Dann träum mal schön

Windabweiser und Warmluftdusche – das neue Mercedes-C-Klasse-Cabrio verdrängt einfach das schlechte Wetter.

Schlanke Silhouette: Das Stoffverdeck lässt geöffnet noch 285 Liter Ladevolumen frei. Foto: Mercedes-Benz

Schlanke Silhouette: Das Stoffverdeck lässt geöffnet noch 285 Liter Ladevolumen frei. Foto: Mercedes-Benz

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Jetzt reissen die Sitten bei Daimler endgültig ein. «Das ist ein richtig cooles Auto », sagt der Noch-Entwicklungschef Thomas Weber. Seit er sich quasi auf Abschiedstournee befindet – Ende Jahr übergibt er an Nachfolger Ola «Du, ich bin Ola» Källenius –, lässt er neben der Krawatte auch die schwäbische Zurückhaltung zu Hause. Und schwätzt einfach mal drauflos. Wahrscheinlich, weil der Übergang auf die schwedische Frohnatur Källenius nicht ganz so hart wirken soll. Die neue Lockerheit passt aber auch zum Jahresmotto bei Mercedes: Das «Jahr der Traumwagen» haben sie ausgerufen und mit Modellpflegen bei SL und SLC und mit dem S-Klasse-Cabrio vorgelegt. Jetzt folgt die offene Variante der C-Klasse. Limousine und Kombi des mittlerweile sieben Varianten umfassenden C-Segments bei Mercedes müssen die Semmeln verdienen, das Cabrio gehört dagegen zu den Kürmodellen – zur Spielwarenabteilung, die man sich einfach leistet und über deren Verkaufszahlen man sich keine allzu grossen Sorgen machen muss.

Tatsächlich? Im Schnitt machen Cabrios in Europa mässige 2,5 Prozent des Marktvolumens aus, Tendenz sinkend. Marken wie Peugeot oder Ford haben sich zurückgezogen, und die vor Jahren noch trendigen Klappdach-Cabrios gelten heute als zu schwer, damit verbrauchsträchtig und teurer in der Anschaffung. Im Boommarkt China mag niemand den Kopf in den Smog recken, und wer sich einmal unter kalifornischer Sonne im offenen Interieur hat rösten lassen, weiss, warum man auch in Hollywood lieber das Verdeck zulässt. Und die Manager von Flotten- oder Firmenfuhrparks goutieren das Obenohne- Fahren sowieso nicht.

«Das Cabrio gehört einfach dazu»

Umso überraschender, dass Mercedes erstmals eine Stoffdachversion der C-Klasse lanciert. Bis 2009 wurde der offene CLK – ein Zwitter aus C- und der grösseren E-Klasse – angeboten, doch das letzte C-Coupé wurde nie aufgesägt. Aber man wolle eben «für jeden etwas» und das «ultimative Fahrerlebnis bieten», sagt Weber. Und da gehöre jetzt das Cabrio einfach dazu, wenn man über die technische Kompetenz verfüge, es zu mehr als einem Vernunftauto zu machen. Da schlägt das Schwäbische dann doch wieder durch bei Weber. Wichtigster Punkt dabei: Karosseriesteifigkeit. Weil die Cabrio- Version in der Grundkonstruktion mitgedacht wurde, genügten zusätzliche Kreuzverstrebungen und Querträger, um das fehlende Stahldach zu kompensieren. Auf den frostversehrten Pisten im italienisch-slowenischen Grenzgebiet spürt man das, weil man nichts spürt – wenn zwischen den Regengüssen mal Zeit fürs Offenfahren bleibt. Andere Entschuldigungen für «Dach zu!» kann man nicht gelten lassen: Die Klimaanlage passt sich ans Open-air-Klima an und bläst gezielt Warmluft ein. Nach beigelegten Patentstreitigkeiten darf Mercedes auch den sogenannten Airscarf wieder überall anbieten, eine Heizdüse im Kopfstützenbereich, die die Mandeln wärmt.

Gegen Aufpreis lässt sich das Aircap- System ordern: Windabweiser am Frontscheibenrahmen, dazu ein wahrer Maschendrahtzaun von Windschott hinter den Rücksitzen. Toll für die Insassen, weil es vor allem im überraschend geräumigen Fond die Verwirbelungen reduziert. Schade für alle anderen, weil es die elegante Silhouette – «richtig knackiges Heck», sagt Weber – mächtig stört. Das Stoffverdeck öffnet und schliesst innert 20 Sekunden und bis Tempo 50, und wenn man für einen voraussichtlich kleinen dreistelligen Betrag das Akustikverdeck mit Extra-Dämmschicht mitbestellt, hört man im geschlossenen Innenraum kaum mehr als den Wind um die Aussenspiegel. Jedenfalls je nach Motorisierung.

Konfigurationen ohne Ende

Mercedes selbst bietet fünf Benziner und zwei Diesel an, alle Turbo-aufgeladen und schon aus der normalen C-Klasse bekannt. Drei Versionen sind mit Allrad, alle mit 9-Stufen-Automat kombinierbar. Hinzu kommen zwei AMG-Versionen, einmal als sogenanntes Sportmodell C43 mit modifiziertem 367-PS-V6 und Allradantrieb, einmal als heckgetriebene C63 und C63 S mit dem V8 aus dem Sportwagen AMG-GT und bis zu 510 PS. Gegen die Klanggewalt der Letzteren hilft auch kein Akustikverdeck. All die Cabrio-Extras und die erweiterte Grundausstattung – LED-Scheinwerfer serienmässig, zum Beispiel – bringen moderate 125 Kilogramm Mehrgewicht zumvergleichbaren Coupé ins Auto. Deshalb wäre man auch mit dem 245 PS starken C300 mit 2,0-Liter-Benziner sehr souverän motorisiert. Beim Händler steht das C-Cabrio ab September, die Preise beginnen bei 44'900 Franken. «Und wir bieten alles an, was State of the Art ist», sagt Weber. Entsprechend viele Vorschläge zur Aufrüstung finden sich in der Optionenliste. Wenn die Kundschaft den Traum wagt.

Andreas Faust fuhr das neue Mercedes- C-Klasse-Cabrio am 30. und 31. Mai auf Einladung von Mercedes Schweiz in Italien.

Erstellt: 03.06.2016, 18:02 Uhr

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Mercedes-C-Klasse-Cabrio

Offen für vier

Kategorie Mittelklasse-Cabrio mit 2Türen

Masse Länge 4686mm,Breite 1810mm, Höhe 1409mm,Radstand 2840mm

Kofferraum 285 bis360 Liter

Motoren Turbodiesel 170PS(125 kW) und 204PS(150 kW),Turbobenziner von 156PS (115 kW) bis 510 PS(375 kW)
Fahrleistungen 0 bis 100 km/h 4,1 bis 8,9 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit: 220bis 250km/h(elektronisch abgeregelt)

Verbrauch 4,5 bis 8,9 Liter auf 100 Kilometer, CO2-Ausstoss: 116 bis 208 Gramm/Kilometer

Markteinführung September 2016

Preis ab 44'900 Franken

Infos: www.mercedes-benz.ch

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