Sonne, Strand und mehr

Peugeot will in der oberen Mittelklasse wieder glänzen. Der geliftete 508 fährt selbstbewusster, sparsamer und mit mehr Hightech vor.

Peugeot hat den 508 mit einem aufrechter stehenden Kühlergrill und einer neuen Lichtsignatur aus insgesamt 44 LEDs aufgewertet. Fotos: Peugeot

Peugeot hat den 508 mit einem aufrechter stehenden Kühlergrill und einer neuen Lichtsignatur aus insgesamt 44 LEDs aufgewertet. Fotos: Peugeot

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Der Himmel stahlblau, das Meer türkisfarben, das Thermometer über 30 Grad und weit und breit keine Sangria-Eimer mit Strohhalmen – die berühmteste Ferieninsel Spaniens präsentiert sich so wie man sie eben kennt, wenn man sie nicht nur aus RTL-Sendungen kennt. Auch beim Peugeot 508 hat sich scheinbar nicht viel geändert. Das 2011 lancierte Mitteklassemodell war schon zuvor elegant; die ab sofort erhältliche modernisierte Auflage mutet einfach noch ein bisschen eleganter an. Ein klassisches Facelift, denkt man. Der Testbericht ist gedanklich schon geschrieben. Man freut sich auf einen Quasi-Ferientag auf den Balearen.

«Mehr als ein Facelift»

Doch dann geht es zur Pressekonferenz, und dort heisst es: «Mehr als ein Facelift», «mehr Charakter», «mehr Technologie», «mehr Fahrvergnügen», «mehr Oberklasse-angehaucht» und «mehr Statussymbol». Man ist beeindruckt. Weniger vom Inhalt des Gesagten denn vom «mehr». Wohlgemerkt, man hat noch nicht so viel Sonne abgekriegt, um es mit dem zu verwechseln, was da draussen so verführerisch türkisfarben schimmert, doch man hört es mindestens so viel wie es dort Sand gibt.

Die Botschaft der Franzosen ist eindeutig: Der bisherige 508 war zu wenig attraktiv. Zu wenig «Premium», wie es die Deutschen ausdrücken würden. Und zu wenig erfolgreich. Peugeot, traditionsreichster Autohersteller der Grande Nation und in jüngerer Zeit eher für kleine Autos und kleine Absätze bekannt, will in der oberen Mittelklasse wieder glänzen. So wie frühere Baureihen mit einer 5 oder 4 im Namen.

Bequem, ruhig, komfortabel

Man hatte es zuvor, als man sehnsüchtig auf das Türkisfarbene schielte, kaum bemerkt, aber bei genauerem Hinsehen wird der Oberklasseanspruch auch im Design deutlich: Der künftig markentypische Kühlergrill steht aufrechter im Wind, das Löwenlogo ist selbstbewusst in die Mitte gerückt. Die Motorhaube wurde flacher, die Leuchtsignatur mit Voll-LED-Technik prägnanter gestaltet und die Silhouette ein wenig gestreckt. Mit 4,83 Metern ist der als Limousine und Kombi erhältliche Wagen eine imposante Erscheinung – kein Vergleich zu den vielen Panda- und Corsa- Mietwagen, die hier zu Tausenden über die Insel wuseln. Oder besser gesagt mit nervtötender Gleichgültigkeit über die gewundenen, ohne jede Möglichkeit zum Überholen versehenen Bergsträsschen schleichen.

Das erklärt auch, warum weder der 165 PS starke 1,6-Liter-Benziner noch der 204 PS und bis zu 450 Newtonmeter zur Verfügung stellende 2,2-Liter- Diesel «mehr Fahrvergnügen» unter Beweis stellen können. Umso mehr lassen sich aber die Reisequalitäten des Gefährts schätzen. Die Bequemlichkeit der Sitze. Die Laufruhe der beiden neuen, Euro-6-konformen Triebwerke. Die vorzügliche Geräuschdämmung. Das nicht zu harte und nicht zu weiche Fahrwerk. Und das optionale Automatikgetriebe, das sich zwar mit sechs Gängen begnügt, diese aber stets passend zur Fahrsituation bereitstellt. Sie hatten es auf der Pressekonferenz nicht erwähnt, aber der neue 508 bietet auch «mehr Komfort».

