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Hart, aber herzlich

4C heisst die zweisitzige Wunderwaffe, mit der Alfa Romeo den Weltmarkt zurückerobern will. In der Schweiz kommt der Purist und Hoffnungsträger schon sehr gut an.

Mit dem zweisitzigen...
Mit dem zweisitzigen...
Alfa Romeo
...und 240 PS starken 4C...
...und 240 PS starken 4C...
Alfa Romeo
...auf Sportlichkeit getrimmter Wurf gelungen.
...auf Sportlichkeit getrimmter Wurf gelungen.
Alfa Romeo
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Auf diese Gelegenheit hat man hier scheinbar schon lange gewartet. Überall wo er auftaucht, hellen sich die Gesichter seiner Betrachter auf. Bei seinem Anblick werden die Daumen wie im alten Rom demonstrativ nach oben gehalten. Und ganz landesunüblich lässt man ihn mit Blinkzeichen überholen, damit er mit seinem Anblick von vorne wie von hinten ergötzen mag. Im durch Wirtschaftsflauten und Regierungskrisen arg gebeutelten Italien scheint der jüngste Landesvertreter wie ein lang ersehnter Sonnenstrahl am bewölkten Horizont zu wirken. Die Rede ist vom «Quattro tschi» (4C), dem neusten Alfa Romeo. Er ist offensichtlich mehr als ein simpler Sportwagen – nicht nur in den Augen der italienischen Nation und von eingefleischten Alfisti.

Ein wahr gewordener Traum

Mit dem 4C hat Alfa in den vergangenen 28 Monaten ein Werk vollendet, dessen Realisierung am Autosalon 2011 in Genf seinen Ursprung hatte. Damals fällte die Fiat-Schwestergesellschaft aufgrund der grossen Nachfrage (siehe Interview unten) den Entscheid, die 2-sitzige Sportwagenstudie in Serie zu bauen. Gut zwei Jahre später steht der 4C als veritables Designstück auf Rädern und lässt die Herzen höherschlagen: Sowohl im piemontesischen Flachland nahe Turin, wo der 4C erstmals auf der Landstrasse und der Rundstrecke des Fiat-Testgeländes Balocco ausgefahren werden darf, als auch im Alfa-Romeo-Hauptquartier in Turin. Denn da hat man mit dem kleinen Bruder von Giulietta und Mito viel vor, wie Verkaufschef Louis-Carl Vignon erklärt: «Der 4C ist ein wahr gewordener Traum, der mit seiner Marken-DNA für uns die Rückkehr in die Welt der Sportwagen bedeutet und gleichzeitig dazu bestimmt ist, Alfa Romeo wieder in die Überseemärkte USA und Asien zu bringen.»

Hohe Erwartungen also, die dem 4C da aufgebürdet werden. Zum Glück hat ihm Chefdesigner Alessandro Maccolini so richtig fette Schultern verpasst – und nicht nur das. Er hat es verstanden, mit schwungvollen Linien einen atemberaubenden Schönling zu zeichnen, der sogar noch Ansätze alter Alfas erkennen lässt, wie Maccolini sagt: «Als historischen Bezugspunkt haben wir den 33 Stradale von 1967 gewählt, der mit reinem Stil und technischer Funktionalität glänzte.»

Auf pure Leistung getrimmt

Die Funktionalität war denn auch höchste Prämisse beim Bau des 2-Sitzers. Angefangen beim Monocoque aus Karbon über das Alu-Chassis bis hin zur Kunststoffkarosserie: Der 4C wurde kompromisslos auf Leistung und minimales Gewicht getrimmt. Das Resultat: Den Sprint von 0 auf 100 Stundenkilometer schafft der nur 895 Kilogramm wiegende Sportler in 4,5 Sekunden und auf der Rennstrecke schafft er 258 km/h. Was sein Leistungsgewicht von 3,85 kg/PS anbelangt, besteht er den Vergleich mit ungleich potenteren Gegnern wie dem 611 PS starken Bentley Continental GT Speed oder einem 450 PS starken Maserati Gran Turismo MC Stradale locker. Mit nur zwei klitzekleinen Unterschieden: Erstens arbeitet im Gegensatz zu den V8-Wuchtbrummen beim kleinen Alfa hinter den Schalensitzen ein quer eingebauter Mittelmotor mit nur vier Zylindern. Die schöpfen aus den 1,75 Liter Hubraum 240 PS und treiben damit die Hinterräder an. In der Summe ergibt das im 4C ein Fahrvergnügen, wie man es – mit Ausnahme des Lotus Elise – derzeit wohl in keinem anderen Fahrzeug erleben kann. Die straffe Abstimmung des Sportfahrwerks, die messerscharfe Kurvenpräzision, der kehlige Sound und die tiefe Sitzposition knapp über dem Asphalt inklusive.

Vergleichslos günstig

Der zweite grosse Unterschied liegt im ebenso unschlagbaren Preis des 4C. Für das von Maserati in Modena grösstenteils von Hand gefertigte Alfa-Sportcoupé legt man in der Schweiz für die Basisausstattung gerade mal 66 000 Franken hin. Zum Vergleich: Ein in der gleichen Grössenklasse rollender Porsche Cayman S kostet mindestens 88 300 Franken. «Der Alfa 4C hat keine vergleichbare Konkurrenz», lässt Verkaufschef Vignon dazu verlauten. Da kann man ihm nur beipflichten. Und grosszügig darüber hinwegsehen, dass das gar schlichte Interieur etwas mehr Hochwertigkeit vertragen hätte, die simple Digitalanzeige im Cockpit zwar funktional, aber kein Augenschmaus ist und dass klassische Scheinwerfer unter Glas hübscher ausgesehen hätten als die jetzt gewählte Form.

Thomas Borowski fuhr den neuen Alfa Romeo am 3. Oktober auf Einladung von Fiat Schweiz in Italien.

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