Im SUV lautlos fliegen

Elon Musk lanciert nach der Luxuslimousine Tesla S mit dem Model X den weltweit ersten Elektro-SUV.

Showeffekt mit praktischer Wirkung: Die Flügeltüren des Tesla erleichtern den Einstieg in die zweite und dritte Reihe. Fotos: Tesla

Showeffekt mit praktischer Wirkung: Die Flügeltüren des Tesla erleichtern den Einstieg in die zweite und dritte Reihe. Fotos: Tesla

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In 3,4 Sekunden beschleunigt der 2,5 Tonnen schwere und 5 Meter lange SUV in seiner Topversion auf 100 km/h. Lautlos. Das fühlt sich auf festem Boden fast so an wie Fliegen hoch über den Wolken – und Flügeltüren hat er ja auch, dieser extravagante Siebenplätzer, der alle Grenzen sprengt. Offenbar auch die des Machbaren, wie Elon Musk, der Visionär und Selfmade-Milliardär aus Kalifornien, selbst erfahren musste. Nicht alle Zulieferer zeigten sich jedenfalls den hohen Anforderungen gewachsen, die Musk und sein ehrgeiziges Team bei der Entwicklung des Tesla X an sie stellten. Es gab Verzögerungen bei der Lieferung von Bauteilen und Pannen bei deren Einbau, was vereinzelt sogar zu Rückrufen bei der ersten, exklusiv für die USA gefertigten Kleinserie geführt hat.

Flügeltüren für die zweite Reihe

Jetzt, da die ersten für den europäischen Markt bestimmten Elektro-SUV in Holland zur Auslieferung bereit stehen, sind diese Kinderkrankheiten ausgemerzt. Und weil das Model X sowohl von seiner Grundarchitektur her wie auch vom Antriebsstrang mit der Fliessheck-Limousine, dem Model S, identisch ist, waren die aufgetretenen Probleme für den Perfektionisten Musk zwar ärgerlich, letztlich aber nicht entscheidend.

Zum einen ging es um die exklusiven Flügeltüren, die – noch exklusiver – nicht für den Lenker und die Beifahrerin konstruiert worden sind, sondern für die Hinterbänkler in der zweiten und dritten Sitzreihe. Und ihnen auf spektakuläre Weise den Einstieg so erleichtern, dass man sich selbst als Erwachsener kaum zu bücken braucht. Ultraschallsensoren in den Tür warnen beim Öffnen vor möglichen Hindernissen und fahren die Türen erst dann komplett aus, wenn genügend Platz vorhanden ist – seitlich mindestens 30 Zentimeter. Ebenso ausgeklügelt und damit zunächst anfällig für Pannen war das System mit den ein- bzw. umklappbaren Einzelsitzen im Fond, was sich bei Crashtests gezeigt hat. Auch dies ist nun gelöst.

Eleganter Riese: Der 5-Meter-SUV.Open-Air-Feeling im Model X. Hinten gibts immer 2 Sitze.

Wie bei der Limousine wirkt auch beim SUV je ein Elektromotor auf die Vorderund die Hinterachse – Allradantrieb ist somit Serie. Und gleichzeitig die Basis für die Performance dieses völlig emissionsfreien Hochleistungsfahrzeugs, dem man sein enormes Gewicht überhaupt nicht anmerkt. Klar: Bei einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 6,2 Sekunden selbst in der Basisversion D75 mit einem 75-kWh-Akku fliegen einem ohnehin andere Gedanken um den Kopf. Von den 3,4 Sekunden, in welcher das Topmodell P90D (90-kWh-Akku) diese Marke schafft, ganz zu schweigen. Aber auch auf kurvenreicher, bombierter Landstrasse hält der Tesla-SUV seine Spur in jeder seiner Stärkeklassen souverän, Wankbewegungen sind selbst bei abruptem Einlenken minimal. Gerade in dieser Beziehung zeigt sich das Model X mit seinem tiefen Schwerpunkt dank der im Wagenboden verbauten Akkus der vergleichbaren (deutschen) Konkurrenz überlegen.

Tesla Model X
SUV mit Flügeltüren

Kategorie Oberklasse-SUVmit bis zu 7 Plätzen
Masse Länge 5020 mm, Breite 2083 mm, Höhe 1680 mm, Radstand 2961 mm
Kofferraum 2180 Liter
Motor E-Antrieb. Systemleistung von 422 bis 539 PS
Fahrleistungen 0 bis 100 km/h in 3,4 bis 6,2 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von 220 bis 250 km/h
Reichweite 417 bis 489 Kilometer (offizielleWerksangabe)
Markteinführung ab Juli
Preis 91'270bis 126'200Franken
Infos: www.teslamotors.com

Ab Sommer bietet Tesla den weltweit ersten Elektro-SUV in der Schweiz in drei Versionen mit einer Systemleistung zwischen 422 und 539 PS zu Preisen von 91'270 bis 126'200 an. Die Reichweite soll zwischen 417 und 489 betragen, ist aber natürlich stark abhängig davon, wie sehr man die Möglichkeiten der exorbitanten Beschleunigung ausreizt – oder eben nicht. Äusserlich sind die Fahrzeuge weitgehend identisch, im luftig-luxuriösen Innenraum dank der weit ins Dach hineingezogenen Frontscheibe, dem digitalen Cockpit und dem aus dem Model S bestens bekannten Tablet-Touchscreen ebenfalls. Allerdings trennt im SUV eine schmale Mittelkonsole Fahrer und Beifahrer( in) zumindest optisch. Nach dem bisher produktionsbedingt eher schleppenden Verkauf hofft Elon Musk mit dem SUV auf eine markante Steigerung.

Wurden letztes Jahr 50'580 Limousinen verkauft, 1556 davon in die Schweiz, soll das Volumen bis 2018 auf 500'000 Einheiten pro Jahr ansteigen. Dieses Ziel wird Musk allerdings nur erreichen, wenn er den auf 2017 angekündigten, kompakten und vor allem kostengünstigeren Elektroflitzer Model 3 auch rechtzeitig auf den Markt bringt. Die Erfolgschancen stehen gut, 380'000 Bestellungen sollen bereits vorliegen.


Peter Hegetschweiler fuhr das neue Model X auf Einladung von Tesla Europa am 7. Juni in Deutschland.

Erstellt: 10.06.2016, 17:47 Uhr

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