Bär im Anmarsch

Noch gibt sich der Skoda Kodiaq bedeckt. Klar ist: Der ab 2017 erhältliche SUV wird sehr geräumig, praktisch und voll vernetzt.

Wird auf dem Pariser Autosalon im Oktober Premiere feiern und 2017 auf den Markt kommen: Der noch getarnte Skoda Kodiaq. Foto: Skoda

Wird auf dem Pariser Autosalon im Oktober Premiere feiern und 2017 auf den Markt kommen: Der noch getarnte Skoda Kodiaq. Foto: Skoda

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das irre Schwarzweissmuster wirkt in der Wildnis Norwegens etwa so unauffällig wie ein blinkendes Neonschild. Trotzdem verfehlt die Tarnung nicht ihre Wirkung. Die Spaziergänger, die verblüfft innehalten, können die Keilform der aus den Seiten des Kühlergrills verlaufenden Scheinwerfer nur erraten. Sie erkennen nicht, dass sich Designchef Jozef Kaban bei der Ausarbeitung der Kanten von böhmischer Glaskunst inspirieren liess. Sie sehen auch keine dreidimensional ausgeformten LED-Rückleuchten – geschweige denn einen Modellschriftzug. Verriete man ihnen, dass hier ein Bär im Anmarsch ist, erwiderten sie ironisch: Etwa ein Pandabär? Auf psychedelischen Drogen? Doch Sie ahnen es. Weil Sie die Lead- Zeile gelesen und auf dem letzten Genfer Salon womöglich die Studie Vision S gesehen haben. Liesse sich die Tarnfolie von den Pressefotos puhlen, fänden Sie – genau wie die Journalisten, die den Wagen bereits zu Gesicht bekamen: Ja, so habe ich mir einen SUV von Skoda vorgestellt. Überhaupt ist es keine Überraschung, dass die VW-Tochter angesichts des boomenden Segments einen Verwandten des aktuellen Tiguan heranzüchtete. Und selbst die Bären-Sache lässt sich erklären: Das Modell heisst Kodiaq in Anlehnung an den Kodiakbären aus Alaska, und nach dem kleinen, nicht nur bezüglich seines Namens, sondern auch optisch mysteriösen Yeti wollten die Tschechen wohl ein echtes Tier von einem SUV auf die Räder stellen.

Viel Platz für clevere Lösungen

Das bedeutet aber nicht, dass die neue Modellreihe ein beliebiger Vertreter der Spezies sein will. «Der Kodiaq ist Skodatypisch nicht im Mainstream angesiedelt, sondern zwischen zwei Segmenten », so Markenchef Bernhard Maier. Mit 4,70 Metern ist er stolze 21 Zentimeter länger als der Tiguan und verfügt über einen gestreckten Radstand und etwas mehr Höhe. Das sorgt für ungeahnte Papa-Bär-Qualitäten mit viel Kopf- und Kniefreiheit auf der verstellbaren Rückbank sowie unschlagbare 720 bis 2065 Liter Kofferraumvolumen. Erstmals bei Skoda gibt es sogar eine 7-sitzige Version, wobei nicht nur Miniatur- Menschen in der dritten Reihe unterkommen und dahinter noch immer 270 Liter Gepäck Platz finden. Getreu dem «Simply Clever»-Markenversprechen hat der Kodiaq auch so einige Kunststücke auf Lager. Nebst Regenschirmen in den vorderen Türverkleidungen und dem berühmten Eiskratzer hinterm Tankdeckel sind dies etwa eine magnetische Taschenlampe, ein Cupholder mit Noppen, der Flaschen einhändig öffnen lässt, ein Schlafpaket mit flexibler Kopfstütze und – ähnlich wie man es bei Ford schon kennt – ein mechanisch ein- und ausfahrender Türkantenschutz, damit der mächtige SUV bei unachtsamem Türaufschlagen nicht mehr Schaden anrichtet als ein Gummibärchen. Der grösste Bärenstolz gilt der intelligenten Vernetzung. WLAN, ein optionales LTE-Modul für den schnellsten Mobilfunkstandard, vielfältige Infotainment- Dienste, Apps, Verkehrsdaten in Echtzeit und unter anderem eine Notruftaste, die in Europa erst 2018 obligatorisch wird, sollen den Kodiaq zum Platzhirsch im Connectivity-Revier machen. Und weil er mit 2,5 Tonnen Anhängelast auch als Zugpferd infrage kommt, darf unter den vielen modernen Assistenzsystemen auch der Anhängerrangierassistent nicht fehlen.

