Luxuriöse Fünf-Meter-Schönheit

Mercedes, der Erfinder der viertürigen Coupés, legt den CLS zum dritten Mal neu auf: Cool gestylt in der neuen Formensprache der Marke und mit neuen Sechszylinder-Motoren.

Mit dem Fünf-Meter-Coupé gibt Mercedes den Tarif durch, was die neue Formensprache der Marke betrifft. Foto: Daimler AG

Mit dem Fünf-Meter-Coupé gibt Mercedes den Tarif durch, was die neue Formensprache der Marke betrifft. Foto: Daimler AG

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Michael Kelz spart nicht mit Superlativen. Warum auch? Es waren ja die Stuttgarter, die mit dem Mercedes-Benz CLS das Segment der viertürigen Coupés begründet haben und 2004 das erste auf die Strasse brachten. Ein Auto, das laut seinem Entwickler «den Komfort und die Funktionalität einer Limousine mit der Eleganz und der Dynamik eines Coupés vereint». Das Konzept hat offensichtlich nicht nur viele Mercedes-Kunden inspiriert – Kelz spricht von 375'000 Käufern für die erste und zweite Generation –, sondern auch die deutsche Premium-Konkurrenz. Porsche lancierte 2009 den Panamera, Audi 2010 den A7 Sportback, BMW nochmals ein Jahr später das 6er-Gran-Coupé. Was Kelz schon damals wenig beeindruckt hat und heute erst recht nicht schreckt: «Wir werden unsere Mitbewerber mit der dritten Generation weiter in Schach halten», gibt sich der Baureihenchef überzeugt.

Neue Stuttgarter Coolness

Und so treten die Schwaben allein schon vom Design her mit hohen Ansprüchen an, wenn der CLS jetzt nach dem kalendarischen Frühlingsbeginn zu Preisen ab 88?900 Franken zu den Händlern rollt. Denn mit dem luxuriösen Fünf-Meter-Coupé gibt Mercedes gleich den Tarif durch, was die neue Formensprache der Marke betrifft. In Richtung «neuer Coolness» soll sie sich entwickelt haben – schlicht, mit deutlich reduzierten Linien und Sicken, nach vorn geneigter Front (einer Haifischnase gleich), flachen Scheinwerfern und einem schmalen, mit (imaginären) Diamanten besetzten Kühlergrill. In ihrer Seitenlinie gibt sich die vor Jahren schon selbst ernannte Design-Ikone mit ihrem überspannten Dachbogen und den flachen Seitenscheiben aalglatt. Chefdesigner Gorden Wagener spricht – etwas prosaischer – von «sinnlicher Klarheit». Und schafft damit gleich auch Klarheit, was den CLS als Shooting Brake anbelangt: Es gibt für das Derivat keine Zukunft mehr. Eine Sternschnuppe (Shooting Star), mehr war der CLS mit Heckklappe für die Stuttgarter offensichtlich nicht.

So cool, wie er ausschaut, so fährt sich der CLS auch. Und das ausschliesslich mit Sechszylinder-Motoren. Selbst in der Hightech-Version der AMG-Edelschmiede aus Affalterbach werden keine Achtzylinder mehr verbaut. Wozu auch? Bereits die beiden Diesel mit 286 und 340 PS sind eine Wucht. Mit ihrem Drehmoment von 600 und 700 Newton­metern spielen sie förmlich mit dem fast zwei Tonnen schweren Coupé und sorgen schon aus niedrigen Drehzahlen ­heraus für jede Menge Schub. Der stärkere der beiden Selbstzünder gilt sogar als stärkster Dieselmotor, den Mercedes je in einem Serienfahrzeug verbaut hat. Die 100-km/h-Marke schafft er in 5,6 Sekunden.

Schritt zum autonomen Fahren

Die Hauptrolle wird dennoch der vorerst einzige Benziner spielen. Denn mit dem 3,0-Liter-Reihensechszylinder treibt Mercedes auch die Elektrifizierung weiter voran und ergänzt den 367 PS starken Direkteinspritzer mit einem integrierten Startergenerator samt 48-Volt-Bordnetz. So mutiert dieser CLS zum sogenannten Mildhybrid, der zwar keinen Meter rein elektrisch fahren kann, aber 22 PS zusätzlich an Leistung generiert. Und dank Rekuperation beim Sparen hilft. Bei einer ersten Ausfahrt in Spanien war der von Mercedes ermittelte Normwert von 7,5 Litern zwar nicht zu erreichen, mit 9,3 Litern fiel er für das Luxus-Coupé aber moderat aus. Auf dem gleichen System basiert auch die neuste AMG-Version. Der CLS aus Affalterbach mobilisiert 435 PS bei einem maximalen Drehmoment von 520 Newtonmetern. Auch hier liefert der EQ Boost 22 PS und 250 Newtonmeter zusätzlich.

Mit den neusten Assistenzsystemen, die der CLS integral von der S-Klasse übernimmt, verfügt jetzt auch das Edel-Coupé über eine streckenbasierte Unterstützung des Fahrers beim Abstand­halten und Lenken. Die Geschwindigkeit wird beispielsweise vor Kurven, vor Kreuzungen und auch im Kreisverkehr automatisch angepasst, und im städtischen Stop-and-go-Verkehr fährt das Auto selbst nach 30 Sekunden (Zwangs-)Pause von sich aus wieder weiter. Auch wenn man im neuen CLS die Hände ­natürlich nie ganz vom Lenkrad nehmen kann oder darf – es ist ein weiterer Schritt von Mercedes in Richtung autonomes Fahren.


Peter Hegetschweiler fuhr das neue CLS Coupé auf Einladung der Mercedes-Benz Schweiz AG in Spanien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.03.2018, 17:54 Uhr

Mercedes CLS

Performance und Luxus

Modell: Viertüriges Coupé.
Masse: Länge 4988 mm, Breite 1890 mm, Höhe 1435 mm, Radstand 2839 mm.
Kofferraum: 520 Liter.
Motoren: Zur Markteinführung zwei Sechszylinder-Benziner mit 367 und 435 PS (AMG) und ein Sechszylinder-Diesel in zwei Leistungsstufen von 286 und 340 PS.
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 4,5 bis 5,7 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 250 km/h.
Verbrauch: 5,6 bis 8,7 Liter auf 100 Kilometer.
CO2-Ausstoss: 148 bis 200 Gramm pro Kilometer.
Preis: ab 88'900 Franken.
Markteinführung: seit Mitte März.


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