Schräge Töchter

Zur 100­-Jahr­-Feier von BMW rollen Rolls-­Royce und Mini zwei spektakuläre Vision­-Cars ins Rampenlicht.

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BMW feiert Geburtstag, und die Töchter putzen sich heraus. Wie David und Goliath am jeweils entgegengesetzten Ende der Modellpalette verortet und auf die jeweiligen Kerneigenschaften der beiden Marken fokussiert, gaben sie am Donnerstag im kultigen Londoner Eventtempel Roundhouse einen ebenso mutigen wie merkwürdigen Ausblick darauf, wie der ultimative Stadtflitzer von Morgen und der Luxusliner für Captain Future aussehen könnten.

«Cooperizer» als Begleiter

Dabei begegnet Mini der zunehmenden Verkehrsdichte mit einem weiter gedachten Carsharing-Ansatz. Denn obwohl sich in Zukunft vielleicht nicht mehr jeder ein eigenes Auto leisten kann oder mag, bietet auch der Mini für die Allgemeinheit ein ganz persönliches Erlebnis. «Jeder Mini ist mein Mini», nennt Designchef Anders Warming dieses Leitmotiv, das die Insassen mit einem biometrischen Scanner erkennt und sich unmittelbar auf wechselnde Fahrer einstellt.

Von aussen, weil der 3,62 Meter kurze Mini mit dem eigenwilligen Gesicht und den gegenläufig angeschlagenen Schwenktüren seine Farbe und sein Dekor ganz nach Belieben des Benutzers verändern kann. Und von innen, weil das zum «Cooperizer » aufgewertete Kombiinstrument ein digitaler Begleiter des Fahrers wird und dessen Vorlieben der Vernetzung sei dank schon kennt, bevor dieser sie überhaupt geäussert hat: Es läuft die passende Musik, es sind die richtigen Informationen aus den Datenbanken gesucht und die passenden Ziele eingestellt. Und wenn man das Auto zum Beispiel nach einem Interkontinental­-Flug wechselt, begrüsst einem der New Yorker Mini genau so, wie man den Londoner abgestellt hat, beschreibt Warming das Szenario.

Der Mini wird wieder kürzer

Aber die Mini­-Studie geht nicht nur bei der Personalisierung neue Wege, sondern auch Aussehen und Ambiente sind neu: Mit 3,69 Meter zwar immer noch nicht so knapp wie das 3,02 Meter lange Original, aber immerhin 20 Zentimeter kürzer als der aktuelle Hatch überrascht der «Vision Next 100» aussen mit stärker betonten Rundungen und noch glatteren Flächen. Und innen macht neben ungewöhnlichen Materialien wie Messing, Basalt und Cellulose vor allem ein lichtes Raumerlebnis Eindruck, wie es selbst viel grössere Fahrzeuge selten bieten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Warming den Wagen komplett ausgeräumt hat, die Frontscheibe fast bis hinunter auf den Fussboden reicht und das Armaturenbrett zu einer schmalen Strebe schrumpft, die sich quer durch den Innenraumzieht und nicht viel mehr trägt als den «Cooperizer », ein Handtellergrosses Bedienelement und das Lenkrad.

Bei Rolls­-Royce ist das Lenkrad ganz verschwunden. Denn nachdem sich die Kundschaft schon bislang zumeist hat chauffieren lassen, übernimmt diese Rolle künftig eine «Eleanor», das digitale Alter Ego der Kühlerfigur, die den Insassen alle Wünsche aus dem digitalen Gedächtnis filtert.

Grosse Show dank «Eleanor»

Das beginnt damit, dass «Eleanor» den Wagen vorfährt und einen Auftritt inszeniert, wie er spektakulärer kaum sein könnte: Denn als wäre die 5,9 Meter lange und 1,6 Meter hohe Karosse mit ihren freistehenden, 28 Zoll grossen Kutschenrädern, dem noch mal aufpolierten Pantheon­-Grill und der gewachsenen Kühlerfigur aus Glas am dramatisch verschlankten Bug nicht schon imposant genug, wird die Vorfahrt zur grossen Show inszeniert. Erst strahlt die Front in hellem Glanz, dann öffnet sich das kuppelförmige Dach, bevor die – natürlich hinten angeschlagene – Tür aufschwingt und sich eine Trittstufe entfaltet und LED­-Spots einen roten Lichtteppich auf dem Asphalt ausrollen.

Während der Fahrt ist der Kronwagen für Captain Future ein Refugium der Ruhe, in dem nichts die Privatsphäre stört. Doch beim Ein-­ und Aussteigen gibt der Luxusliner den Blick frei in eine Lounge, die ungewöhnlich leicht und luftig wirkt.

So unterschiedlich die beiden Autos auch sind, haben sie doch drei Dinge gemein: Beide fahren elektrisch, beide arbeiten (teilweise) autonom, und beide sind noch so weit von entfernt, das sie mindestens genauso stark provozieren wie sie faszinieren.

Erstellt: 17.06.2016, 19:29 Uhr

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