Serienmässiger Allradantrieb

Wenn Skoda Anfang 2017 den Bären loslässt, wird er hierzulande in zwei Dieselund zwei Benziner-Versionen angeboten, die 150 oder 180 respektive im Fall des Topdiesels 190 PS leisten, manuell oder per DSG geschaltet werden und im besten Fall nur 1450 Kilo wiegen. Wenn auch die Spreizung der optionalen Fahrmodi bis zur Serienreife hoffentlich noch grösser wird, hinterlassen sämtliche Motorisierungen bei den Streifzügen durch Norwegen einen souveränen Eindruck, fühlen sich trotz der Skoda-untypisch hohen Sitzposition vertraut an und lassen keine störenden Brummbär- Geräusche verlauten. Dank des in der Schweiz serienmässigen Allradantriebs und der Tasten zur Anpassung der Elektronik auf verschiedene Untergründe ist ausserdem kein Winterschlaf zu erwarten. «Er ist kein richtiger Offroader », gesteht Projektmanager Jiri Dytrich, «wird Sie abseits des Asphalts aber immer unterstützen.»

Zu den Verbräuchen, Preisen, Verkaufserwartungen und kommenden Sportwie Elektroversionen gibt es derzeit nur Andeutungen – die übliche Salamitaktik eben, um einen Bärenhunger zu schüren, bevor der Wagen ab Herbst überhaupt bestellbar ist. Tatsächlich ist der Erfolg aber vorprogrammiert. Die tschechische Marke setzte im vergangenen Jahr über eine Million Fahrzeuge ab. Auch ohne Panda-Verkleidung dürfte der Kodiaq im Hauptmarkt China fette Beute machen. In der Schweiz indes war der Octavia in den ersten fünf Monaten 2016 das meistverkaufte Auto schlechthin, und Skoda verzeichnete einen Allradanteil von 45 Prozent. Da braucht es keine psychedelische Hilfe, um sich eine grosse Bärenpopulation auf unseren Strassen vorstellen zu können.

Nina Vetterli fuhr das Skoda Kodiaq Vorserienmodell am 4./5. Juli auf Einladung des Importeurs Amag in Norwegen.

Erstellt: 16.07.2016, 00:44 Uhr

Artikel zum Thema

Schwedisch für Fortgeschrittene

Skandinavisches Design, aber kleinere Laderäume: Mit S90 und V90 positioniert Volvo seine Oberklasse neu. Mehr...

Der Erfolgsdauerbrenner

Der Octavia ist das Herz der Marke Skoda. Das schlägt ab sofort auch mit einem 1,0-Liter-Motor. Mehr...

Premium à la Skoda

Der neue Superb nimmt Mass an der Businessclass von VW, dem Passat. Und bietet so viel Platz wie die E-Klasse von Mercedes. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Vergleichsdienst

Finden Sie in nur fünf Schritten die optimale Versicherung für Ihr Auto.
Jetzt vergleichen.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Sweet Home 10 blitzschnelle Znachtideen

Mamablog Skiferien mit bitterem Beigeschmack

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Handarbeit: Schauspieler des Kote Marjanishvili Theaters in Tiflis während einer Probe des Tolstoi-Stücks «Die Kreutzersonate». (18. Februar 2020)
(Bild: Zurab Kurtsikidze) Mehr...