Premium à la Skoda

Der neue Superb nimmt Mass an der Businessclass von VW, dem Passat. Und bietet so viel Platz wie die E-Klasse von Mercedes.

Skoda-Designchef Joszef Kaban zum neuen, eleganten Skoda Superb: «Es war lustvoll, unser Flaggschiff so zu emotionalisieren.» Fots: Skoda

Skoda-Designchef Joszef Kaban zum neuen, eleganten Skoda Superb: «Es war lustvoll, unser Flaggschiff so zu emotionalisieren.» Fots: Skoda

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Superb ist er für seine Macher, der neue Skoda Superb. Und so geizen sie denn auch nicht mit Superlativen, wenn die Rede auf ihr Flaggschiff kommt. In eine neue, noch erfolgreichere Ära soll er die tschechische Traditionsmarke führen, nachdem eben erst die Absatzmarke von jährlich einer Million Fahrzeuge übertroffen worden ist – ein historischer Moment in der 120-jährigen Firmengeschichte der heutigen VW-Konzerntochter. Jetzt will Winfried Vahland den Absatz bis 2018 sogar auf 1,6 bis 1,8 Millionen steigern. Der Superb, der für den Vorstandschef «neue Design- und altbewährte Ingenieurs-Kompetenz der Marke verbindet», soll dabei das Zugpferd spielen.

«Revolution der Formensprache»

Noch mehr Superlative gefällig? «Wir wollen beste Qualität aus höheren Klassen in die bezahlbare Mittelklasse bringen », hat Vahland bei der Präsentation diese Woche in der Toskana ebenfalls gesagt. Und: «Wie wir mit dem Showcar Vision C am Genfer Autosalon 2014 versprochen haben, revolutionieren wir mit dem Superb die Formensprache von Skoda.» Nur etwas hört man von Vahland (noch) nicht: das Wort «Premium». Das nimmt er auch jetzt, da der Superb nach langem Vorspiel mit orchestrierten Auftritten im Januar in Prag (samt Uraufführung einer Superb-Symphonie) und im März mit der Weltpremiere in Genf endlich auf die Strasse rollt, nicht in den Mund.

Da hatte sich Martin Winterkorn im vergangenen Sommer bei der Lancierung des neuen Passat, dem «Zwillingsbruder » des Superb, auf dessen modularer Plattform der grosse Skoda auch steht, weit weniger zurückhaltend gegeben. Der Konzernchef persönlich hievte die VW-Mittelklasselimousine verbal in die Businessclass und attestierte ihr einen «Premium-Anspruch ohne Premium- Preis». Es klang damals, als würde Winterkorn der geplanten Neuauflage des im Konzern ungeliebten, aber von Ferdinand Piëch stets hochgehaltenen Phaeton den Kampf ansagen. Auch diesen (Macht-)Kampf hat Piëch jetzt wohl verloren.

Länger, breiter, Businessclass

Kümmern muss das Winfried Vahland nicht. Und so lässt er bei allen Superlativen um den Superb und ob der oft gestellten Frage nach Businessclass oder gar Premium-Anspruch schlicht Fakten sprechen. Fakten, die zeigen, dass der Superb auf seine Art Premium ist – Premium à la Skoda eben.

Das beginnt, klar doch bei einem Auto aus Mlada Boleslav, beim Raumangebot: Die Tschechen reizen auch diesmal die Möglichkeiten, die ihnen die modulare Querplattform aus dem VW-Konzern bietet, restlos aus. So übertrifft der 4,86 Meter lange Superb den Passat um fast zehn Zentimeter, er ist auch breiter. Und weil das Plus auch beim Radstand mit fünf Zentimetern beträchtlich ausfällt, ergibt sich in der Summe dieses Wachstums ein Innenraum-Wohlgefühl auf Businessclass-Niveau. Und von wegen Premium: viel eher auf Niveau der E- als der C-Klasse von Mercedes.

