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Ein Zeichen gegen das Langweiler-Image

Im neuen Lexus LC 500 verschmelzen Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit zu einem Fahrzeug, das dem Ansehen der japanischen Luxusmarke nur guttun kann.

Futuristisches Design und wahlweise politisch korrekte oder nostalgische Motorisierung: Der neue Lexus LC 500. Foto: Sebastien Mauroy
Futuristisches Design und wahlweise politisch korrekte oder nostalgische Motorisierung: Der neue Lexus LC 500. Foto: Sebastien Mauroy

Der taillierte Riesengrill, die LED-Scheinwerferschlitze, das fliessende Carbondach und die verspiegelten Rückleuchten sind gewiss spektakulär. Noch spektakulärer ist aber, dass der flache 2+2-Sitzer im Tageslicht am Strassenrand kauert, statt kunstvoll beleuchtet auf einer Drehscheibe zu rotieren. Dass sich keine Dame lasziv auf der Motorhaube räkelt. Oder niemand wenigstens «Halt! Nicht berühren!» ruft, wenn man sich dazu anschickt, an dem automatisch aus der glatten Aussenhaut herausfahrenden Türgriff zu ziehen. Denn, handelt es sich bei Fahrzeugen wie diesem normalerweise nicht um Unikate, die auf Messen Einblick in eine ferne Zukunft geben? Der nach Designstudie anmutende, aber fahrbereite und serienreife Lexus LC 500 wirft die Frage auf, ob man selber in der Zukunft gelandet ist.

So schön diese auch aussieht: Innen befürchtet man unterkühltes Hightech. Und eine Computerstimme, die im typisch herablassenden Computerstimmenton fragt, wohin man fahren möchte. Oder schlimmer noch: gefahren werden möchte. Stattdessen herrscht zeitgenössischer Luxus. Die Kombination aus Digitalcockpit, Head-up-Display, unaufdringlichen Assistenzsystemen, Leder, Alcantara und Alu entspricht einer Gegenwart, in der man ewig schwelgen mag. Wenngleich die Computerstimme besser wäre als das fummelige Trackpad zur Navi-Bedienung. Doch da geht es per Druck auf den Motorstartknopf schon – Vrooom! – zurück in die Vergangenheit. Oder wie ist das zu verstehen, wenn im Zeitalter turbogeladener Downsizing-Antriebe ein grossvolumiger V8-Saugmotor aufbrüllt?

Endlich zeitgemässe Akkus

Die Eckdaten des aus den Modellen GS und LS-F bekannten 5,0-Liter-Triebwerks: 477 PS, 540 Nm maximales Drehmoment, in 4,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und 11,5 Liter Normverbrauch. Die Kraft wird zwar über eine im Serienfahrzeugbau neue 10-Stufen-Automatik an die Hinterräder übertragen, und optional sind eine variable Lenkübersetzung sowie aktive Vierradlenkung an Bord, um den 4,77 Meter-Zweitonner in engen Kehren gefühlt kürzer, leichter zu machen. Und doch wähnt man sich bei einer zügigen Fahrt durch archaisches Gebirge im 20. Jahrhundert. V8-Sauger waren damals aufgrund ihrer linearen Kraftentfaltung unumstritten, durften ungeniert das Wild aufscheuchen, und es wäre nichts dabei gewesen zu sagen: Das schlechte Gewissen? Soll den Mund halten und sich in den Fond verziehen, der für Menschen sowieso zu eng ist!

Doch zurück in die Jetztzeit, in der es auch eine Parallelwelt mit Antriebsduo, insgesamt 359 PS und 6,4 Liter Normverbrauch gibt. Startet man den LC 500 h, klingt es so, wie es in der Schweiz 95 Prozent aller Kunden des Hybridspezialisten kennen: erst mal gar nicht, bevor sich nach einigen elektrischen Metern der Verbrenner dazuschaltet. Dabei bleibt es aber nicht beim alten Antrieb, denn erstmals – endlich! – haben die Japaner die Nickelmetallhydrid- gegen zeitgemässe Lithium-Ionen-Akkus ausgetauscht. Und für das gemäss Hersteller «lineare, direkte und kontinuierliche Beschleunigungsgefühl ohne den von anderen stufenlosen Getrieben bekannten Gummiband-Effekt» kommt ein komplexes Multistage-Hybridsystem mit zusätzlicher 4-Gang-Automatik zum Einsatz.

Akustisch hält sich der Fortschritt leider in Grenzen – der V6 mag das Jaulen nicht lassen. Dafür spürt man den stärkeren Antritt und schafft den 0-auf-100-Sprint in 5,0 Sekunden. Das wirkt dann schon sehr gegenwärtig: das gute Gewissen? Ist wichtiger, als die 100er-Marke 0,3 Sekunden schneller zu knacken und dafür fast das Doppelte zu verbrauchen!

Limitierte Zahl für die Schweiz

Ohnehin versteht sich das neue Lexus-Flaggschiff nicht als Rennwagen, ­sondern als Sportler in bester Gran-Turismo-Manier. Davon zeugen nicht nur die Buchstaben LC, kurz für Luxury Coupé, sondern auch die langstreckentauglichen Sitze und das Fahrwerk, das sich selbst in der härtesten Dämpfereinstellung und mit 21-Zoll-Rädern von der komfortablen Seite zeigt. Und wenn es schon ums sanfte Gleiten geht, dann ist man mit dem Hybrid tatsächlich genauso – oder wie Ewiggestrige sagen würden: fast so – gut unterwegs wie mit dem V8.

Eine bahnbrechende Neuheit mag das Modell im Umfeld von BMW 6er, Mercedes-Benz E-Coupé und Co. nicht sein. Trotzdem machen es das futuristische Design und die wahlweise politisch korrekte oder nostalgische Motorisierung ab je 115'900 Franken samt guter Ausstattung zu einem Phänomen. Noch dazu zu einem seltenen: Für die Schweiz sind 2017 gerade mal 30 und 2018 nur 50 Stück vorgesehen. Einen positiven Effekt auf die Absatzentwicklung, die Ende September minus 37 Prozent betrug, kann das Coupé zumindest indirekt haben – im Sinne einer Zeitmaschine, die mit dem Lexus-Langweiler-Image aufräumt. Vielleicht brechen mit dem LC tatsächlich neue Zeiten an.

Nina Vetterli fuhr den Lexus LC 500 auf Einladung der Toyota AG Schweiz von Italien nach Deutschland.

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