Mercedes-Benz baut C-Klasse zur Hälfte neu

Die Schwaben haben ihre beliebteste Modellreihe der umfassendsten Überarbeitung der Markengeschichte unterzogen. Weniger ist hier offensichtlich mehr.

Die Vorzüge der neuen C-Klasse testet man am besten open air wie hier mit dem C-300-Cabriolet. Foto: PD

Die Vorzüge der neuen C-Klasse testet man am besten open air wie hier mit dem C-300-Cabriolet. Foto: PD

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C-Dur gilt als die Tonart der Mitte, und gemäss einer Songanalyse aus 50 Jahren Schweizer Hitparade ist sie auch die populärste. Was die Mercedes-Baureihe mit C damit zu tun hat? Nun: Wie die Tonart, so das Auto. Wurde der 190 genannte Vorgänger noch als «Baby-Benz» bezeichnet, stieg die C-Klasse ab 1993 zum stolzen Mittelklassemodell auf – stolz, auch was den Preis von derzeit mindestens 46 270 Franken angeht – und beherrscht mit den Karosserievarianten Limousine, T-Modell, Coupé und Cabrio sowie den AMG-Sportversionen mittlerweile ein erstaunliches Repertoire. Vor allem findet kein anderer Mercedes-Benz so viel Anklang. Weltweit wurden bislang über 9,5 Millionen Einheiten abgesetzt, davon 4496 allein 2017 in der Schweiz. In den hiesigen Verkaufscharts belegte die C-Klasse damit Platz fünf hinter dem Skoda Octavia und den VW-Modellen Golf, Tiguan und Polo. Wichtiger aber noch: Sie erreicht Platz eins unter den Premiumgefährten.

Was dieser Erfolg für die obligatorische Modellpflege der seit 2014 gebauten Generation bedeutet, kann man sich denken. In C-Dur ausgedrückt: «Let It Be» von den Beatles. Erkennen lässt sich dies, indem sich die Neuerungen eben nicht erkennen lassen. Oder sagen wir bei genauerer Betrachtung der je nach Ausstattungslinie unterschiedlich retuschierten Stossfänger: na ja, fast nicht. Umso überraschender, dass von der aufwendigsten Modellpflege in der Markengeschichte die Rede ist. Davon, dass 6500 und damit die Hälfte aller Bauteile ausgetauscht wurden. Den passenderen C-Dur-Song liefert somit Blink-182: «All the Small Things.»

Instrumente erstmals volldigital

Unter anderem stehen neue Multikontursitze, Farben und Dekors im Angebot, doch die grössten Änderungen betreffen das elektronische Arrangement. Das innovative Bediensystem MBUX aus der A-Klasse hält leider nicht Einzug, dafür arbeiten die erstmals volldigitalen Instrumente, das auf 10,25 Zoll vergrösserte Media-Display und das aufgefrischte Comand-Online-System auf S-Klasse-Niveau. Aus dem Luxusflaggschiff stammen denn auch das Multifunktionslenkrad und zahlreiche Assistenten. Dank Zugriff auf verbesserte Kameras und Sensoren sowie Karten- und Navigationsdaten hält die C-Klasse jetzt automatisch Abstand, bleibt in der Spur, wechselt diese auf Blinkerbefehl und reduziert vor Kurven selbsttätig das Tempo. Die neuen Multibeam-LED-Scheinwerfer passen sich derweil der Umgebung an und leuchten bis zu 650 Meter weit, ohne den Gegenverkehr zu blenden. Was das allerdings kostet? «Baby You Don’t Wanna Know» (Sum 41). Für 46 270 Franken bleibt es jedenfalls bei Stoffsitzen, klassischen Zweitubeninstrumenten, einem 7-Zoll-Display und einer «Vorrüstung für SD-Kartennavigation».

Bis zu 390 PS und viel Komfort

In jedem Fall brandneu sind zumindest die Antriebe, die zunächst zwischen 122 und 390 PS leisten und allesamt die strenge Abgasnorm Euro 6d-Temp erfüllen. Für Tiefstverbrauch mit Prüfstandwerten unter fünf Litern ist der 1,6-Liter-Selbstzünder im C 180 d, C 200 d und C 200 d 4-Matic zuständig. Wer wegen der anhaltenden Dieselwirren dagegen «I Can’t Go for That» (Hall & Oates) findet, könnte sich wiederum für den heck- oder allradangetriebenen C 200 interessieren. Ein 184 PS starker 1,5-Liter-Otto nutzt hier ein 48-Volt-System mit riemengetriebenem Startergenerator zum Boosten, Rekuperieren, Segeln und für einen optimierten Start-Stopp-Vorgang. Der Normverbrauch beläuft sich damit auf 6,3 bis 7,2 Liter.

Oder wie wäre es mit dem C 300, der als stärkster 4-Zylinder der Baureihe auf 258 PS kommt? Das neu entwickelte 2,0-Liter-Triebwerk gefällt durch seine ruhige, harmonische Art, lässt sich mit spontan anliegenden 370 Nm aber jederzeit für einen Zwischensprint begeistern. Und dann wäre da noch das AMG-Einsteigermodell C 43 mit seinem um 23 auf 390 PS erstarkten V6-Biturbo und hecklastig ausgelegten 4-Matic-Antrieb. Oh ja, hier spielt die Musik, und zwar schneller (unter fünf Sekunden beim 0-auf-100-Sprint), härter (ohne es mit der Härte zu übertreiben), vorzugsweise open air (als Cabrio ab 80'900 Franken) und natürlich lauter. Schade nur, erinnern die Auspuffendrohre nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich an den Foo-Fighters-Hit «The Pretender». Zwei von vier entpuppen sich nämlich als Blenden.

So oder so und egal, mit welcher Modellversion: Gefahren wird in C-Dur. Die serienmässige 9-Gang-Automatik schaltet «Smooth» (Santana). Der Komfort des überarbeiteten Fahrwerks ist selbst ohne optionale Luftfederung «Amazing» (Aerosmith). Die Materialanmutung verdient «Respect» (Aretha Franklin), und für nicht allzu gross gewachsene Fondpassagiere gilt wie bis anhin: «You Can Leave Your Hat On» (Joe Cocker). Insofern gibt es keinen Grund, weshalb die Baureihe ihre Beliebtheit einbüssen sollte. Einzig das G – das entspricht übrigens auch der zweitpopulärsten Tonart – könnte das C in Bedrängnis bringen. Ende Mai 2018 lag der Kompakt-SUV GLC in den Schweizer Charts bereits vorne.

Nina Vetterli fuhr die neue Mercedes-Benz-C-Klasse auf Einladung der Mercedes-Benz Schweiz AG in Luxemburg und Deutschland. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.06.2018, 18:51 Uhr

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Mercedes-Benz C 300 Cabriolet

Neuer Motor animiert zum Sprint

Modell: 2-türiges Cabriolet mit 4 Plätzen.

Masse: Länge 4686 mm, Breite 1810 mm, Höhe 1409 mm, Radstand 2840 mm.

Kofferraum: 285–360 Liter.

Motor: 2,0-Liter-R4-Benziner mit 258 PS (190 kW).

Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 6,2 Sek. Höchstgeschwindigkeit 250 km/h.

Verbrauch: 6,7–7,1 L/100 km (offizielle Werksangabe).

CO2-Ausstoss: 153–163 Gramm pro Kilometer.

Markteinführung: Ab Juli 2018.

Preis: 64'900 Franken (Basis-Limousine C 160 ab 46'270 Franken).

Infos: www.mercedes-benz.ch


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