Gleiches bei der Ladekapazität: Die 625 Liter des Superb sind Bestwert in der Mittelklasse. Mit 1760 Litern bei umgeklappten Rücksitzen steigt das Volumen sogar um 1135 Litern an. Und die noch ladefreudigere Kombi-Version, auf die in der Schweiz bisher 95 Prozent aller Superb-Käufe gefallen sind, folgt ja schon im Herbst. Insgesamt hat Skoda von den ersten beiden Superb-Generationen 700'000 Einheiten verkauft. Diese Zahl will Vorstandschef Vahland mit der dritten Generation gleich verdoppeln.

Das neue Spiel mit Emotionen

Fokussierte Skoda seine Modelle bisher in erster Linie auf Praktikabilität, das Raumangebot und das von den direkten Konkurrenten kaum zu überbietende Preis-Leistungs-Verhältnis, so kommt mit dem neuen Superb eine weitere Dimension dazu: das Spiel mit Emotionen. Was Chefdesigner Joszef Kaban mit seiner Studie «Vision C» vor Jahresfrist in Genf angedeutet hat, das setzt er jetzt bereits kompromisslos um.

Mit dem tiefer gesetzten, schmaleren Kühlergrill, der flachen Motorhaube, der scharf geschnittenen, seitlichen «Tornadolinie» und vor allem mit dem coupéhaft abfallenden Dach, das in eine Heckklappe mit riesiger Fensterfläche mündet, wirkt der Superb deutlich dynamischer als der Passat. Und eleganter obendrein. Kaban sagt dazu: «Es war lustvoll, unser Flaggschiff so zu emotionalisieren.» Und Vahland findet: «Jetzt fahre ich den Superb noch lieber.»

Gelassen im Stau unterwegs

Mit dieser freudvollen Aussage dürfte sich der Vorstandschef auch auf die technische Weiterentwicklung seines Flaggschiffs beziehen. So gibt es im Superb zum ersten Mal eine adaptive Fahrwerksregelung (Dynamic Chassis Control), die einen mit dem Auto ebenso sanft cruisen wie sportlich-direkt fahren lässt. Der Komfortausstattung sind ebenfalls kaum Grenzen gesetzt: vom elektronischen Panorama-Glasdach bis zur beheizbaren Scheibenwasch-Düse und zum ausfahrbaren Tablet für die Fondpassagiere ist alles an Bord, was eigentlich von der Oberklasse erwartet wird. Dazu kommt eine Vielzahl von Assistenz- und Sicherheitssystemen, unter anderem der neu entwickelte Stau- Assistent, dank dem sich der Superb im Stop-and-go-Verkehr selbsttätig so bewegt, wie es der Verkehrsfluss zulässt.

Über 250 km/h schnell

Und die Motorenpalette? Ebenfalls üppig. Sie umfasst fünf Benziner und drei Diesel; laut Skoda konnte der Verbrauch der neusten Vierzylinder-Generation aus dem Konzernregal um bis zu 30 Prozent gesenkt werden. Als Topsparer gibt sich die Green-Line-Version mit 120 PS, die im Schnitt nur 3,7 Liter verbrauchen und damit weniger als 100 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren soll. Topversion ist der 280 PS starke Zweiliter TSI, der als erster Skoda die 250 km/h-Marke knackt. Die Preisspanne beginnt bei 34'700 Franken, der leistungsstärkste Superb kommt in der höchsten von drei Ausstattungsstufen, Allradantrieb und Doppelkupplung inklusive, auf mindesten 57'000 Franken zu stehen.

Peter Hegetschweiler fuhr den Superb auf Einladung von Skoda-Importeur Amag am 27./28. April in Italien.

Erstellt: 01.05.2015, 18:07 Uhr

Skoda Superb

Die Eckdaten

Modell: Mittelklasselimousine mit 5 Plätzen. Masse: Länge 4861 mm, Breite 1864 mm, Höhe 1468 mm, Radstand 2841 mm. Kofferraum: 625 bis 1760 Liter. Motoren: 5 Benziner mit 125 bis 280 PS, 3 Diesel mit 125 bis 190 PS. Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 7,7 bis 11 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von 206 bis 250 km/h. Verbrauch: 3,7 bis 6,2 Liter/100 Kilometer (offizielle Werksangabe). CO2-Ausstoss: 96 bis 142 Gramm/Kilometer. Markteinführung: Ende Juni. Preise: ab 34'700 Franken. Info: www.skoda.ch

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