Mercedes-Benz macht die S-Klasse locker

Mit dem Update von Coupé oder Cabriolet werben die Stuttgarter für eine neue Form des vornehmen Genusses. Natürlich, ohne Stil und Contenance zu verlieren.

Sportler im Smoking: Das Cabrio S 63 hat den V8-Motor aus dem AMG GT mit 612 PS und 900 Nm an Bord. Foto: PD

Sportler im Smoking: Das Cabrio S 63 hat den V8-Motor aus dem AMG GT mit 612 PS und 900 Nm an Bord. Foto: PD

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Die Krawatte lässt er meist im Schrank, trägt mittlerweile selbst auf der Bühne am liebsten Jeans, und der oberste Knopf am Kragen ist häufig offen – obwohl Dieter Zetsche ein grosses Industrieunternehmen führt, pflegt der Daimler-Chef seit seiner Zeit bei Chrysler einen lässigen Look. Das färbt offenbar ab. Denn wenn Baureihenleiter Hermann-Joseph Storp als letzten Job vor der Rente die überarbeiteten Zweitürer der S-Klasse von Mercedes-Benz auf die Bühne rollt, tut er das ebenfalls ohne Schlips und zugeknöpften Kragen.

Aber es passt. Schliesslich macht sich die Mutter aller deutschen Luxuslimousinen selber mittlerweile locker, lässt den traditionellen Luxus von früher hinter sich und predigt eine neue Form vornehmen Genusses. Das gilt bereits für die Limousinen bis hin zum feudalen Maybach, aber mehr noch für V8-Coupé und -Cabrio. Und spätestens, wenn zu Preisen ab 158 440 Franken im Januar erst das Coupé und im April dann für fast 20 000 Franken mehr das Cabrio ihr ­Update bekommen, beherrschen sie das Savoir-vivre im Smoking in Reinkultur.

Sechs Wellnessprogramme

Dabei appelliert Mercedes vor allem an Sinn und Sinnlichkeit. Denn während sich am Auftritt der eleganten Zweitürer bis auf den Panamericana-Grill der AMG-Varianten und die OLED-Rückleuchten für alle Modelle nur wenig tut, wurde die Ausstattung klar erweitert. Die Assistenzsysteme haben mehr Weitblick und kommen dem autonomen Fahren wie in der Limousine wieder ein Stückchen näher, und vor allem bringt Mercedes den sogenannten Energizing-Comfort auch in die Zweitürer: Klimaanlage, Beduftung, Massage, die jetzt in 64 Farben changierende Ambiente-Beleuchtung und die Musikanlage spulen auf Knopfdruck sechs fein orchestrierte Wellnessprogramme für alle Stimmungslagen ab.

Mit der schnöden Welt da draussen hat man in einer S-Klasse ohnehin nicht mehr viel zu schaffen. In der Limousine nicht, im Coupé nicht, und selbst im Cabrio fährt man in seiner eigenen Welt. Wenn das Dach geschlossen ist, weil Mercedes die fingerdicken Stofflagen besser gedämmt hat als manche Hersteller ihre Blechmütze. Und wenn sich die Haube innert 20 Sekunden nach dem Druck auf den Verdeckschalter majestätisch in den Kofferraum gefaltet hat, auch nicht. Denn dann surren auch die Windabweiser über dem Scheibenrahmen und hinter den Rücksitzen nach oben, es wärmen die Heizdrähte in den Sitzen, den Armauflagen und im neuen Lenkrad, der Nackenföhn legt einem einen Schal aus warmer Luft um den kühlen Hals, und egal, wie streng es draussen nach der Wirklichkeit riecht, fächelt einem aus dem Flacon im Handschuhfach der Duft von Luxus, Reichtum und Erfolg zu.

Motoren für alle Wünsche

Doch die Freiheit ist selbst in der S- Klasse nur einen Gasstoss entfernt. Schliesslich gibt es mit der Modellpflege auch ein Update beim Motorenprogramm. Aus dem 500er wird mit dem neuen V8 der 560er, der nun mit 469 PS, 700 Nm und einem Sprintwert von 4,6 die Wirkung des Windschotts prüft. Und wer sich darauf nicht verlassen will, der nimmt am besten gleich den S 63, der mit dem famosen V8 aus dem AMG GT daherkommt und mit 612 PS und 900 Nm zum Reality Check bittet. Und selbst wenn der Sportler hier einen Smoking trägt und die S-Klasse weder ihre fünf Meter noch ihre zwei Tonnen abschütteln kann, hat das von 5,5 auf 4,0 Liter geschrumpfte Triebwerk genug Dampf, um den Fahrer aus seiner Traumwelt zu holen. Denn wenn man in 3,5 Sekunden von 0 auf 100 fliegt und die schwäbische Luxusjacht wie ein Rennboot durch die Kurven zirkelt, ist man besser hellwach.

Wer es ein wenig dezenter mag im Coupé, für den hat Mercedes zur Preiskorrektur (ab 126 050 Franken) noch einen V6-Motor mit 367 PS und 500 Nm als S 450 im Angebot. Und wem das alles noch zu wenig war, der bekommt als ultimative Luxuslösung für beide Karosserievarianten auch noch den V12 im S 65. Aber der ist mit seinen 6,0 Liter Hubraum den 630 PS und seinen 1000 Nm so dekadent, dass er gar nicht so richtig zu den lässigen Luxuslinern passen will. Und bei Preisen von 313 972 Franken für das Cabrio ist es dann wohl selbst beim entspanntesten Mercedes-Kunden mit dem Laisser-faire vorbei.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.12.2017, 18:18 Uhr

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