Gespaltene Persönlichkeit

So wie die gleichnamige Baleareninsel für den Spagat zwischen Partymekka und Hippietum steht, schafft der Seat Ibiza dieses Kunststück zwischen Brandstifter und Biedermann..

Brandstifter: Der Seat Ibiza Cupra verführt mit zum (zu) sportlichen Fahren. Foto: Seat

Brandstifter: Der Seat Ibiza Cupra verführt mit zum (zu) sportlichen Fahren. Foto: Seat

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gespaltene Persönlichkeit? Das Magazin der «Spiegel» bringt es zumindest umgangssprachlich auf den Punkt: «Wenn zwei Menschen in einem Hirn wohnen». Doch was hat das mit dem Seat Ibiza zu tun? Im eigentlichen Sinne nichts. Aber der Titel passt zu gut zu den Charaktereigenschaften der beiden Testwagen, die wir auf Ibiza und in der Umgebung von Barcelona gefahren sind, um ihn nicht zu verwenden. Zudem reden und schreiben wir im Zusammenhang mit dem Seat Ibiza von einem Spanier. Und dessen Gesicht wurde erst noch geliftet, der Body gestrafft und – in seiner neusten Form als Cupra – einem handfesten Fitnessprogramm unterzogen.

Cupra mit 192 PS

Die Avenida Diagonal, die Ramblas oder die Ronda Litoral – wer mit dem Auto durch Barcelona fährt, dem reicht das Basismodell des Seat Ibiza mit 75 PS. Denn so dicht wie die Strassen der katalanischen Hauptstadt die meiste Zeit sind, gibt es keinen Grund für mehr Motorleistung. Doch visiert man den Tibidabo an und fährt von dort nach Martorell, dann weiss man, weshalb Seat dort in seinem Stammwerk seit 1996 auch einen Ibiza Cupra baut. Denn nur ein paar Ampeln jenseits der City schlängeln sich einsame, kurvige Strässchen durchs Küstengebirge, die wie gemacht sind für einen übermotorisierten Kleinwagen. Erst recht, wenn der jetzt für das letzte Drittel seiner Laufzeit noch einmal ordentlich aufgefrischt wird, dabei zu Preisen ab 23'950 Franken noch ein bisschen mehr Muskeln und vor allem eine elektronische Differenzialsperre bekommt.

Dezent retuchiert

Wie seine braven Brüder aussen dezent retuschiert und innen vor allem an neuer Elektronik mit grossem Touchscreen (Media System Plus gegen Aufpreis) und viel besserer Smartphone-Integration zu erkennen, stürmt der spanische Bruder des VW Polo künftig nicht mehr mit 180, sondern 192 PS durch die Serpentinen. Dazu haben die Entwickler – und das ist noch viel wichtiger – das Drehmoment des 1,8 Liter grossen Turbos für den scharf gemachten Spanier von 250 auf 320 Nm angehoben und die Bandbreite deutlich erweitert. Jetzt ist die maximale Anzugskraft schon bei 1450 Touren abrufbar. Auf dem Papier spurtet der Cupra in 6,7 Sekunden auf Tempo 100 – das sind immerhin 0,5 Sekunden weniger. Ausserdem können sich Theoretiker über einen Verbrauch freuen, der auf 6 Liter zurückgeht.

Aber wichtiger ist etwas anderes: Die Praxis. Da steht das neue PS-Paket für einen Fahrspass, wie ihn Seat in dieser Klasse noch nicht geboten hat. Denn der Cupra reagiert spürbar giftiger auf jeden Gasstoss und kommt vor allem noch besser durch die Kurven. Dafür sorgt die elektronische Differenzialsperre, die man zum Beispiel aus dem Golf GTI kennt. Durch gezielte Bremseingriffe reduziert sie die Tendenz zum Untersteuern und vermittelt einem so das Gefühl, den Wagen auch in schnelleren Kehren besser unter Kontrolle zu haben. Dazu gibts eine wunderbar direkte Lenkung und ein Fahrwerk, dessen Härte man zusammen mit der Lenkkraftunterstützung auf Knopfdruck verstellen kann – schon fühlt man sich auf den schmalen Slalomsträsschen ausserhalb von Barcelona wie Speedy Gonzales.

Fahrendes Sparprogramm

Beschleunigung, Prüfung, Vollgas – das sind Ausdrücke, die man auf der Baleareninsel seltener braucht. Vollgas geben zwar die Partygänger in den drei Sommermonaten, doch wenn die Tore von Space, Ushuaia und Co. geschlossen sind, erobert das Hippietum die Insel zurück. Dann gehören Ausdrücke wie Siesta, Salud und Mañana zum Alltag. Entschleunigung statt Beschleunigung. Da brauchts keinen Cupra, sondern einen Eco – den FR 1.0 EcoTSI, wie der 95-PS-Sparer mit seinem 1-Liter-Dreizylindermotörchen genannt wird.

Das genügt in der Nachsaison locker zum Cruisen zwischen den herrlichen Stränden, in der Hochsaison fahren einem die Touristen um die Ohren. Denn vor allem in Zusammenarbeit mit dem 5-Gang-Schaltgetriebe wirkt dieser Ibiza eher unmotiviert. Mañana eben. Dafür glänzt er mit seiner erstklassigen Konnektivität und einem Kampfpreis von 21'100 Franken.

Aber seien wir ehrlich: Wenns mal aufs Festland geht, wünscht man sich die Souveränität des Ibiza Cupra zurück. Darum würden wir die 2850 Franken Aufpreis für den Cupra investieren. So oder so haben die Spanier aber weitere Varianten parat, die ein Spektrum von 75 bis 192 PS abdecken. Die Qual der Wahl. Sozusagen.

Erstellt: 30.11.2015, 17:43 Uhr

Artikel zum Thema

Spanier mit Familiensinn

Seat legt den Alhambra, in der Schweiz die Nummer 1 unter den Vans, neu auf. Mehr...

Biedermann: Als FR 1.0 Eco TSI taugt der Ibiza auf Ibiza zum Chillen. Foto: Dieter Liechti

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Blogs

Geldblog Lohnt sich eine PK-Einzahlung?

Sweet Home Gar nicht süsse Rezepte mit Zimt und Datteln

Die Welt in Bildern

Ein Märchen aus Lichtern: Zum ersten Mal findet das Internationale Chinesische Laternenfestival «Fesiluz» in Lateinamerika, Santiago de Chile statt. Es dauert bis Ende Februar 2020. (3. Dezember 2019)
(Bild: Alberto Walde) Mehr...