Ferrari sonnt sich in altem Glanz

Die Sportwagenschmiede hat mit dem Monza SP1 und SP2 die ersten Modelle der Sonderserie «Icona» vorgestellt. Sie ist vor allem für Sammler der Modelle aus den 50er-Jahren gedacht.

Sowohl der zweisitzige Monza SP2 (l.) als auch der Einsitzer SP1 sind auf das Fahrerlebnis ausgerichtet. Das ergibt bei einem Zwölfzylindermotor mit 810 PS auch Sinn. Fotos: PD

Sowohl der zweisitzige Monza SP2 (l.) als auch der Einsitzer SP1 sind auf das Fahrerlebnis ausgerichtet. Das ergibt bei einem Zwölfzylindermotor mit 810 PS auch Sinn. Fotos: PD

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Das dürfte die Petrolheads freuen: Inmitten des allgegenwärtigen Elektro-Tamtams der Automobilindustrie enthüllte Ferrari am Dienstagabend beim Capital Market Day in Maranello die neuen Modelle Monza SP1 und SP2 und verkündete: «Das Triebwerk ist das leistungsstärkste, das in Maranello je gebaut wurde.» Die beiden exklusiven Sondermodelle in begrenzter Auflage bilden den Grundstein für das neue Modellsegment «Icona». Ihr Design orientiert sich zwar an den stilprägenden und legendären Ferraris der 50er-Jahre, doch fahren sie mit der modernsten Sportwagentechnik von heute vor.

Konstrukteure nutzten Platz

«Die Modelle sind für passionierte Kunden und Sammler gedacht und schliessen an die ikonischen Ferraris Barchetta an», hiess es weiter. Gemeint sind vor allem der 166 MM, der für den Namen Pate stand, aber auch der 750 Monza und der 860 Monza. «Das einzige Ziel beim Bau dieser kompromisslosen Modelle war auch damals Platz 1», blicken die Italiener auf die Erfolge zurück. «Mit zahlreichen Siegen bei den Sportwagen-Weltmeisterschaften der 1950er-Jahre prägten diese Modelle den Mythos Ferrari massgeblich.»

Die Autos werden in «begrenzter Zahl» gefertigt. Auch über Preise wird dezent geschwiegen.

Diese Erfolge sollen nun dem neuen Modellsegment «Icona» zum Durchbruch verhelfen. Und die Chancen stehen gut: Der Monza SP1 ist als reinrassiger Einsitzer-Strassenwagen ganz auf sein einzigartiges Fahrerlebnis ausgerichtet. Die zweite Version, der Monza SP2, wurde durch das Weglassen der Abdeckung, mit der zweiten Schutzscheibe und einem zweiten Überrollbügel zum Zweisitzer. «Hier kann auch ein Beifahrer dieses einmalige Gefühl geniessen», tröstet Ferrari all jene Leute, die weder über die Beziehungen noch über das Kleingeld verfügen, um sich einen SP1 oder SP2 zu leisten.

Beide Modelle begeistern mit ihrem Design, glänzen mit dem besten Leistungsgewicht aller Barchettas (wegen des hohen Carbonfaseranteils) und faszinieren mit vielen markanten Details. Doch, schliesslich schreiben wir hier über zwei neue Ferraris, besonders stolz sind die Italiener auf das, was unter dem Carbon versteckt ist: «Das leistungsstärkste Triebwerk.» In Zahlen: ein Zwölfzylinder mit 810 PS und einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 2,9 Sekunden und von 0 auf 200 km/h in 7,9 Sekunden.

Das Cockpit des SP1 scheint wie aus der Autohülle geschnitten.

Die aufwendige Architektur der beiden Modelle basiert laut Ferrari auf einer monolithischen Form mit aerodynamischem Flügelprofil. Das Fehlen von Dach und Windschutzscheiben gab den Konstrukteuren die Freiheit, einmalige Proportionen zu schaffen, die bei einem herkömmlichen Spider undenkbar sind. «So kommt der Fahrer in den Genuss eines Geschwindigkeitsgefühls, wie es sonst nur Formel-1-Fahrer erleben», versprechen die Italiener stolz. «Die Idee dahinter war, ein Cockpit zu schaffen, das in das Volumen des umhüllenden Wagens eingeschnitten zu sein scheint.» Ohnehin wirken beide Modelle sehr reduziert und kommen ohne Effekthascherei aus.

Kein Zufall: «Ziel des Ferrari Design Center war es, ein puristisches Design wie aus einem einzigen Pinselstrich zu schaffen, das ein Ideal zeitloser Eleganz, minimalistischer Form und raffinierter Details ausstrahlt.» Auf die optisch komplexen Lösungen, wie man sie von heutigen Rennwagen kennt, wurde ganz bewusst verzichtet und durch eine dezentere Designsprache ersetzt. «Noch nie hat ein Modell eine so narrative Kraft ausgestrahlt. Das Design unterstreicht die Attraktivität als echtes Fahrerauto, bei dem Mensch und Automobil eine Symbiose eingehen», loben sich die Macher gleich selber.

Wie bei Rennwagen üblich besteht die Rohkarosserie beider Modelle ganz aus leichter Carbonfaser. Der gesamte Innenraum ist mit demselben Material ausgekleidet, naturbelassen, um das sportliche Design zu unterstreichen. Gewichtsreduzierung und Barchetta-Konfiguration garantieren eine einmalige Fahrzeugdynamik: perfekte Balance ohne Wanken für reines, kompromissloses Sportwagen-Handling. Was so einfach tönt, sorgte bei den Designern für schlaflose Nächte. «Da es sich beim Monza SP1 und SP2 tatsächlich um offene Sportwagen handelt, war eine der grössten Herausforderungen, die Luftströmungen im Cockpit auch ohne Windschutzscheibe zu beherrschen», erklärt Ferrari dazu. Die Lösung war die innovative, patentierte «virtuelle Windschutzscheibe» in der Verkleidung über der Instrumententafel und dem Lenkrad. Sie lenkt einen Teil des Luftstroms ab und sorgt so für Fahrkomfort.

Den werden aber nur wenige geniessen können, denn beide Autos werden nur in homöopathischer Dosis gebaut. Was die Umschreibung «in begrenzter Auflage» in konkreten Zahlen bedeutet, wurde beim Capital Market Day nicht kommuniziert. Wahrscheinlich wollen die Italiener die Reaktionen auf die «Icona»-Modelle erst mal abwarten und dann entscheiden, wie viele Fahrzeuge gebaut werden. Aber mehr als eine dreistellige Zahl dürfte es nicht geben. So oder so: Über den Preis wurde auch nicht gesprochen, dafür gab es zum Schluss doch noch ein wenig E-News: Bis 2022 sollen alle neuen Modelle über einen Hybridantrieb verfügen. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 19.09.2018, 19:30 Uhr

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