Grosi wird flügge

Porsche legt sein Basismodell Boxster des Spritsparens wegen nur noch mit Vierzylindern auf. Ohne Verzicht auf Leistung und den guten Ton.

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Wenn Sie rund 5,3 Millionen Franken übrig haben, dann können sie gleich aufhören zu lesen. Fliegen Sie ins kalifornische Monterey, und kaufen Sie sich dort einen originalen Porsche 718. Sie müssen nur mitbieten bei der Auktion am legendären Klassikerevent in Pebble Beach, und zwar bis zum teuren Schluss. So, wie das im letzten Jahr jemand vorgemacht hat.

Alle anderen lesen besser weiter, weil: Danach wissen Sie, dass ein Einundachtzigstel der Summe schon genügt. Statt eines Motorsport-Oldies mit Renngeschichte wird es dann zwar nur der aufgefrischte Einstiegs-Porsche, aber die 718 trägt auch er ab Ende April auf dem Heckdeckel. Nach 300'000 Exemplaren in 20 Jahren bekommt der Boxster endlich seine eigene Zahl, wie die grossen, erwachsenen Porsche-Sportwagen.

Spitzname Grossmutter

Obwohl es auf den ersten Blick absurd erscheint, den Roadster in eine Traditionsreihe mit dem Ur-718er zu stellen. Der wurde 1957 als Rennwagen entwickelt: Rohrrahmen, Mittelmotorkonzept für optimale Gewichtsverteilung, Alu- Aussenhaut und dazu ein Boxer-Benziner à la VW Käfer, nur mit viermal so viel Leistung – eher Goliathkäfer als Mariechäferli. Die legendäre Targa Florio auf Sizilien sind sie damit gefahren, eine Art Inselrundfahrt, im Slalom um die Ochsenfuhrwerke der Olivenbauern herum, und später mit stärkeren Motoren sogar in der Formel 1. Allerdings nur hinterdrein. Danach hatte der 718 unter Mechanikern seinen Spitznamen weg: Grossmutter.

Auf den zweiten Blick verbindet den Neuen dann doch einiges mit dem Urahn. Der Boxermotor, zum Beispiel. Im 718 Boxster arbeitet tief hinter den beiden Sitzen versenkt statt eines Sechszylinders wie bisher der allererste Boxer- Vierzylinder, seit Porsche vor 40 Jahren den 912er in Rente geschickt hat. Kein Liebesdienst, eher nüchterne Erfordernis. «Der Vierzylinder muss sein, sonst wird es nix mit den CO2-Grenzwerten », sagt Walter Röhrl, Rallye-Legende und mit 59 Jahren noch immer allererster Testfahrer neuer Porsche-Modelle. Den Basis-Boxster treibt ein Zweiliter mit 300 PS voran, die S-Version holt aus fünf Dezi mehr 350 PS – ein Plus von jeweils 35 PS zu den Vorgängern bei gleichzeitig gesteigertem Drehmoment und um einen Liter reduziertem Durchschnittsverbrauch. Den Verlust von zwei Töpfen gleichen Turbolader samt Ladeluftkühlern aus, die so gerade im knappen Motorraum untergebracht werden konnten. Röhrl ist den neuen 718er vor zwei Jahren erstmals als Prototyp gefahren und hatte damals schon wenig auszusetzen: «Nur eins, Kinder: Dass der wie ein Käfer klingt, bringt ihr aber schon noch weg, oder?»

Basisbolide mit grosser Klappe

Sie haben es nicht weggebracht. Zum Glück. Vor allem bei nur leicht getretenem Gaspedal schnattert der 718 wie ein 1200er-VW selig, allerdings zwei bösartige Oktaven tiefer. Unter Volllast und mit zugeschalteter Sportabgasanlage rüpelt und rotzt der Roadster dann so halbstark wie noch nie aus den zentralen Endrohren. Basisbolide, aber schon eine grosse Klappe, typisch. Doch mit dem Einsteigeretikett lag man ja schon immer falsch beim Boxster. Weil er wie der Ur-718 mit seinem Mittelmotor so wunderbar ausbalanciert ist, könnte man mit ihm selbst um stärkere Sportwagen Kreise fahren.

Daran hat sich nichts geändert, im Gegenteil, denn das Fahrwerk wirkt noch einen Tick präziser und agiler als bisher. Auf eine Alu-Karosserie muss der Zweisitzer weiterhin verzichten. Dafür wurden bis auf Windschutzscheibe, die beiden Kofferraumdeckel und das Verdeck alle Teile der Aussenhaut neu geformt. Fällt allerdings kaum auf, mit Ausnahme der schwarzen hinteren Abrisskante, auf der nun der Porsche- Schriftzug prangt. War wohl nötig, irgendwie muss die längere Modellbezeichnung ja auf dem Heck untergebracht werden.

Im Innenraum weist jetzt das mit dem neuen 11er eingeführte Navi den Weg, ein Smartphone lässt sich voll integrieren, und viel mehr als das bringt man weiterhin kaum in den knappen Ablagen unter. Statt Tasten in der Mittelkonsole dreht man jetzt mit einem Stellrad am Lenkrad die Fahrprogramme zwischen Normal und Sport plus; neu lässt sich ein individualisierter Modus definieren. Das Verdeck schliesst elektrisch innert neun Sekunden und damit so flott, dass man erstaunt nach oben schaut, warum es plötzlich dunkel wird. Coupé folgt auf Cabrio Glücklicherweise rollten einst einige 718er als Coupés an den Start, und so darf ab der Motorshow in Peking auch der technikgleiche, aber geschlossene Cayman die drei Ziffern am Heck spazieren fahren. Preislich muss er sich allerdings neu hinter dem mindestens 65'600 Franken teuren Boxster einordnen, denn wo gibt es denn so was, dass die Cabrioversion günstiger wäre als das Coupé? Nirgendwo und bald auch bei Porsche nicht mehr. Wer Pebble Beach allerdings schon fest in seinem Kalender eingeplant hat, dem kann das aber so was von egal sein.

Erstellt: 08.04.2016, 17:24 Uhr

Porsche 718 Boxster und Boxster S

Erschwingliches Porsche-Cabrio

Kategorie Mittelmotor-Roadster mit 2Türen
Masse Länge 4379mm,Breite 1801mm, Höhe 1281mm,Radstand 2475mm
Kofferraum vorn 150, hinten 125 Liter
Motoren 2,0-Liter- und 2,5-Liter-Boxermotoren mit Turboaufladung,300PS (220kW) und 350PS(257 kW)
Fahrleistungen 0bis 100km/h4,2 bis 4,9 Sekunden
Verbrauch 6,9 bis 8,1 Liter auf 100Kilometer, CO2-Ausstoss:158 bis 184 Gramm pro Kilometer (offizielleWerksangaben)
Preis ab 65600Franken
Markteinführung Ende April
Infos: www.porsche.ch

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