Weniger CO2, weniger Knöpfe

Beim Spritkonsum gilt indessen «weniger ist mehr». Der Diesel-Hybrid erzielt auf dem Prüfstand rekordverdächtig tiefe Werte von 3,3 Litern und 85 Gramm CO2 je Kilometer; selbst das Toptriebwerk kommt theoretisch mit 5,5 Liter Diesel aus und vermeldet während der (Schleich-)Fahrt nicht viel mehr. Gespart wurde zudem bei der Gestaltung des Cockpits, denn «mehr Oberklasseangehaucht » erfordert heutzutage weniger Knöpfe. Zentrales Bedienelement ist jetzt ein sieben Zoll grosser Touchscreen, über den sich das neue, mit modernen Connectivity-Apps aufgewertete Infotainmentsystem intuitiv betätigen lässt. Hinzu kommen ein optionales, allerdings nicht an die Front- sondern auf eine kleine Plexiglasscheibe projiziertes Head-up-Display, eine Rückfahrkamera sowie ein Toter-Winkel-Warner.

Und was die Platzverhältnisse im Fahrzeug anbelangt: Der grosszügige Innenraum wirkt luftig, und das Gepäckabteil des Kombis fasst 560 bis 1598 Liter. Irritierend ist bloss, dass der rund 25 Zentimeter kürzere Kombi des Kompaktmodells 308 – Sie ahnen schon, welches Wörtchen jetzt zum Einsatz kommt – mehr bietet.

Woher denn überhaupt die Zuversicht kommt, mit dem «mehr als gelifteten» Mittelklassewagen auch mehr Absatz zu generieren? Aus Fernost. Das für Europa in Rennes gefertigte Modell hat in China einen zweiten Produktionsstandort. Seit 2013 ist das Reich der Mitte mit über einem Drittel aller weltweit produzierten 508 sogar der wichtigste Absatzmarkt überhaupt. Aber auch in der Schweiz, wo der stattliche Peugeot im letzten Jahr nur gerade auf 639 Einheiten kam, während der VW Passat fast sechsmal so viele Käufer fand, könnte der edlere, sparsamere, modernere und mit einem Basispreis von 31'200 Franken durchaus attraktive Franzose eine Alternative zum deutschen Establishment sein.

Einen Tag mit dem neuen Peugeot 508 durch Mallorca zu fahren hat jedenfalls Lust auf Meer gemacht. Steht da wirklich Meer? Pardon, ein Tippfehler: Es sollte natürlich «mehr» heissen.

Nina Vetterli fuhr den neuen 508 am 15./16. September auf Einladung der Peugeot Suisse SA auf den Balearen.

Erstellt: 19.09.2014, 16:34 Uhr

Peugeot 508 SW

Modell: 5-türiger Kombi mit 5 Plätzen.
Masse: Länge 4830 mm, Breite 1828 mm, Höhe 1487 mm, Radstand 2817 mm.
Kofferraum: 560 bis 1598 Liter.
Motor: Zwei 4-Zylinder-Benziner mit 120 und 165 PS, drei 4-Zylinder-Diesel mit 150 und 204 PS, ein Diesel-Hybrid mit 163 + 37 PS.
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 8,2 bis 11,5 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von 203 bis 234 km/h.
Verbrauch: 3,3 bis 6,2 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangabe).
CO2-Ausstoss: 85 bis 144 Gramm/Kilometer.
Markteinführung: ab sofort.
Preise: ab 31'200 Franken.
Info: www.peugeot.ch

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