Fiat für Schnäppchenjäger

Die Italiener lassen mit dem Tipo die eigene Kompaktwagenklasse wieder aufleben – und reduzieren sie auf Funktionalität und Einfachheit.

Nur 1,4 Tonnen schwer: Die Kombi-Version des Fiat Tipo rollt erst im Herbst an den Start, die anderen Versionen ab sofort. Foto: Fiat

Nur 1,4 Tonnen schwer: Die Kombi-Version des Fiat Tipo rollt erst im Herbst an den Start, die anderen Versionen ab sofort. Foto: Fiat

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Buchen Sie Übernachtungen bevorzugt über Onlineplattformen wie Airbnb, oder kaufen Sie Kleider und Schuhe am liebsten bei Günstiganbietern wie Zalando? Dann gehören Sie vermutlich zur Kategorie der Schnäppchenjäger – und tun gut daran, noch etwas weiterzulesen. Denn die Macher des neuen Fiat Tipo haben sich bei der Fahrzeugentwicklung zugunsten des Preises explizit auf das Wesentliche konzentriert und das Überflüssige weggelassen. Das jedenfalls behauptet Antonella Bruno, Head of Functional Range bei Fiat: «Unser neuer Tipo bietet in der Kompaktklasse viel Inhalt zu tiefen Preisen. Damit wollen wir dieses wichtige Fahrzeugsegment wieder zurückerobern, in dem wir längere Zeit gefehlt haben.»

Keine glorreiche Vergangenheit

Bei solchen Aussagen tut ein Rückblick in die Fiat-Geschichte gut. Rund 20 Jahre ist es her, dass der letzte Fiat unter dem Namen Tipo vom Band rollte. Der Nachfolger des Ritmo war sieben Jahre lang das Kompaktmodell der Italiener. Der Fünftürer punktete damals mit seinem für jene Verhältnisse riesigen und variablen Raumangebot. Weniger Anklang fanden seine Rostanfälligkeit und das schlechte Abschneiden beim Crashtest. Mit den Modellpflegen wurden diese Mängel über die Jahre behoben. 1995 verschwand der Name Tipo bei Fiat und wurde durch die späteren Modellbezeichnungen Bravo und Stilo ersetzt, bevor die Turiner 2014 ihre Kompaktwagenproduktion ganz einstellten, um sich auf den Fiat 500 und dessen Derivate zu konzentrieren. Seither überliessen sie der starken Konkurrenz mit klanghaften Namen wie VW Golf, Opel Astra oder Ford Focus dieses wichtige Segment kampflos, das in allen Märkten immerhin durchschnittlich rund 20 Prozent aller Verkäufe ausmacht.

Die Zeiten der Vernachlässigung solch wichtiger Verkaufssparten sollen bei Fiat gemäss Antonella Bruno nun aber vorbei sein. Damit dem so ist, hat sie als verantwortliche Managerin ihren Ingenieuren, Designern und Technikern für den neuen Tipo vomersten Entwicklungstag an das Prinzip «Design-to-cost» vorgeschrieben. Das heisst: Kostenorientierung und -optimierung geniesst in der Fahrzeugentwicklung und -produktion oberste Priorität. Mit der deutlichen Kampfansage, sich mit einem günstigen Produkt aus Europa wieder ins Kompaktwagensegment zu wagen, folgt Antonella Bruno aller Wahrscheinlichkeit nach den Anweisungen von Sergio Marchionne, der als CEO des Fiat-Chrysler-Konzerns einen Ruf als Kosten- und Ertragsoptimierer geniesst. Auch beim jüngsten Versuch könnte diese Strategie aufgehen. Denn während vor allem die europäischen Mitbewerber ihre Kompaktwagen mit allen erdenklichen Extras immer mehr in Richtung Oberklasse aufrüsten, kommt der Fiat Tipo absichtlich wieder einfacher und auf Funktionalität getrimmt daher, ohne dass man bei ihm Designelemente und technische Extras sowie diverse Assistenzsysteme der neusten Generation vermissen würde.

Modernes Design und viel Platz

Optisch ist der in den drei Karosserievarianten Stufen- und Schrägheck sowie als Kombi erhältliche Kompaktwagen durchaus gefällig. Kurze Überhänge, fein gezeichnete Linien im Blechkleid und LED-Tagfahrlichter lassen ihn modern erscheinen. Beim Antrieb stehen bei allen drei Karosserievarianten die neusten 4-Zylinder-Diesel- und Benzinmotoren aus dem Konzernregal mit 95 bis 120 PS im Angebot. Der 1,6-Liter- Multijet-Diesel als Topmotorisierung hinterlässt bei unserer Probefahrt den besten Eindruck. Mit dem Gewicht des 1,4 Tonnen leichten Kombis, für den Fiat in der Schweiz die grösste Nachfrage erwartet, wird der 120 PS starke Selbstzünder spielend fertig und beschleunigt auch in steilen Anstiegen durchzugsstark. Federung und Lenkung zeigen ebenfalls keine Schwächen, selbst von den teils holprigen Strassen rund um Turin spürt man im neuen Tipo nur sehr wenig. Und auch die scharfen Kurven der Landstrassen lassen sich mit ihm ohne spürbare Über- oder Untersteuerung präzise befahren. Erfreulich ausgefallen ist selbst die Lärmdämmung, bei günstigen Fahrzeugen sonst oftmals ein Schwachpunkt. Auch die Kopf- und Beinfreiheit lässt im Fünfplätzer keine Kritik aufkommen.

Nur die Tatsache, dass Fiat für den Kombi um keinen Preis die maximale Ladekapazität bei umgelegten Rücksitzlehnen bekannt geben will, lässt darauf schliessen, dass der Tipo bei diesem Wert nicht Klassenbester ist. Und dass im sonst gefälligen Interieur einzelne Hartplastikteile gar billig anmuten, kann man im gleichen Atemzug ebenfalls kritisch anmerken. Ansonsten aber hinterlässt der Tipo einen durchwegs positiven Eindruck. Schnäppchenjäger dürften sich nicht nur am bemerkenswert tiefen Durst der Dieselmotoren freuen, sondern auch ganz besonders an der Tatsache, dass Fiat mit kreativen und kostenbewussten Massnahmen wieder ein Auto geschaffen hat, das vor allem mit einem vorteilhaften Preis-Leistungs- Verhältnis mit den Mitbewerbern aus Europa und Asien mithalten kann.

Thomas Borowski fuhr den neuen Tipo auf Einladung von Fiat Chrysler Automobiles Switzerland am 3. Mai in Italien.

Erstellt: 10.05.2016, 01:11 Uhr

Fiat Tipo Kombi 1.6

Kompaktes Comeback

Kategorie: 5-türiger Kompaktwagen mit 5 Plätzen
Masse: Länge 4571 mm, Breite 1792 mm, Höhe 1514 mm, Radstand 2638 mm, Kofferraum 550 Liter
Motor: Vierzylinder-Diesel mit 120 PS (88 kW)
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 10,1 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
Verbrauch: 3,4 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangabe)
CO2-Ausstoss: 89 Gramm pro Kilometer (offizielle Werksangabe)
Markteinführung: Kombi ab Herbst 2016, Stufenheck und Schrägheck ab sofort
Preis: Ab 21'190 Franken für den Kombi, Stufenheck-Basisversion ab 15'990 Franken
Infos: www.fiat.ch

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