Oldtimer sind Kulturgut

Soll man die Classic Car Auction am kommenden Samstag auf dem Dolder auch ohne Kaufabsichten besuchen? Organisator Reinhard Schmidlin meint: «Unbedingt!»

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Herr Schmidlin, worin liegt die Faszination für Oldtimer?

Es ist wohl eine Mischung aus vielem. Das Interesse an der ursprünglichen Technik, die Freude an schönem Design, der Spass am Fahren und für viele sicher auch am «Schrauben».

Für viele ist ein Oldtimer sicher
auch ein Prestigeobjekt.

Ich denke, das trifft auf die wenigsten zu. Ich bin eher überzeugt, dass sie das Spezielle suchen, weil sich moderne Alltagsfahrzeuge zu wenig voneinander unterscheiden.

Was macht ein klassisches Fahrzeug überhaupt wertvoll?

Unter anderem natürlich die Seltenheit des Fahrzeugs, sein Zustand, die Marken- und Modellgeschichte und allfällige Rennerfolge.

Im Auktionskatalog hat es unter anderem einen Ferrari 365 GTC/4 mit «Preis auf Anfrage». Eine nette Umschreibung von «unbezahlbar teuer»?
Nein, das bedeutet meistens nur, dass die Preisdiskussion mit dem Verkäufer zum Zeitpunkt des Katalogdrucks noch nicht abgeschlossen war. So auch im Fall des «Gobbone», wie die Italiener den 365 GTC/4 nennen. Der realistische Preis liegt zwischen 150 000 und 200 000 Franken. Aber wir werden sehen, wie viel er auf der Auktion bringt.

Auktionen haben ein elitäres Image. Kommen darum bewusst auch günstigere Fahrzeuge um die 20 000 Franken unter den Hammer?
Nein, in erster Linie achten wir darauf, im Vorkriegsbereich und den nachfolgenden Dekaden gut vertreten zu sein. Aber auch preislich wollen wir eine vernünftige Spannweite bieten. Dafür sind wir bei der Oldtimer-Galerie Toffen übrigens bekannt. Denn Klassiker für Einsteiger sind unser Steckenpferd.

Entsprechen die angegebenen Schätzpreise etwa dem, was auf
der Auktion bezahlt wird?
Schätzpreise zeigen Interessenten auf, wohin die Reise gehen könnte. Mit etwas Glück kann ein Zuschlag aber auch günstiger erfolgen. Dann, wenn die Konkurrenz der Bieter schwach ist und der Mindestpreis eher tief angesetzt wurde.

Wie wertstabil sind die Autos? Kann es sein, dass ich am Samstag ein Auto für 80 000 Franken ersteigere, das im nächsten Jahr nur noch die Hälfte wert ist?
Die Frage lässt sich nicht allgemein beantworten. Wenn sich Angebot und Nachfrage in einem Jahr noch ähnlich verhalten und der Kaufpreis korrekt war, sollte kein Geld verspielt worden sein. Gut beraten ist zudem derjenige, der sein Fahrzeug nicht zu einem «Stehzeug» macht. Die Autos müssen regelmässig gefahren werden, um keine Kosten für Standschäden zu generieren.

Wer sind denn die Verkäufer? Und warum wählen sie den Auktionsweg?
Einlieferer können Private, Sammler, Händler, Erbgemeinschaften, Gesellschaften oder das Auktionshaus selber sein. Der Vorteil einer Auktion ist, dass sie sich vor, während und nach dem Verkauf nicht mit Interessenten rumschlagen müssen. Und sie erhoffen sich natürlich bessere Preise, die dann entstehen, wenn es spannende «Bietergefechte» gibt.

Und von wem wird die Auktion besucht?
In erster Linie natürlich von Kaufinteressenten, die es schätzen, eine grosse Auswahl an Fahrzeugen konzentriert auf einer reellen Plattform angeboten zu bekommen. Der Auktionator, der Auktionskatalog und mein Personal vor Ort sind sozusagen die «Reiseführer», die sie beim Kauf begleiten. Aber wir haben jeweils 600 bis 1200 Besucher und nur 100 Lots. Das zeigt, dass eine solche Auktion ein Event für Gleichgesinnte und nicht nur für Käufer ist.

Warum sollte ein Nicht-Kauf-Interessent die Auktion besuchen?

Oldtimer sind ein Kulturgut, und Kultur ist Geschichte. Daraus kann man viel lernen, wenn man denn will.

Wie sind Sie überhaupt zu den Oldtimern gekommen?

Nach meiner kaufmännischen Ausbildung war ich in ganz anderen Branchen tätig, aber klassische Autos haben mich immer fasziniert. Ich besass selber welche – eher günstige, darunter ein Mini – und freundete mich mit einem Oldtimerhändler in der Nähe meines damaligen Arbeitsorts bei Bern an. Die Idee, das Hobby zum Beruf zu machen und die Oldtimer-Galerie Toffen ins Leben zu rufen, reifte erst später heran. Anfang der 80-er, als ich mich in der Schweiz schon abgemeldet hatte und in den USA lebte. Dort beschloss ich, dem Motto «ausser man tut es» zu folgen. Aber ich hatte es mir damals einfacher vorgestellt – mit Oldtimern zu handeln, klang nach wenig Arbeit . . .

Immerhin gilt die Auktion auf dem Dolder als exklusivste der Schweiz. Wie kam es dazu?

Die Oldtimer-Galerie Toffen führt ja schon seit 1991 Auktionen durch. Die Idee, eine solche auch auf dem Dolder zu veranstalten, entstand bei einem Gespräch mit Christoph Lehmann, dem Organisator der Dolder Classics. Schon nach fünf Minuten fiel der Satz: Let’s do it!

Wenn Sie als Besucher auf den Dolder kämen: Bei welchem Auto würden Sie mitbieten?
Bei Lot Nr. 46, dem Alfa Romeo 6C 2500 SS Berlina GT von 1951. Das ist kein ausgesprochen sportliches Fahrzeug, aber ein schneller, kraftvoller Reisewagen mit extrem viel Charisma. Autos wie dieses sind eine Bereicherung für den Schweizer Strassenverkehr. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.06.2013, 18:03 Uhr

Classic Car Auction am 8. Juni

Seit über 20 Jahren führt die renommierte Oldtimer-Galerie Toffen BE mehrmals pro Jahr Auktionen mit klassischen Fahrzeugen durch. Zum zweiten Mal findet am Samstag, 8. Juni, eine Versteigerung im Rahmen des Dolder-Classics-Oldtimer-Treffs statt. Fast
70 Raritäten im Gesamtwert von rund 5 Millionen Franken kommen unter den Hammer.
Die Fahrzeuge können am 6. und 7. Juni von
10 bis 20 Uhr und am Auktionstag von 9 bis
14 Uhr besichtigt werden, ab 14 Uhr findet
die Versteigerung statt. Gebote können auch schriftlich oder telefonisch abgegeben werden. Infos und einen umfangreichen Katalog gibt es unter www.oldtimergalerie.ch

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