Mit Verspätung, aber nicht ohne

Durch die Produktionsverzögerung hat der neue Mondeo seinen Vorsprung auf den VW Passat verspielt. Doch in mancher Hinsicht ist der Ford die bessere Wahl.

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«Good things come to those who wait», sagen sie in den USA. Aber was wissen die in den USA schon übers Warten? Seit fast zwei Jahren fährt der neue Ford Mondeo als Fusion über amerikanische Strassen. Die Markteinführung in Europa wurde durch die Verlegung der Produktion vom belgischen Gent ins spanische Valencia dagegen immer wieder verzögert, und in Europa kennen wir schliesslich noch andere Redewendungen. Etwa, dass Warten nichts weiter bringt, als dass man dabei älter wird. Dass es ein sicheres Mittel ist, um den Leuten böse Gedanken in den Kopf zu setzen. Und dass den, der zu spät kommt, das Leben bestraft. Wobei das Leben in diesem Fall ruhig auch als VW Passat bezeichnet werden darf.

Wäre die fünfte Generation des Mondeo schon 2013 lanciert worden, hätte sie einen Vorsprung auf die achte Generation ihres grössten Widersachers gehabt. Man hätte noch gestaunt über die adaptiven LED-Scheinwerfer, den Kollisionsassistenten mit Fussgängererkennung, das digitale Cockpit und den intuitiv bedienbaren Touchscreen, über den sich zahlreiche Smartphone- Applikationen steuern lassen. Man hätte auch den Hybridantrieb innovativ gefunden, statt zu bemerken, dass VW sogar einen Plug-in-Hybrid mit 50 Kilometer elektrischer Reichweite verbaut. Die üppigen Platzverhältnisse hätten einen beeindruckt, nun stellt man aber fest, dass der Passat Variant bis zu 1780 Liter fasst, der zehn Zentimeter kürzere Mondeo Turnier jedoch 1630 Liter. In anderen Worten: Man wäre – bevor man fast zwei Jahre älter geworden ist – ohne böse Gedanken zum Testtermin nach Malaga gereist.

Lust am Kurvenfahren

Doch manchmal haben Verzögerungen auch Vorteile. Vor allem, wenn es sich um die Verzögerung des Winters handelt. Wer will schon kühle Vergleiche anstellen, wenn in Malaga die Sonne scheint, das Thermometer fast 30 Grad anzeigt, die von Ford etwas haben, was sie Integrallenker-Hinterachse nennen und die Spanier die passenden Kurven dazu? Weil die neue Fahrwerkskonstruktion das Einlenken unterstützt, ist der Mondeo viel fahrdynamischer, als man es von einer 4,78 Meter langen, trotz Leichtbaumassnahmen 1,6 Tonnen schweren Mittelklasselimousine erwarten würde. Der 2-Liter-Diesel mit seinen 180 PS und 340 Newtonmetern Drehmoment erlaubt flüssiges Fahren, ohne dass man die 6-Gang-Handschaltung vor und nach jeder Kurve bedienen müsste.

Und dank der neuen Ford-Designsprache, die im Rückspiegel des Vordermanns nach Aston Martin aussieht, räumt sich die Spur praktisch von allein. An einem nebligen Montagmorgen mag man sich daran stören, dass das Passat-Interieur vergleichsweise edler anmutet, doch an einem Tag wie diesem ist der Mondeo die lustvollere Wahl – kein Sportwagen, aber auch kein nüchternes Geschäfts- und Familienauto.

Gurt-Airbags im Fond

Allzu schnell vergisst man da die Konkurrenz und vielleicht auch ein wenig sich selbst, darum muss man nicht lange warten, bis dann von der Seite die Bitte nach einem gemütlicheren, sprich magenschonenderen Fahrstil kommt. Doch gemütlich bedeutet nicht spass-, es bedeutet vor allem stressbefreit. Der Diesel ist geschmeidig und hält sich akustisch vornehm zurück – vornehmer noch als die Selbstzünder der inzwischen ja vergessenen Konkurrenz –, und auch der 1,5-Liter-Eco-Boost-Benziner mit 160 PS gefällt durch seine Laufruhe. Wer das 2300 Franken teure Titanium- Ultimate-Pack mit Totwinkelwarner und adaptivem Tempomat bestellt, erhält zudem eine variable Dämpferregelung, um das Fahrwerk noch betonter auf Sport oder Komfort abzustimmen. Die Beinfreiheit in der zweiten Sitzreihe ist durch den verlängerten Radstand grosszügig, hinzu kommt ein Sicherheitsfeature, über das man heute noch staunen kann: Airbags in den Gurten der Fondpassagiere – das gibt es sonst nur in der Mercedes S-Klasse.

Das Ende des Wartens beginnt im Januar mit modernen 4-Zylindern, die zwischen 115 und 240 PS leisten, gegenüber dem Vorgänger bis zu 14 Prozent weniger verbrauchen und ihre Kraft optional über ein Automatikgetriebe (Benziner) oder eine Doppelkupplung (Diesel) übertragen. Der Basisdiesel startet bei 35'300 Franken; der 160-PS-Benziner in der höheren Titanium-Ausstattung inklusive Touchscreen, Spurhalte- Assistent, Tempomat und Verkehrszeichenerkennung bei 39'800 Franken. Ebenfalls ab Marktstart erhältlich ist der 177 PS leistende, auf der Technik des Toyota Prius beruhende Hybrid. Er soll hierzulande einen Verkaufsanteil von acht Prozent erzielen – was sehr ambitioniert erscheint, zumal der Elektro- Benziner ausschliesslich in der unliebsamen Stufenheckversion erhältlich ist. Die übrigen Limousinen zeigen ein weitaus eleganteres Fliessheck; rund zwei Drittel aller Kunden werden aber ohnehin zum Kombi greifen, der lediglich 1000 Franken Aufpreis kostet.

Warten auf Allradantrieb

Die breite Auswahl an Versionen, das ausgesprochen faire Preis-Leistungs-Verhältnis, die praktischen wie emotionalen Werte und modernen Assistenzsysteme dürften die meisten bösen Gedanken verfliegen lassen. Aber noch nicht ganz alle, denn bis der neue Mondeo als Allradler ausgeliefert wird, gilt es noch mindestens ein halbes Jahr zu warten – und wer in der Schweiz mit Allradantrieb zu spät kommt, den bestraft bekanntlich auch mal der Winter.

Nina Vetterli fuhr den neuen Mondeo am 22./23. Oktober auf Einladung der Ford Motor Company Switzerland in Spanien.

Erstellt: 27.10.2014, 16:08 Uhr

Ford Mondeo 2.0 TDCI

Modell: Limousine/Kombi mit 5 Plätzen.
Masse: Länge max. 4867 mm, Breite 1852 mm, Höhe max.1501 mm, Radstand 2850 mm.
Kofferraum: 654–1446 Liter (Limousine), 755–1585 Liter (Kombi).
Motoren: 2,0-Liter-4-Zylinder-Turbodiesel mit 180 PS (132 kW).
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 8,3 bis 8,6 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von 218 bis 220 km/h.
Verbrauch: 4,3 bis 5,0 Liter/100 Kilometer.
CO2-Ausstoss: 114 bis 130 Gramm/Kilometer.
Markteinführung: Ab Januar 2015.
Preise: ab 38'900 Franken, Basismodell ab 35'300 Franken.
Info: www.ford.ch

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