Chefsache «American Dream»

Ford bringt seinen legendären Muscle Car, den Mustang, 2015 nach Europa. Der Umwelt zuliebe auch als 4-Zylinder-Turbo.

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Das ist eine Ansage – und erst noch eine vom obersten Chef. Wie wichtig es Bill Ford ist, dass sein Weltkonzern die Legende Mustang ab Frühjahr 2015 zum ersten Mal seit 50 Jahren offiziell nach Europa exportieren wird, daraus machte er am Donnerstag in Barcelona keinen Hehl. Höchstpersönlich und strahlend lenkte der Urenkel von Firmengründer Henry Ford die neuste Version auf die Bühne der CCIB Convention Hall an der Placa de Willy Brandt – das Auto, das für ihn nach wie vor wie kein anderes für den «American Way of Drive» steht.

Und nicht nur für ihn: Neun Millionen Mal hat Ford den Mustang seit 1964 als röhrendes Coupé oder vibrierendes Cabriolet verkauft. Von Direktimporten für erklärte und ausdauernde Fans wie etwa die 200 Mitglieder des «Mustang Club of Switzerland» abgesehen, fast ausnahmslos in den USA.

Grosser Auftritt, grosser Anspruch

Das soll sich jetzt ändern. Dieser «American Dream», wie ihn Ford-Boss Ford auch in der sechsten Generation des Muscle Car sieht, soll weltweit geträumt werden können. Auch – oder gerade – in Europa. Deshalb der grosse Auftritt nicht etwa in Detroit, wo der Mustang Anfang Januar an der traditionellen Auto-Show offiziell seine Weltpremiere feiern wird, sondern in Barcelona – vor 2500 geladenen Ford-Händlern aus ganz Europa und Journalisten. Natürlich bei gleichzeitiger, weltweiter Ausstrahlung via Internet «für die gesamte, globale Ford-Familie», wie Bill Ford fast schon enthusiastisch ausrief.

Für den Big Boss jedenfalls steht fest: «Wenn ein Auto den Geist seiner Zeit noch immer so widerspiegelt wie der Mustang, der in Europa eine Million Facebook-Fans hat, obwohl sie es selbst nie gefahren sind, dann gehört dieses Ford-Modell endlich auch auf den Alten Kontinent». In diesem Sinn haben die Entwickler in Detroit alles daran gesetzt, die Basis dazu zu schaffen – am Blech und auch darunter.

Neues Styling mit alten Stärken

So hat Chef-Designer Moray Callum «auf einem weissen Blatt Papier», wie er sagt, damit begonnen, den neuerdings zum Welt-Auto hochstilisierten Ford Mustang zu zeichnen. Auch wenn für den Texaner von vorneherein feststand, «dass wir am essenziellen Charakter der Sportwagenikone eigentlich so wenig wie möglich ändern dürfen». Callum spricht damit die kraftvolle Motorhaube an und das kompakte Heck mit der klassischen Dreiteilung der Leuchten. Aber, natürlich, auch seine neue Interpretation der klassischen Haifischmaul-Front. Alles perfekt gelungen, kann man nach dem buchstäblich bühnenreifen Rollout der Neu-Ikone nur sagen – denn trotz des Blicks zurück, ist das Design zeitgemäss und stimmig.

Was der Chefdesigner allerdings unterschlägt, bei seiner Arbeit mit Blick auf den künftig offiziellen Export nach Europa aber nicht ganz unwesentlich war: Die neue Generation sieht nicht nur sehr gut aus, sondern entspricht mit ihrer modifizierten Front nun endlich voll und ganz den hiesigen gesetzlichen Bestimmungen bezüglich Fussgängerschutz. Bislang war dies einer jener Punkte, die bei Direktimporten und vor der jeweiligen Homologierung nachzubessern waren.

Der Muscle Car mit vier Zylindern

Ein sehr wichtiger Punkt, zweifellos. Aber nicht der kostspieligste, wie Peter Lanz, Vorstandsmitglied im «Mustang Club of Switzerland», weiss. Doch noch viel aufwendiger waren aus seiner Sicht jeweils die technischen Modifikationen, welche die röhrenden und schluckfreudigen 6und 8-Zylinder-Motoren nötig machten. Aber auch in dieser Beziehung hat sich Bill Ford vorbehaltlos hinter die geplante Offensive seines Europachefs Stephen Odell gestellt, der in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt 25 Modellen tüchtig Volumen generieren will. Und dazu auch die gestählten Muskeln des Ford Mustang braucht. Allerdings einen «Pony Car» mit weniger Durst, mit deutlich minimiertem Schadstoffausstoss und (etwas) weniger aggressivem Sound.

Deshalb bringen die Amerikaner rund 50 Jahre nach der Erstlancierung ihres «spektakulärsten Modells aller Zeiten» (so die Eigenwerbung) den Mustang auch als 4-Zylinder auf den Weltmarkt – was ihnen eingefleischte Fans zweifellos als Tabubruch auslegen werden.

Erst Prototypen gefertigt

Das müsste allerdings nicht sein. Denn der 2,3 Liter grosse Turbo aus der Eco-Boost-Familie soll 309 PS leisten und über ein durchaus respektables Drehmoment von 409 Newtonmeter verfügen. Exakte Leistungswerte gibt Ford allerdings noch nicht bekannt, zurzeit sind erst Prototypen gefertigt worden.

So lässt sich denn auch nur schwer abschätzen, wie tief der mit dem 4-Zylinder-Mustang angestrebte Verbrauchswert ausfallen wird. Ein Anhaltspunkt könnte der 2-Liter-EcoBoost liefern, der derzeit in der sportlichsten aller Focus-Versionen verbaut wird und der es im ST auf 250 PS bringt. Trotzdem soll der Normverbrauch beim Kompaktsportler von Ford bei rund 7,2 Liter liegen und der CO2 die 170-Gramm-Grenze nicht überschreiten.

Doch bei allem Bestreben nach Vernunft: Es wird auch die sechste Version des Mustang mit einen V8 mit 426 PS geben, der bei geheimen Testfahrten bereits an einem 911er Porsche und einem BMW M3 Mass genommen haben soll. Kein Gerücht ist hingegen, dass die Amerikaner beim neuen Mustang endlich auf die bisherige Starrachse verzichten und hinten ebenfalls auf Einzelradaufhängung setzen. Das freut nicht nur die Europäer.

Peter Hegetschweiler besuchte den «Go Further»-Event auf Einladung der Ford Motor Company (Switzerland) SA.

Erstellt: 07.12.2013, 08:23 Uhr

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