Praktiker für die ganze Familie

Der neue Citroën Berlingo und der Opel Combo Life bieten nahezu baugleiche Familientauglichkeit. Der eine mags eher bieder, der andere eher frech.

Bietet Platz ohne Ende: Der Opel Combo Life. Foto: PD

Bietet Platz ohne Ende: Der Opel Combo Life. Foto: PD

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An einem kleinen Detail im ­Innenraum lässt sich schon gut erkennen, für welche Zielgruppe der Opel Combo Life und der ­Citroën Berlingo vorwiegend konzipiert wurden: Über dem Innenspiegel an der Frontscheibe haben die Entwickler einen zusätzlichen, kleinen Spiegel installiert, mit dem sich das Treiben auf der Rückbank gut im Blick behalten lässt. Vater oder Mutter am Lenkrad, wahlweise auch die Grosseltern oder der Götti – sie alle haben über den zusätzlichen Spiegel den Nachwuchs in der zweiten Reihe zumindest optisch stets unter Kontrolle. Schade nur, dass der kleine Kontrollassistent nicht serienmässig vorgesehen ist, sondern extra kostet.

Ansonsten aber haben die ­Ingenieure bei der Entwicklung der beiden nahezu baugleichen Autos auf eine möglichst maximaleFamilientauglichkeit bereits ab Werk geachtet. So bieten die Hochdachkombis vor allem eines: Platz ohne Ende. Bei umgeklappter Rücksitzbank bietet Combo wie Berlingo 2126 Liter Fassungsvermögen. Bleibt die Bank, wie sie ist, lassen sich immer noch 597 Liter Gepäck ­verstauen. Und diese Werte gelten nur für die 4,40 Meter lange Standardversion der beiden Brüder.

Es gibt aber auch noch eine XL-Ausgabe mit einer Länge von 4,75 Metern. Da ist mehr als ­genügend Stauraum – entweder fürs Gepäck oder für zwei ­weitere Mitfahrer, sofern die aufpreispflichtigen Zusatzsitze für die dritte Reihe geordert werden. Die gibt es zwar auch für die ­Combo- und Berlingo-Varianten mit kurzem Radstand, bequemer ist es allerdings für alle Beteiligten, wenn man sich bei drei Sitzreihen für das längere Familien­mobil entscheidet.

Gemeinsam entwickelt

Ausdrücklich zu loben ist das Klappkonzept für die Sitze in der zweiten Reihe, denn sie senken sich beim Umklappen automatisch etwas in Richtung Fussraum ab, sodass eine nahezu ebene und gut nutzbare Lade­fläche entsteht. In Internetforen äussert sich so manches Familienoberhaupt zudem begeistert davon, dass auf der breit angelegten Rückbank drei ­Kindersitze nebeneinander Platz finden, ohne dass man diese aufwendig ineinander verweben oder verschachteln müsste wie bei so manch klassischem, schmaler geschnittenem Kombi.

Grosse Unterschiede ­zwischen den beiden Modellen lassen sich ohnehin kaum feststellen, schliesslich hat die Citroën-­Mutter PSA den Familienwagen zusammen mit Opel entwickelt – und zwar lange bevor die Franzosen die Übernahme der deutschen Traditionsmarke angepeilt hatten. Das Vorgängermodell hatte Opel noch zusammen mit Fiat gebaut, damals basierte der Combo auf dem Fiat Doblo. Nun also machen die Rüsselsheimer mit den Franzosen gemeinsame Sache. Letztere steuern neben dem Citroën Berlingo auch den Peugeot Rifter bei. So kann jede Marke eine Familienkutsche anbieten. Die Unterschiede zwischen den drei Autos indes sind minimal.

Feine Unterschiede

So lassen sich zum Beispiel im Innenraum des Opel einige Schalter ausmachen, die im Citroën an anderer Stelle angeordnet sind. Und auch die Ablagemöglichkeiten sind im einen Fahrzeug leicht anders konzipiert als im anderen; dennoch bieten beide Autos auch in dieser Hinsicht mehr als genug Stauraum für ­Warnwesten, CD-Sammlung, Autoatlanten sowie die Kuscheltücher, -decken und -tiere der Fondpassagiere.

Äusserlich wiederum wurde versucht, zumindest die Frontpartie den jeweiligen Marken­stilen anzugleichen: Der Opel kommt betont sachlich, mit einem gewissen Handwerker-Charme fast schon etwas bieder daher, der Citroën hingegen weist die von anderen Modellen bekannten Elemente wie den schmalen Kühlergrill und die schlitzäugigen Frontscheinwerfer auf. Wer die Autos hingegen von hinten oder der Seite betrachtet, kann eigentlich keinerlei Unterschied entdecken. Etwas klobig und äusserst kantig – das kommt einem als Erstes in den Sinn.

Unter dem Blech aber unterscheiden sich die Testfahrzeuge: Während beim Berlingo ein 110 PS starker 1,2-Liter-Turbobenziner mit 6-Gang-Schaltgetriebe werkelte, wurde der Opel Combo von einem 1,5-Liter-Diesel mit 130 PS und 8-Gang-Automatik angetrieben (beide mit der Abgasnorm Euro 6d-Temp).

Betont sachlich: Der Citroën Berlingo. Foto: PD

Fahrdynamisch hatte der Opel auch dank der Automatik leicht die Nase vorn, er beschleunigte etwas zügiger und fuhr sich flüssiger. In den Kurven kamen ­beide Modelle relativ rasch an ihre Grenzen, da sie beide ziemlich weich gefedert sind und sich bei schneller Kurvenfahrt merklich zur Seite neigen.

Beim Verbrauch wiederum hatte der Combo einen leichten Vorteil gegenüber dem Berlingo-Benziner: Der Diesel im Opel schluckte bei den Testfahrten in und um München auf 100 Kilometer knapp 6,7 Liter, der Benziner im Berlingo verlangte nach etwas mehr als 6,9 Liter auf 100 Kilometer.

Preislich liegen die beiden Fahrzeuge eng beieinander: Der günstigste Combo Life steht mit mindestens 20'900 Franken in der Preisliste, mit dem gefahrenen 130-PS-Diesel und der 8-Gang-Automatik schlägt er mit rund 26'700 Franken zu Buche. Für den günstigsten Berlingo verlangen die Citroën-Händler 21'300 Franken.

Erstaunlich leise

Erfreulich: Sowohl der Combo wie auch der Berlingo belästigen ihre Insassen mit erstaunlich wenig Lärm, der Benziner noch einen Tick weniger als der Selbstzünder. Selbst bei höherem Tempo blieb der Geräuschpegel im Innenraum angenehm niedrig.

Es kann also gut sein, dass beim Familienausflug das Gequengel von der Rückbank künftig etwas lauter erscheint als in den Autos, mit denen man bislang unterwegs war. Wer herausfinden will, was los ist da hinten: Ein Blick in den Kontroll­spiegel genügt.

Erstellt: 20.05.2019, 17:46 Uhr

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