Helm auf im Panamera

Porsche zeigt, dass man auch mit einer Luxus-Limousine auf einem Formel-1-Rundkurs gute Figur machen kann. Die Frage ist: Interessiert das Panamera-Käufer überhaupt?

Helm auf – dann könnte man selbst im Panamera zu viert auf die Rennstrecke, wie Porsche-Instruktoren hier symbolisch demonstrieren. Fotos: Porsche

Helm auf – dann könnte man selbst im Panamera zu viert auf die Rennstrecke, wie Porsche-Instruktoren hier symbolisch demonstrieren. Fotos: Porsche

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Wo Porsche draufsteht, ist auch Porsche drin. Hundertprozentig. Zweifel sind keine angebracht. Das hat sich 2003 gezeigt, als die Deutschen den Cayenne lancierten und damit zunächst für Irritationen sorgten. Ein Porsche in dieser Grösse? Und erst noch einer fürs Grobe? Niemals! Das fanden nicht nur eingeschworene Porsche-Fans – sie und alle anderen Skeptiker sind inzwischen eines Besseren belehrt worden. Der Cayenne hat sich zum Topseller der Marke entwickelt, weltweit wurde er allein im vergangenen Jahr 65'941-mal verkauft. Das heisst: mehr als doppelt so oft wie der Porsche-Klassiker 911 in allen Varianten bis zum Überflieger GT3 RS.

Wer ihn kauft, diesen Überflieger, der will damit allerdings nicht nur auf die Rennstrecke, er muss es schlicht tun. Wo sonst soll er seinen Mut kühlen, wenn nicht dort? Mit einer Fahrmaschine, die in 3,3 Sekunden auf Tempo 100 spurtet, die 200-km/h-Marke in 7,6 Sekunden schafft und eine Höchstgeschwindigkeit von über 300 km/h erreicht? Aber auch dann, wenn es mit einem Cayman oder Boxster «nur» um sportlichen Fahrspass geht, sind die Stuttgarter dafür besorgt, dass ambitionierte Porsche-Fahrerinnen und -Fahrer auf ihre Rechnung kommen. Dazu betreibt der Hersteller zwei Driving Center in Istanbul und Moskau, zusätzlich sechs Experience Center zwischen Leipzig (für die Schweizer Klientel im Fokus), Atlanta und Shanghai.

1550 Porsche-Fans in Istanbul

Hier wird mit allen Modellen geschult, gefahren, getestet und schliesslich auch gebolzt. Ans eigene Limit gehen und erleben, wie sich das aktuelle (oder künftige?) Fahrzeug bis an den Grenzbereich bewegen lässt und man die Porsche- Gene bis in die Fingerspitzen spürt, das ist dabei das Ziel. So haben dieses Jahr beispielsweise 1550 Porsche-Fans einen entsprechenden Kurs auf der ehemaligen Formel-1-Rundstrecke in Istanbul (letzter Sieger: Sebastian Vettel 2011) gebucht. Und bei jedem dieser Events als krönenden Abschuss einige flotte Runden hinter dem Pacecar ihres Instruktors hingelegt. «Alles ohne gröbere Probleme », wie Instruktor Steff van Campenhoudt weiss. Klar doch: Die Auslaufzonen auf dem 5,3 Kilometer langen Rundkurs sind ebenso beeindruckend, wie die Strecke selbst.

Deshalb gilt: Helm auf. Ohne wird von Porsches Profi-Instruktoren kein Kursteilnehmer auf die Strecke gelassen. Ob das mit ein Grund ist, dass sich bisher noch nie ein Panamera-Kunde dafür interessiert hat? Gut möglich, denn auf Rennstrecken scheint dieser Porsche nun wirklich nicht zugeschnitten: eine Luxuslimousine, in der man speziell auf den Rücksitzen vor lauter Wohlgefühl fast entschläft, ein zwei Tonnen schwerer und 5,02 Meter langer Raumgleiter, in dessen Kofferraum das Gepäck von vier Golfspielern passt. Ein Auto also, hinter dessen Steuer man auch den Chauffeur vermuten könnte. Etwa so, wie in der S-Klasse von Mercedes oder der 7er-Reihe von BMW.

Doch auch diese Annahme ist falsch. Sechs Jahre nach dem Cayenne hat sich der 2009 lancierte Panamera ebenfalls als Porsche durch und durch entpuppt. Schuldig geblieben ist der zunächst als «Buckelwal» verspottete Viertürer seiner designierten Käuferschaft bisher nur seine Rundstrecken-Tauglichkeit. Unfreiwillig natürlich – es fehlte schlicht an deren Interesse, es herauszufinden.

Ein Racer mit vier Türen

Das hat eine Journalistengruppe, eingeladen von Porsche Schweiz, vergangene Woche getan. Auf dem Istanbul-Park-Circuit im asiatischen Teil der 18-Millionen- Metropole absolvierte sie ein Fahrtraining mit vier von insgesamt zehn Panamera- Versionen. Die Erkenntnis: Auch der Viertürer von Porsche ist ein Racer. Wenn man es denn so will. Schon die ersten schnellen Runden im Sog von Instruktor Van Campenhoudt gelingen gut.

Der Panamera S mit seinem3- Liter-Sechszylinder (420 PS) zeigt sich überraschend agil, profitiert zudem in langgezogenen Kurven von seinem enormen Radstand von 2,92 Metern. Runde für Runde wächst das Vertrauen, selbst bei (zu) spätem Anbremsen auf engen Kurven steckt der Panamera das Untersteuern weg, ohne dass die Elektronik allzu heftig eingreifen muss. Deutlich schärfer ist danach die Gangart des Achtzylinder-Turbo mit seinen 520 PS, der auf den langen Geraden sein enormes Kraftpotenzial ausspielt. Und in den Kurven? Dort sorgt sein Allradantrieb mit ausgewogener Verteilung der Querkräfte dafür, dass zumindest eine Runde auch Passagieren auf der Rückbank zumutbar wäre. Behelmt natürlich.

Peter Hegetschweiler fuhr den Panamera auf Einladung von Porsche Schweiz am 24. November auf dem früheren Formel- 1-Rundkurs von Istanbul.

Erstellt: 30.11.2015, 17:27 Uhr

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