Griff nach dem Stern

Mit dem Q30, dem A-Klasse-Mercedes aus Fernost, will Nissans Edelmarke Infiniti in Europa endlich punkten.

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Infiniti? Klingt edel – aber nicht nach Erfolg. Und so ist es auch: Nissans Edelmarke tut sich seit ihrer Lancierung vor sieben Jahren nicht bloss schwer, sondern sehr schwer, in Europa allein schon Präsenz zu markieren. Klar doch, wenn man Infinitis auf der Strasse kaum sieht. In der Schweiz haben die Japaner im vergangenen Jahr gerade mal 118 Autos abgesetzt. Jetzt, von Januar bis September, waren es 146, wie Michaela Potisk exakt weiss. Die Mediensprecherin von Infiniti Europa mit Sitz in Rolle am Genfersee kann aber auch die vergleichbare Verkaufszahl für Deutschland ohne Zögern nennen: 841 Limousinen und SUV der beiden Modellreihen Q50 und Q70 sind in den letzten neun Monaten immatrikuliert worden.

Das soll sich jetzt ändern. Möglichst schnell. Dazu greifen die Macher von Infiniti zwar nicht gleich nach den Sternen, aber sie holen sich sozusagen einen Stern vom Autohimmel, um mit ihrem ersten Kompaktmodell «eine neue Generation von Premium-Kunden» für sich zu gewinnen. Das Mittel zum Zweck hat dieser Stern bereits, und zwar im Kühlergrill. Die Rede ist von der A-Klasse von Mercedes-Benz, auf deren Plattform der Q30 aufbaut.

Der Deal mit Dieter Zetsche

Die Basis dazu hat ein Deal von Mercedes- Chef Dieter Zetsche mit dem CEO von Renault-Nissan, Carlos Ghosn, gelegt. Erstaunlich dabei ist, dass die Deutschen eine vielversprechende Plattform einem direkten Konkurrenten zur Verfügung stellen und so Infiniti den ersten Schritt in die Kompaktklasse ermöglichen. Doch Zetsche wäre nicht der gewiefte Taktiker und Stratege, hätte er nicht mindestens Gleichwertiges herausgeholt. So soll der erste Pick-up der Stuttgarter, den Mercedes bis 2017 lancieren will, auf dem eben erst neu aufgelegten Nissan Navara basieren.

Was Infiniti zurzeit allerdings wenig zu kümmern braucht. Und so übernimmt die noble Nissan-Tochter von den Stuttgartern gleich auch noch die Motoren, schränkt die Palette im Vergleich zu Mercedes aber leicht ein. Der Q30 startet zu Jahresbeginn mit drei Benzinern mit 122, 156 und 211 PS sowie zwei Selbstzündern mit 109 und 170 PS. Und wie in der A-Klasse gibt es dabei auch Varianten mit Allradantrieb und Doppelkupplung. Beim Top-Benziner mit 211 PS (Topspeed 235 km/h) ist beides Serie. Allerdings kostet der so ausgestattete Kompakt- Infiniti 50 530 Franken. Rund 17000 Franken günstiger ist der kleinere der Diesel mit 109 PS zu haben. Der Fronttriebler beschleunigt dennoch flott, das manuelle Getriebe lässt sich präzise schalten. Und so kommt durchaus Fahrspass auf, auch wenn sich beispielsweise die Lenkung nicht ganz so griffig anfühlt wie beim deutschen «Zwillingsbruder». Der Normverbrauch von 3,9 Litern und der CO2 von 103 g/km lesen sich dafür sehr gut.

Von aussen ist die nahe Verwandtschaft kaum auszumachen. Design-Chef Alfonso Albaisa hat bei seinem Erstling für Infiniti den Mix aus dynamischer Limousine und coupéhaftem SUV, für den Mercedes mit CLA und GLA zwei unterschiedliche Varianten im Angebot hat, nahezu perfekt getroffen. Dazu trägt der Q30 das typische Markengesicht von Infiniti mit wuchtigem Kühlergrill, grossen Lufteinlässen und doppelt gewellter Motorhaube. Zudem steht die jeweilige S-Version, die um 15 Millimeter tiefer gelegt ist, zumindest optisch noch satter auf der Strasse. Albaisa ist tatsächlich ein Wurf gelungen.

Mini-Händlernetz als Problem

Ob das genügt? Zweifel sind angebracht, denn das grösste Problem wird Nissan mit seiner Edelmarke in Europa auch weiterhin nicht lösen können: Es fehlt das Händlernetz. Wobei die Schweiz im Vergleich mit zwei seiner Nachbarländer sogar gut dasteht: So gibt es in Österreich ein einziges Infiniti-Center (in Wien), während Deutschland sieben Standorte hat.

Bei uns ist nach St. Gallen, Lugano und Baden vor drei Wochen in Genf ein vierter Showroom eröffnet worden, in Gland soll demnächst ein fünfter entstehen. Zudem verfügt Infiniti laut Michaela Potisk über Servicepartner in Chur, Conthey und Freiburg. Ein frohes Gesicht macht die Infinti-Sprecherin bei dieser Aussage allerdings nicht. Peter Hegetschweiler fuhr den Q30 auf Einladung von Infiniti Europa am 2./3. November in Portugal.

Erstellt: 06.11.2015, 13:41 Uhr

Infiniti Q30

Japaner mit Premium-Anspruch

Kategorie Kompakt-Limousine und Crossback
Masse Länge 4425 mm, Breite 1805 mm, Höhe 1495 mm, Radstand 2700 mm
Kofferraum 368 Liter
Motoren Drei Benziner mit 122, 156 und 211 PS, zwei Diesel mit 109 und 170 PS
Fahrleistungen 0 bis 100km/h in 7,2 bis 12,0 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 235 km/h.
Verbrauch 3,9 bis 6,7 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangabe)
CO2-Ausstoss 103 bis 156 Gramm/Kilometer
Markteinführung Januar 2016
Preis ab 31'900 Franken (Topmodell mit 211 PS ab 50'530 Franken)
Infos www.infiniti.ch

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