Dynamisch in die digitale Zeit

Mit neuer Technik und bekannten Stärken will der BMW 3er seinen Ruf als Sportler ab dem kommenden März auch in der Smartphone-Ära verteidigen.

Der neue Dreier von BMW bleibt stets sanft und präzise. Foto: PD

Der neue Dreier von BMW bleibt stets sanft und präzise. Foto: PD

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Die digitale Revolution macht auch vor den Gralshütern der Fahrfreude nicht halt. Denn so stolz BMW auf das agile Fahrverhalten und die ebenso vertrauenserweckende wie vergnügliche Abstimmung der meisten Modelle ist, so wenig interessieren sich dafür noch die Kunden. Bits und Bytes sind den meisten längst wichtiger als PS und Nm, und der Hubraum ist fast schon egal, wenn die Bildschirmdiagonale gross genug ist. Kein Auto macht dieses Problem so offensichtlich wie der Dreier, der jetzt in die siebte Generation geht.

So wurde die Entwicklung des neuen Dreiers für die Bayern eine gefährliche Gratwanderung, die sie zumindest in Sachen Fahrspass mit Bravour gemeistert haben. Denn wenn im März zu Preisen ab 57'050 Franken die intern G-20 genannte Generation an den Start geht, will BMW damit einmal mehr die sportliche Spitze in der Mittelklasse definieren und zugleich auf dem Datenhighway in die Poleposition fahren. Und kein Detail beweist das besser als ein zugegeben etwas gekünstelter Dialog mit der neuen Sprachsteuerung: Wer sich mit «Hey BMW» beim Sprach­assistenten beschwert, dass ihm langweilig ist, bekommt deshalb keine Musik eingespielt und kein Hörbuch, sondern der digitale Assistent schlägt zur Aufmunterung den Wechsel in den Sportmodus vor.

Mit stoischer Ruhe

Auf dem Weg zum «Ultimate Sports Sedan» setzen die Entwickler zwar auch auf Software und digitale Technik, aber vor allem haben sie den Wagen auf ein neues, ganz und gar analoges Fahrwerk mit breiterer Spur und tieferem Schwerpunkt und neuen Dämpfern gestellt. Wo andere Autos Sportlichkeit mit übertriebener Härte übersetzen, da bleibt der Dreier deshalb immer sanft, aber präzise. Und fühlt sich – darf man das schreiben? – fast ein wenig wie «Porsche» an. Der zur Probe gefahrene 330i folgt unmittelbar jeder Lenkbewegung und dreht sich fast wie von selbst in die Kurven. Das hilft nicht nur auf engen Strassen oder in der Stadt, sondern vor allem auf der Autobahn. Denn immer bewahrt die Limousine eine stoische Ruhe, und man ist selbst in engeren Kurven versucht, mindestens eine Hand vom Lenkrad zu nehmen.

Neue Generation digitaler Instrumente hinter dem Lenkrad. Foto: PD

Optisch ist der neue 3er auf den ersten Blick als solcher zu erkennen, nur wirkt er deutlich muskulöser und sportlicher als der Vorgänger: Die Front mit der grossen Niere hat mehr Charakter, und das Heck zeugt von mehr Kraft. Ausserdem geht der Dreier um acht Zentimeter in die Länge, bekommt vier Zentimeter mehr Radstand und zwei Zentimeter mehr Breite. Doch auf ganz grosse Sprünge hat das Design-Team verzichtet – kein Wunder, wenn man es mehr als 15 Millionen Kunden aus den letzten sechs Generationen recht machen will. Selbst innen bleiben die grossen Überraschungen aus – obwohl man nun im Fond mehr Platz hat, der Kofferraum auf 480 Liter wächst und hinter dem Lenkrad eine neue Generation digitaler Instrumente prangt.

Patzer bei der Navigation

Doch erst wenn man den Wagen bedient, macht sich die Digitalisierung bemerkbar: So reagiert der gewachsene Navibildschirm auf einen Fingerzeig, und man kann einzelne Funktionen auch mit Gesten steuern. Zudem gibt neben den digitalen Instrumenten auch die neue Sprachsteuerung ihren Einstand, die analog zu Mercedes oder Apple mit «Hey BMW» aktiviert wird und ähnlich verständig ist wie das Pendant aus Stuttgart. Zumindest in der Theorie.

In der Praxis funktionierte das System nur teilweise: Es fand Telefonnummern nicht, patzte bei der Navigation und wollte uns am Ende gar von Portugal nach Las Vegas schicken. Ziemlich weit, auch wenn BMW auf dem Weg zum autonomen Fahren für den Dreier eine Führungsposition beansprucht. Denn je nach Paket und Aufpreis nimmt er dem Fahrer so viel Arbeit ab, wie es der Gesetzgeber zulässt. Und das nicht nur im Stau oder auf der Autobahn, sondern auch im Stadtverkehr oder im Parkhaus. Der Dreier speichert automatisch die letzten 30 Meter Fahrweg und befreit sich so auf Knopfdruck selbst aus jeder Bredouille. Zumindest in der Theorie. In der Praxis behält man das Lenkrad derzeit besser noch in den Händen.

Erstellt: 26.12.2018, 18:24 Uhr

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