Kein Blender

Der neue Skoda Kodiaq gaukelt nicht mehr vor, als er tatsächlich ist – kein aufregendes, aber ein nahezu perfektes Familienauto.

Egal, ob Sand oder Regen: Dank serienmässigem Allradantrieb fährt man mit dem neuen Skoda Kodiaq immer auf der sicheren Seite. Foto: Dieter Liechti

Egal, ob Sand oder Regen: Dank serienmässigem Allradantrieb fährt man mit dem neuen Skoda Kodiaq immer auf der sicheren Seite. Foto: Dieter Liechti

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Eigentlich hatte ich ein wenig Bedauern mit den Tschechen, als ich letzte Woche auf Palma de Mallorca den Schlüssel für die Probefahrten mit dem neuen Skoda Kodiaq (der Kodiak ist eine Unterart des Braunbären) in Empfang nahm – es regnete in Strömen. Und das ausgerechnet dann, wenn die brave, aber erfolgreiche VW-Tochter eine Neuheit nicht in der Heimat rund um Mlada Boleslav präsentierte, sondern – so der Plan – unter der Herbstsonne auf den Balearen. Doch das Wetter tat der Begeisterung im Skoda-Team keinen Abbruch.

Vor der Fahrt wurde mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass «das moderne Autodesign des Kodiaq die traditionell gewachsene Designkunst Tschechiens verkörpere». Gemeint waren vor allem der sogenannte 3-D-Frontgrill, die eckigen Radhäuser und die «Augenbrauen» um die Frontscheinwerfer.

Auf Basis des VW Tiguan

Stimmt, das sieht alles okay aus. Aber da ich mich bei der Designkunst Tschechiens nicht auskenne und böhmisches Glas oder Kristall meine Geschmacksnerven nicht im Geringsten berühren, kann ich die obige Aussage nicht beurteilen. Doch als ich während der Fahrt durch den strömenden Regen über tschechisches Design grübelte, kamen mir zwei Trickfilmfiguren aus meiner Kindheit in den Sinn, die bestens in den Skoda Kodiaq passen würden – Lolek und Bolek.

Die braven Brüder aus dem Osten erlangten in den 70er- und 80er-Jahren mit ihren politisch korrekten Abenteuern Starstatus. Auch im Westen. Aber, so ein Pech, Lolek und Bolek stammen aus der Feder eines polnischen Zeichners. Also passen sie nicht in meine Geschichte? Irgendwie doch. Schliesslich basiert der tschechische Kodiaq ja auch auf einem deutschen Produkt – dem VW Tiguan. Also weg vom Design und persönlichen Geschmack, hin zu den messbaren Fakten.

Zwischen Tiguan und Touareg

Und die haben es – wie bei fast jedem Skoda der Neuzeit – in sich. Denn die Ingenieure in Mlada Boleslav haben sich nicht damit begnügt, dem Wolfsburger Original tschechische Mode überzuziehen, sondern sie haben das Fahrzeug auch verlängert und positionieren den Neuling taktisch klug zwischen zwei Segmenten. Mit einer Länge von 4,7 Metern platziert sich der Kodiaq zwischen VW Tiguan (4,48 Meter) und VW Touareg (4,8 Meter). Und: Als erstes Konzernmodell diesseits des teuren Audi Q7 gibt es beim Kodiaq auch die Option auf sieben Sitze. Sieben Sitze auf knapp 4,7 Metern?

Was auf dem Papier fast unmöglich erscheint, klappt bei der Probefahrt: Weil sich die zweite Sitzreihe um 18 Zentimeter verschieben lässt, klettere selbst ich einigermassen elegant auf die Plätze 6 und 7. Doch während die dürren Lolek und Bolek dort hinten neue Streiche aushecken könnten, möchte ich keinesfalls länger als nötig verweilen. Wer statt «zusätzlichen» Kindern lieber Koffer mitnimmt, kommt selbst bei einer 5er-Besetzung ins Staunen: «Mit 720 bis maximal 2065 Litern bieten wir das grösste Ladevolumen dieser Klasse», bestätigt Entwicklungsvorstand Christian Strube.

