Hiroshima amore mio

Der neue Fiat 124 Spider kommt nicht aus Italien, sondern aus Japan. Gebaut wird der zweisitzige Roadster mit Stoffdach von Mazda, Motor und Design stammen allerdings aus Turin.

Ein Comeback mit Charme: Das Centro Stile in Modena hat aus dem Mazda MX-5 einen hübschen Fiat 124 Spider gemacht. Foto: Fiat

Ein Comeback mit Charme: Das Centro Stile in Modena hat aus dem Mazda MX-5 einen hübschen Fiat 124 Spider gemacht. Foto: Fiat

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«Hiroshima mon amour» heisst der Film. Das Meisterwerk von Alain Resnais, 1960 mit der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnet, spielt in Hiroshima und erzählt von einer französischen Schauspielerin und einem japanischen Architekten, die sich 15 Jahre nach dem Atombombenabwurf auf die Stadt zufällig treffen. Ihre Liebe reflektiert das von beiden noch nicht bewältigte Grauen des Zweiten Weltkriegs.

Hätte Resnais, ein Vorreiter der Nouvelle Vague, nicht eine Französin, sondern eine Italienerin für die Hauptrolle ausgewählt – wer weiss, vielleicht hätte der Titel dann «Hiroshima amore mio» gelautet.

Zugegeben, das klingt verwegen. Aber man kann heute, 56 Jahre später, Hiroshima, Liebe und Italien durchaus wieder in einen Zusammenhang bringen. Die Kurzfassung zu dieser Geschichte: Der Fiat 124 Spider, vor 50 Jahren gestylt von Pininfarina, ein offener Zweisitzer, der den Inbegriff des Dolce Vita damals so perfekt verkörperte wie kein zweites italienisches, sportlich-elegantes und dennoch erschwingliches Auto und genau deshalb heiss geliebt wurde, feiert sein Comeback. Mazda machts möglich: Der Neue kommt aus Hiroshima. Entwickelt wurde der italienische Roadster auf Basis des MX-5, seinem japanischen Pendant. Und von Mazda wird er auch gebaut.

Dieses Comeback hat Fiat lange aufgeschoben, denn schon 1985 wurde die Produktion des 124 Spider gestoppt. Nicht mangels Erfolg, sondern weil die Strategen in Turin die gesamte Fiat-Palette radikal auf Vorderradantrieb umstellten und dem Roadster damit – im wörtlichsten Sinne – seine Basis entzogen. Als 20 Jahre später die Kooperation von Fiat/Chrysler mit Mazda zum Thema wurde – die Japaner verfügten mit dem MX-5 über ein faktisch identisches Auto –, reiften bei Konzernchef Sergio Marchionne wieder entsprechende Pläne.

Fiat Spider statt Alfa Spider

Zunächst sollte sich allerdings ein Alfa Romeo die Architektur mit dem MX-5 teilen. Aber mit der Neuausrichtung von Alfa, die eben erst mit der neuen Giulia begonnen hat, sah man in Turin wieder von diesem Vorhaben ab. Der Hintergrund: Alfa muss laut dem Fiat/Chrysler- Konzernchef italienisch bleiben. Zu hundert Prozent. Was man von den heutigen Fiat-Modellen längst nicht mehr behaupten kann.

Verlorene Italianità also beim Spider? Zumindest optisch bestimmt nicht. Im Centro Stile bei Modena haben die italienischen Designer den japanischen Bestseller jedenfalls gekonnt angepasst. Auch wenn der Neue keine Retro-Version sein soll, trägt er doch markante Züge des Vorgängers: einen sechseckigen Kühlergrill mit Wabenstruktur, gewölbte Motorhaube, horizontal gestaltete Heckleuchten und einen kecken Blechschwung um die hinteren Radhäuser – wenn auch bei weitem nicht mehr so sexy wie beim Vorgänger.

So erahnt man den MX-5 eher beim Faltdach, das sich genau so wie beim Japaner mit einem Handgriff aus der Abdeckung hinter den beiden Sitzen hervorholen und auch wieder versenken lässt. Was im Übrigen das bescheidene Kofferraum-Volumen von 140 Litern erklärt. Im Innenraum signalisieren die monochromen Dioden die Verwandtschaft zum Mazda, gesamthaft wirkt die Ausstattung beim Italiener aber gediegener – ohne dass man gleich die Lusso- Version des Spider ordern muss, die mit 31'500 Franken um 3600 Franken höher zu stehen kommt als die Basisversion.

Mazda als Sauger, Fiat als Turbo

Das ist prozentual ein respektabler Aufschlag, denn ansonsten sind die beiden Versionen absolut gleich. Das gilt auch für Motor und Getriebe, denn den 124 Spider gibt es ausschliesslich mit einem aufgeladenen 1,4-Liter-Benziner, der 140 PS leistet, und mit manueller Sechsgang-Schaltung. Die ist so richtig schön knackig, und es ist wirklich eine wahre Freude, den Fiat sportlich zu fahren.

Im Gegensatz zum MX-5, den Mazda mit einem 1,5-Liter- und einem 2,0-Liter Aggregat bestückt, das 131 bzw. 160 PS leistet, stammt der Fiat-Motor aus dem Konzernregal der Italiener und ist – wie schon der Name Multi-Air andeutet–, ein Turbo. Die Japaner setzten auch in der fünften Generation auf Saugmotoren, was der eher puristischen Auslegung des MX-5 auch besser entspricht. Mazda muss denn auch nicht mit Soundtechnik nachhelfen wie Fiat, dafür lässt sich im Spider das Dolce Vita noch immer so geniessen wie vor 50 Jahren.

Peter Hegetschweiler fuhr den neuen Spider auf Einladung von Fiat Schweiz am 13. Juni in Italien.

Erstellt: 24.06.2016, 17:42 Uhr

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Fiat 124 Spider

Italiener aus Japan

Kategorie Zweisitziges Cabrio mit Stoffdach
Masse Länge 4054 mm, Breite 1503 mm, Höhe 1233 mm, Radstand 2310 mm
Kofferraum 140 Liter Motoren 1,4-Liter-Multi-Air-Vierzylinder-Benziner mit 140 PS
Fahrleistungen 0 bis 100 km/h in 7,5 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 215 km/h
Verbrauch 6,4 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangabe) CO2-Ausstoss 148 Gramm/Kilometer (offizielle Werksangabe
Markteinführung Juli 2016
Preis ab 27'900 Franken
Infos: www.fiat.ch

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