Showtime in Manhattan

Bei der New York International Auto Show zeigt sich die Automobilindustrie in Partylaune und protzt mit Pomp und PS.

Grosser Auftritt für einen kompakten Sportler: Die britische Edelschmiede McLaren zeigt den neuen 570S bei der Auto Show in New York. Fotos: Keystone/United Pictures

Grosser Auftritt für einen kompakten Sportler: Die britische Edelschmiede McLaren zeigt den neuen 570S bei der Auto Show in New York. Fotos: Keystone/United Pictures

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Rekordabsatz bei Mercedes-Benz, glänzende Zahlen bei BMW, VW kurz vor dem Sprung an die Weltspitze und selbst die Manager aus Motown Detroit haben wieder ein Lächeln auf den Lippen – selten ging es den Automobilherstellern so gut wie heute, und zu verdanken ist das vor allem dem US-Markt. Denn während die Kunden in Europa sich in vorsichtiger Zurückhaltung üben und China immer noch ein Vabanquespiel ist, kennen die Kurven jenseits des Atlantiks nur eine Richtung: nach oben. Kein Wunder, dass die PS-Branche in Partylaune ist und sich zur Motorshow in New York nicht lumpen lässt: Ein Dutzend grosser Weltpremieren und jede Menge neuer Varianten buhlen auf der Messe in Manhattan um die Gunst der Medien und der mehr als 800'000 Zuschauer.

Engländer auf der Poleposition

Den vielleicht stärksten Auftritt haben diesmal allerdings nicht die erfolgsverwöhnten Deutschen, sondern die Engländer. Nicht umsonst zeigt Jaguar hier die zweite Generation des XF, der mit Alukarosserie und einer neuen Motorengeneration den deutschen Platzhirschen aus der gehobenen Mittelklasse Kunden abjagen will. Und als wäre das nicht schon Affront genug, nimmt der nochmals veredelte Range Rover SV Autobiography die Idee von einem Maybach- Geländewagen vorweg, und McLaren schiesst sich auf Porsche ein. Denn dort, wo der 911 aufhört, fängt mit dem neuen 570S der Spass erst an.

Auch die Asiaten drehen in Manhattan am grossen Rad: Nissan lockt die amerikanische Mittelschicht mit einem neuen Maxima, und Kia schickt im gleichen Segment die nächste Auflage des Optima ins Rennen. Subaru schärft den Sportwagen BR-Z mit einer STI-Version nach, und Toyota feiert gleich eine doppelte Premiere. Denn während der RAV4 den Hybridantrieb aus dem Lexus NX 300h übernimmt, stellt die vornehme Schwester Lexus einen neuen RX ins Rampenlicht. Etwas grösser und geräumiger als früher, schärfer gezeichnet und dank optimiertem Hybridantrieb ein wenig sparsamer, soll er noch in diesem Jahr in den Handel gehen. Aber so interessant diese beiden SUV mit Teilzeitstromer auch sein mögen, so sehr sind sie eine Enttäuschung. Denn ausgerechnet der Hybridpionier bringt immer noch keine Plug-in-Technik in die Grossserie und lässt sich so von den Nachzüglern die Schau stehlen.

Neue deutsche Bescheidenheit

Dabei treten die deutschen Hersteller in diesem Jahr im Big Apple vergleichsweise bescheiden auf: Wo Mercedes immerhin das Facelift der M-Klasse mitgebracht hat, die jetzt GLE heisst und auch als Plug-in-Hybrid angeboten wird, und obendrein die US-Premiere des neuen Smart feiert, gibt es von BMW gar nichts Neues und aus dem VW-Konzern nicht viel. Bei Audi steht nur poliertes Altmetall auf dem Stand, und VW rollt ein paar bunte Beetle-Editionen auf die Bühne, mit denen die Wolfsburger den Kaufreiz der US-Kunden stimulieren wollen. Einzig Porsche hat eine echte Premiere zu feiern und zog das Tuch vom Boxster Spyder (TA vom Samstag). Aufs Wesentliche reduziert, mit einem gestrippten Verdeck bedacht und mit zwei Höckern auf dem Heck wird er mit 375 PS zum stärksten und mit seinem neuen Set-up zum schärfsten Boxster in der Modellgeschichte.

Haben die Amerikaner in den vergangenen Jahren nur gute Miene zum bösen Spiel gemacht und die Bühne im Big Apple den Importeuren überlassen, fahren sie diesmal zum Heimspiel buchstäblich gross auf und sichern sich so die Show: Das gilt vor allem für den neuen Cadillac CT6, der ab Anfang 2016 auch in Europa gegen S-Klasse & Co antreten will. In die gleiche Liga, aber erst einmal nur für Amerika und China gedacht, zielt der Entwurf für einen neuen Lincoln Continental, der auf dem Weg in die Serie hoffentlich noch ein bisschen von seinem Bentley-Look verliert. Neben den beiden Luxuslinern gibt es in New York allerdings noch reichlich neues Blech für die breite Masse: So lockt Chevrolet die Mittelschicht mit einem neuen Malibu und bringt für Kids und Knauser den neuen Spark, den man in Europa als Opel Karl kennt. Und bei Ford dreht sich neben dem Lincoln alles um den neuen Focus RS, der bald seinen Weg aus Deutschland über den Atlantik macht. Nur Chrysler und Fiat haben – nicht zum ersten Mal – nichts Neues zu bieten.

Das Auto steht hoch im Kurs

Zwar steht das Auto bei den Amerikanern höher im Kurs als je zuvor und ein Ende des Booms ist kaum abzusehen. Doch dass ausgerechnet die Messe in New York so einen Zulauf erlebt, ist ein bisschen paradox. Nicht nur, weil die Stadt ständig im Stau steht und man eigentlich nur mit der U-Bahn flott ans Ziel kommt, sondern vor allem, weil die New Yorker lange nicht so autoaffin sind wie der Rest der US-Bevölkerung – jeder Zweite hat schliesslich nicht mal einen eigenen Wagen.

Erstellt: 06.04.2015, 17:34 Uhr

Luxuriös: Die Lincoln-Studie Continental Concept.

Sportlich: Der neue Kia Optima.

Aggressiv: Der neue Lexus RX.

Artikel zum Thema

Englishman in New York

Mit «Englishman in New York» hat Sting 1988 einen Welthit gelandet. Das will Jaguar mit dem in New York gezeigten neuen XF auch. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Vergleichsdienst

Finden Sie in nur fünf Schritten die optimale Versicherung für Ihr Auto.
Jetzt vergleichen.

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Blogs

Sweet Home Der grosse Sweet-Home-Geschenkeratgeber

Geldblog Medacta enttäuscht die Anleger

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...