Einfach, praktisch, gut

Viel Platz, schlichtes Design und zeitgemässe Technik machen den neuen Skoda Rapid zum perfekten Vernunftentscheid.

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Die Freude an Luxus und Leistung kann den Blick fürs Wesentliche trüben – worum geht es den meisten Autofahrern schon wieder? Eine Freundin rief es mir neulich in Erinnerung: nicht um PS, sondern Praktikabilität. Nicht um Prestige, sondern den Preis. Das Image eines Autos sei wohl nicht unwichtig, aber «Hauptsache, es fährt». Zuverlässig, sicher und komfortabel von A nach B, nicht möglichst schnell auf der Nürburgring-Nordschleife. Die weitverbreitete Pragmatik verschafft Skoda denn auch beachtliche Absatzzahlen: 2011 verkaufte die VW-Tochter fast 900000 Einheiten, davon 17470 in der Schweiz. Doch die Viel-Auto-fürs-Geld-Konkurrenz schläft nicht, und den Tschechen schweben bis 2018 jährlich 1,5 Millionen vor – eine Neuheit alle sechs Monate soll es richten.

Zunächst wird die Lücke zwischen Fabia und Octavia gefüllt. Preise sind noch nicht bekannt, dürften aber kaum über 20000 Franken beginnen. Der Hersteller beschreibt sein neustes Kompaktmodell mit dem Namen einer 30er-Jahre-Skoda-Limousine wie folgt: «Der Rapid ist ein geräumiges, elegantes und zugleich erschwingliches Auto für die ganze Familie und überzeugt mit cleveren Lösungen, moderner Technik und hoher Wirtschaftlichkeit.» Stimmt sogar. Womit eigentlich schon alles gesagt wäre, was meine Freundin interessieren und Luxus- wie Leistungsaffine zum Leseabbruch motivieren könnte.

Raumwunder mit cleveren Details

Dennoch gibt es noch einiges zu sagen, etwa zur Praktikabilität. Der Rapid ist etwas länger als ein VW Golf und fast so geräumig wie ein Passat. Grossgewachsene fühlen sich auf den vielfältig verstellbaren Vordersitzen sehr wohl, im Fond gibts üppige Knie- und Kopffreiheit für zwei Erwachsene oder – wie Skoda betont – drei Kinder. Die grösste Überraschung bietet der Kofferraum: 550 Liter sind in dieser Klasse einzigartig, zur Veranschaulichung fördert Designer Peter Olah einen Koffer nach dem anderen und schliesslich mehrere Fussbälle aus dem Laderaum. Sind die hinteren Sitzlehnen umgeklappt, wächst das Volumen auf 1490 Liter an; ich wäre mässig erstaunt gewesen, hätte Olah dann noch ein kleines Pony hervorgezaubert. Wobei Skoda das «Simply Clever»Markenversprechen bis ins Detail einlöst: Mit Kleinkram verstauenden Netzen an den Vordersitzseiten, Abfallbehälter in der Beifahrertür, Multimedia- und Tickethalter und sogar einem Eiskratzer auf der Innenseite des Tankdeckels, der auch als Lupe zum Lesen von Oktanvorgaben und Reifendruck dient.

Genauso aufgeräumt ist das Design. Die Proportionen sind stimmig, die Flächen sauber modelliert, die Linien scharf gezeichnet. Mit gutem Grund sind die Designer stolz auf die neue Formensprache, die der Rapid als erster Serien-Skoda zeigt: Selten wirkte ein Auto so einfach, aber nicht langweilig, günstig, aber nicht billig und drückt Qualität ohne Pseudo-Luxus-Schnickschnack aus. Schade nur, dass das Interieur nicht ganz so geglückt ist: Die Verarbeitung erscheint zwar tadellos, aber trister Hartplastik kann «billig» kaum überspielen.

Wirtschaftliche Motoren

Für den Antrieb stehen in der Schweiz drei aus dem Konzernregal bekannte Benziner und ein Diesel zur Auswahl. Da die Serienausstattung nebst ABS und ESP auch Start-Stopp-Automatik, Bremsenergierückgewinnung und rollwiderstandsoptimierte Reifen umfasst und der Wagen nur knapp 1,2 Tonnen wiegt, geizt selbst der 122-PS-Topbenziner mit 5,3 Litern auf dem Prüfstand.

Fast noch empfehlenswerter ist der 105-PS-Diesel, der sehr rund und ruhig läuft, schon aus dem Drehzahlkeller gut anzieht und wenig mehr als die versprochenen 3,9 Liter je 100 Kilometer fordert. Die 5-Gang-Handschaltung lässt sich präzise bedienen, das optionale und bewährte 7-Gang-DSG-Getriebe wäre aber sicher in Erwägung zu ziehen. So oder so lässt sich feststellen: Ja, das Auto fährt. Mehr noch: Es fährt sich selbst auf löchriger Fahrbahn sehr angenehm und nimmt Kurven recht munter.

Insbesondere die Ostmärkte sollen den Rapid zum Bestseller nach dem Octavia machen, in der Schweiz liegen die Erwartungen indessen eher tief. Stufenhecke sind selbst bei «Hauptsache es fährt»-Kunden wenig beliebt, auch wenn der Rapid mit seiner riesigen Heckklappe als 5-Türer durchgeht. Daran liegts aber nicht, dass meine Freundin kein Interesse hat: «Skoda? Nicht meine Marke.» Für alle, die ähnlich denken, rollt der Rapid auch mit Seat-Image vom Band. Die spanische Version namens Toledo dürfte ähnlich einfach, praktisch, gut sein – und fahren.

Nina Vetterli fuhr den neuen Skoda Rapid am 25./26. Juli auf Einladung der AMAG von Wien nach Bratislava. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.08.2012, 04:21 Uhr

Skoda Rapid

Kategorie: 5-türige Kompaktlimousine mit bis zu 5 Plätzen.

Masse: Länge 4483 mm, Breite 1706 mm, Höhe 1461 mm, Radstand 2601 mm.
Kofferraum: Von 550 bis 1490 Liter.
Motor: Drei 4-Zylinder-Benziner mit 86 bis 122 PS (63 bis 90 kW), ein 4-Zylinder-Diesel mit 105 PS (77 kW).
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 9,5 bis 11,8 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit von 183 bis 206 km/h.

Verbrauch: 3,9 bis 5,3 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangabe).
CO2-Ausstoss: 104 bis 124 Gramm/Kilometer.
Markteinführung: Ende 2012.

Preis: noch nicht bekannt.

Infos: www.skoda.ch

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