korsischen Strassen ist eben; zickzack schlängeln sie sich um die Berge, sind hinterhältig quer geneigt, und ab und zu bleibt nur blanker Schotter. Vergesst den Züriberg – hier gehört ein SUV wie Citroëns neuer C3 Aircross auch tatsächlich hin.

Die französischen Marken fühlten sich dagegen in dieser Fahrzeugkategorie lange fehl am Platze, konzentrierten sich auf im Abschwung befindliche Segmente wie Vans und Limousinen. Geradezu symbolisch ist, dass der C3 Aircross den Minivan C3 Picasso ablöst. Nachdem man die SUV-Lücken zunächst notdürftig mit umgebadgten Mitsubishis gefüllt hatte, hat Citroën nun verstanden, dass man im Wachstumsmarkt China und hierzulande nicht mehr ohne Crossover auskommen kann: In der Schweiz stieg der SUV-Anteil am Gesamtmarkt in den letzten 5 Jahren von 10 auf 35 Prozent, und weil das sogenannte B-Segment der Kleinwagen rund ein Viertel aller Verkäufe ausmacht, passt der C3 Aircross genau ins zuwachsträchtigste Marktsegment.

Konsequent im Playmobil-Style

Viel entscheidender für die Erreichung des angepeilten Verkaufszieles – Markendirektor Vincent Jarno plant mit 1600 Autos für 2018 – dürfte aber sein: Mit dem C3 Aircross versteht man wieder, wofür Citroën stehen soll. In den letzten Jahren dümpelten die PSA-Marken ein wenig lustlos nebeneinander her. Image-Unterschiede? Nicht wahrnehmbar. Das soll sich ändern, auch im Hinblick auf die Integration des gerade übernommenen Autobauers Opel: Künftig wird Peugeot nun eher fahraktive Modelle mit höherem Anspruch bieten, während Citroën sich auf unkonventionelle Modelle für ebensolche Kunden verlegen soll, die ihren Status nicht auf vier Rädern definieren, sondern denen das Auto einfach als ein Baustein ihres Lebensstils gilt. Und die Citroëns Rückkehr zu alter Extravaganz goutieren.

Den Playmobil-Style des C3 Aircross muss man mögen, aber Citroën setzt ihn konsequent um, bis in die Lüftungsdüsen im Interieur. Selbst die Räder wirken viereckig, ebenso der unhandliche Schalthebelknauf; ein wenig schaut das Auto aus, als sei es aus Möbeln und Leuchten der 60er-Jahre komponiert worden. Definitiv das auffälligste Modell zwischen Seat Arona, Hyundai Kona und Honda HR-V.

Turbodiesel mit Schwächen

Auf 4,16 Metern Länge schafft man natürlich kein Raumwunder, aber auch hinten sitzt man ausreichend bequem, wenn man die Rückbank um 15 Zentimeter nach hinten schiebt. Notfalls könnte man die Lehne in einem Winkel zwischen 21 und 29 Grad verstellen. Im Schulterbereich bleibt genug Platz, und sofern man weniger als 1,85 Meter misst, passt der Kopf genau in die Rundung zwischen Tür und Dach. Schade nur, dass sich Citroën beim Panoramaschiebedach ein lichtdichtes Rollo spart: Sein dünner Stoff isoliert null gegen einstrahlende Sonne. Technisch baut der Aircross auf dem Kleinwagen-Zwilling C3 auf. Die Bedienlogik mit zentralem Touchscreen und nur wenigen zusätzlichen Tasten kennt man auch aus dem C4 Cactus. Und ärgerte sich damals schon über die in Menüs versteckten Klimaeinstellungen. Aber unkonventionelle Kunden sind wahrscheinlich native Digitalos, die problemlos damit zurechtkommen.

Zwei Turbodiesel und drei Benziner sind lieferbar. Der 120-PS-Diesel liefert ein hohes Drehmoment und läuft recht leise, aber leistet sich eine spürbare Anfahrschwäche und könnte ein wenig besser mit dem manuellen 6-Gang-Getriebe harmonieren. Ganz gleich, ob zweiter oder dritter: In Kurven fährt man gefühlt oft im falschen Gang. Umso geschmeidiger wirkt der Aircross mit dem mittleren, 110 PS leistenden Turbobenziner, der als Einziger mit einem 6-Stufen-Automatikgetriebe verfügbar ist: Feine Kraftentfaltung, kurze Schaltzeiten, und er ist obendrein noch günstiger.

Erstaunlich tiefes Gewicht

Einen mechanischen Allradantrieb spart sich Citroën wie immer, bietet aber eine fünffach verstellbare Traktionskontrolle an, die auch auf Schotterpisten die Fuhre in Schwung hält. Dafür bleibt das Gewicht mit 1088 Kilogramm in der Basisversion erstaunlich niedrig. Schade nur, dass die Sitze so wenig Seitenhalt bieten und im Gegensatz zum Stadtverkehr Ajaccios kurvige korsische Bergstrassen eben doch nicht wie das ideale Revier für das SUV erscheinen lassen. Leider fehlt auch ein Handgriff in der Tür für den nötigen Halt. Dies aus Kostengründen, weil die Türverkleidungen des C3 übernommen wurden.

Mit dem C3 Aircross stellt Markendirektor Jarno auch die Preispolitik um: Schluss mit schnellen Rabatten, die früher manch neues Modell in der Preisliste wie ein förderungsbedürftiges Auslaufangebot wirken liessen. Stattdessen realistische Listenpreise, um wieder bessere Vergleichbarkeit und damit Markttransparenz bieten zu können. Mindestens 17'990 Franken muss man nun für den 82-PS-Aircross in die Hand nehmen. Der empfehlenswerte 110-PS-Benziner mit der Automatik kommt auf 24'090 Franken zu stehen.

Erstellt: 02.10.2017, 18:04 Uhr

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Citroën C3 Aircross

Rückkehr zur Exzentrik

Modell: Kompakt-SUV mit 5 Türen.

Masse: Länge 4155 mm, Breite 1765 mm, Höhe 1637 mm, Radstand 2604 mm.

Kofferraum: 410 bis 1289 Liter.

Motoren: Turbodiesel mit 100 PS (73 kW) und 120 PS (88 kW), Benziner von 82 PS (60 kW) bis 130 PS (96 kW).

Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h 9,3 bis 14,0 Sekunden.

Höchstgeschwindigkeit:
165 bis 200 km/h.

Verbrauch: 4,0 bis 5,6 Liter auf 100 Kilometer.

CO2-Ausstoss: 104 bis 126 Gramm pro Kilometer.

Markteinführung: November 2017.

Preis: ab 17'990 Franken.

Infos: www.citroen.ch


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