Und weil Skoda den Slogan «Simply Clever» noch immer am Leben erhält, versteht es sich, dass der vorhandene Raum auch clever genutzt wird. So gibt es einen doppelten Ladeboden, den man für den Transport dreckiger Gegenstände wenden kann. Die obligatorische Taschenlampe fährt mit, und eine Ablage für die Kofferraumabdeckung, die nun mittels angedeutetem Fusstritt elektrisch auf und zu schwingt, ebenso.

Eher Koala als Kodiak

Apropos elektrisch: Bei den Motoren müssen sich Kodiaq-Käufer vorerst mit vier traditionellen Motorisierungen begnügen. Zwei Diesel und zwei Benziner decken ein Spektrum von 150 bis 190 PS ab, je nach Version mit einem manuellen Schaltgetriebe oder einem automatischen DSG-Doppelkupplungsgetriebe. Im von mir gefahrenen Topmodell mit 190-Diesel-PS und 7-Gang-DSG überzeugte die Kombination von A bis Z. Das bewährte Duo arbeitet im Kodiaq so unauffällig, dass einem fast ein bisschen langweilig wird, zumal das komfortable Fahrwerk ebenfalls kaum Einflüsse von aussen spüren lässt. Daran ändern auch die auf Knopfdruck wählbaren Fahrmodi wenig. Denn auch wenn der Kompakt- SUV auf «Sport» getrimmt wird, bleibt er ein gutmütiges, unaufgeregtes Alltagsauto. Also eher verschmuster Koala als ein gefährlicher Kodiak.

Wer seinen Spieltrieb trotz den vielen Assistenten und dem bewährten Antrieb beim Autofahren befriedigen will, der könnte – würde er auf der Kodiak-Insel in Alaska leben –, dank serienmässigem Allradantrieb und ein paar Zentimetern mehr Bodenfreiheit auch Offroad nach Nervenkitzel suchen. Alle andern freuen sich über den grossen Touchscreen mit jeder Menge neuen Onlinefunktionen. So fährt zum Beispiel Google Earth und Google Streetview mit, man sieht den Verkehr in Echtzeit, kann sich Nachrichten oder Wetterberichte ins Auto holen und sich von seiner Skoda-App sogar den Tag planen und die Zeit managen lassen.

Er punktet mit inneren Werten

Wem das nicht reicht, der sucht die 30 neuen «Simply Clever»-Ideen. Denn wer dachte, den Skoda-Tüftlern fällt nach dem Eiskratzer im Tankdeckel und den Regenschirmen in den Türen nichts Neues mehr ein, hat sich getäuscht.

Der automatisch ausfahrende Türkantenschutz oder die sogenannte Schlafkopfstütze, aus der man zwei seitliche Polster herausdrehen kann, die den Kopf der müden Passagiere halten und schützen, sind keine Spielerei. Fazit: Trotz den grossen Worten, mit denen das Design des Kodiaq beschrieben wird, punktet der Neuling wie erwartet mit seinen inneren Werten. Also keine Liebe auf den ersten Blick, aber ein Bund fürs (Familien)-Leben.

Dieter Liechti fuhr den neuen Kodiaq am 14. November auf Einladung von Skoda- Importeur Amag in Spanien.

Erstellt: 21.11.2016, 11:47 Uhr

Skoda Kodiaq 2.0 TDI Style

Alleskönner mit Allradantrieb

Kategorie Kompakt-SUV mit bis zu 7 Sitzen
Masse Länge 4697 mm, Breite 1882 mm, Höhe 1676 mm, Radstand 2791 mm
Kofferraum 720 (5 Plätze) bis 2065 Liter
Motoren 2-Liter-4-Zylinder-Turbodiesel mit 190 PS (140 kW)
Fahrleistungen 0 bis 100 km/h in 8,9 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
Verbrauch 5,7 Liter auf 100 Kilometer
CO2-Ausstoss 151 Gramm/ Kilometer
Preis ab 44’300 Franken
Markteinführung März 2017


Infos: www.skoda.ch

Platzwunder: Der Kodiaq fasst sieben Personen oder maximal 2065 Liter. Foto: Skoda

Perfekte Ergonomie, XL-Touchscreen. Foto: Skoda

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