Das Autojahr geht glamourös zu Ende

Die Los Angeles Auto Show bildet den Schlussakt des Autojahres. Aber nicht mit leisen Tönen, sondern stilecht im Hollywood-Style.

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Der Mann ist in den Fünfzigern und ohne Zweifel nicht gerade minderbemittelt. Schliesslich steht er in der Concourse Hall der LA Auto Show, in der die ganz besonderen PS-Pretiosen ausgestellt sind, und überlegt, mit welchem Sportwagen er seine Garage als Nächstes schmücken könnte. «Soll ich den McLaren nehmen, den Lamborghini, oder den Bentley?», diskutiert er mit seinen Begleitern – nur um sich am Ende für den BMW i8 zu entscheiden, der mit in diesem illustren Kreis steht.

Dass der futuristische Bayer ein Plug-in-Hybrid ist und im Heck nur ein 3-Zylinder knattert, hat der Mann da noch nicht gewusst. «Und es mir eigentlich auch egal», sagt er mit entwaffnender Offenheit. «Hauptsache, er sieht gut aus.» Denn alles, was zählt in Los Angeles, das ist der schöne Schein. Nicht nur der rote Teppich vor den Kinos und Konzertsälen, sondern auch die Strassen von Hollywood oder Beverly Hills sind nichts anderes als ein Laufsteg, auf dem jeder nach dem perfekten Auftritt strebt.

Amerikaner setzen auf PS

Entsprechend glamourös präsentiert sich die PS-Branche deshalb bei der LA Auto Show, mit der sie das Autojahr 2014 so langsam ausklingen lässt. Während im Januar in Detroit wichtige Volumen- Modelle im Vordergrund stehen, dreht sich in der Traumfabrik fast alles um Luxus, Lust und Leistung. Das gilt für US-Neuheiten wie den Ford Mustang als Shelby GT 350 mit über 500 PS oder den 455 PS starken Cadillac ATS-V als Herausforderer von BMW M3 und M4 genauso wie für die meisten Premieren der Importeure, von denen die deutschen in Kalifornien traditionell am lautesten auf den Putz hauen.

So zieht Porsche im Convention Center das Tuch von den neusten GTS-Versionen von 911 und Cayenne, BMW rollt die 575 PS starken M-Varianten von X5 und X6 auf die Bühne, Mercedes zeigt parallel zur Premiere in China zum ersten Mal die Maybach-Variante der S-Klasse mit nochmals gestrecktem Radstand und Liegesesseln im Luxus-Fond. Und selbst der VW Golf Variant wird zum Sportwagen und steht als R-Modell mit 300 PS im Rampenlicht.

Audi startet in neue Ära

Die vielleicht wichtigste Neuheit aus Deutschland dreht sich aber auf dem Audi-Stand. Denn während alle anderen Hersteller nur Motor- oder Karosserievarianten mitgebracht haben, rücken die Bayern nicht nur ein neues Auto ins Rampenlicht, sondern starten mit der Studie Prologue gleich in eine neue Ära. Sie soll den stilistischen Aufbruch der Marke unterstreichen, sagt Designchef Marc Lichte mit Blick auf das Luxuscoupé und verspricht, dass dieses Vorspiel spätestens dann ein Nachspiel haben wird, wenn in zwei Jahren A8, A7 und A6 in die nächste Generation gehen und innen wie aussen neue Massstäbe setzen sollen.

Während sie sonst in den USA unter den Importeuren den Ton angeben, bleibt den Asiaten in Los Angeles diesmal nur die zweite Reihe. Eine Cabrio- Studie von Lexus, die US-Premiere des kleinen Geländewagens Honda HR-V, keine grossen Premieren bei Kia oder Hyundai: Wäre da nicht Mazda mit dem nagelneuen und wunderschönen CX-3 (siehe halbe Seite), der von Facelifts für Mazda 6 und CX-5 flankiert wurde – man könnte die Marken aus Fernost diesmal glatt ganz vergessen.

«The next big thing» bei Toyota

Ausser natürlich Toyota. Denn die Japaner, die mit ihrem Prius über Jahre die kalifornische Zulassungsstatistik dominiert haben, starten auf der LA Auto Show «the next big thing» und brechen eine neue Revolution vom Zaun. Zum ersten Mal zeigen sie vor grossem Publikum den Mirai, mit dem sie jetzt die Brennstoffzelle in Serie bringen. Die Reaktionen des Publikums auf die futuristische Stufenheck-Limousine stehen noch aus. Aber die Konkurrenz haben die Japaner schon aufgeschreckt.

Nicht umsonst haben VW und Audi eiligst ebenfalls ein paar Elektroautos mit Wasserstoff- Batterie ins Rampenlicht gerückt. Das sind zwar nur Prototypen, und eine Serienfertigung steht noch in weiter Ferne. «Aber wir wollen beweisen, dass wir dieses Thema nicht verschlafen haben und jederzeit nachziehen könnten, wenn es der Markt verlangt», sagt Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg über die millionenschweren Schaustücke, die sich auf der Messe drehen und vor der Halle durch LA surren.

Mini wird wirklich Mini

Doch zwei Stände weiter bei Mini sieht man, dass es gar keine Forschungsmillionen braucht, um bei den Ökos in Kalifornien zu punkten. Dort glänzt der elektrische Citysurfer im Rampenlicht: Dass der wohl kleinste Mini aller Zeiten nur zwei Räder hat, gerade mal 25 km/h schafft und man dabei auch noch selber anschieben muss, stört die Messegäste wenig. Denn in Los Angeles kommt selbst ein Tretroller gut an – Hauptsache, er ist neu und sieht cool aus.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.11.2014, 18:17 Uhr

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