Premium für die Familie

Der neue 2er Gran Tourer läutet für BMW ein neues Zeitalter ein und beweist: Die Bayern können auch das praktische Familienauto mit bis zu sieben Plätzen bauen.

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Dieses Auto bedeutet das Ende der lange gehegten Firmenkultur. Damit ist der Premiumanspruch dahin. Und der immer so verschmähte Vorderradantrieb sowie die Dreizylindermotoren bringen das Fass komplett zum Überlaufen: So ungefähr tönte es vergangenes Jahr lauthals, als BMW mit dem 2er Active Tourer den ersten Van aus Eigenproduktion präsentierte und im Herbst 2014 auf den Markt brachte. Vornehmlich die deutschen Automobiljournale verkündeten für den bayerischen Premiumhersteller den Anfang vom Ende. Heute, ein halbes Jahr später, sind diese Unkenrufe verstummt. «Zumindest grösstenteils», wie Peter Krist mit viel Genugtuung feststellt: «Seit dem Verkaufsstart im Oktober 2014 haben wir rund 33 000 Active Tourer verkauft. Das Auto geht weg wie warme Semmeln», freut sich der für die Van-Baureihe verantwortliche Projektleiter bei BMW.

Platz für sieben Passagiere

Baureihe deshalb, weil Krist und sein Team im kommenden Juni quasi noch zusätzlich die «Langversion» des Active Tourer an den Verkaufsstart rollen. Die um rund 21 Zentimeter längere und 5 Zentimeter höhere Grossraumlimousine heisst 2er Gran Tourer. Auf gleicher Basis wie der Active Tourer aufgebaut, mit quer eingebauten Frontmotoren, bietet sie auf kompakten 4,56 Metern Länge alle für ein Familienauto wichtigen Eigenschaften. Denn dank dem Längenzuwachs erhält der Kunde auf Wunsch eine dritte Sitzreihe. Da findet selbst die siebenköpfige Grossfamilie genug Platz. Und wenn sie nicht gebraucht wird, verschwindet sie auf Knopfdruck. Damit alle Habseligkeiten von Gross und Klein untergebracht werden können, hat BMW den Gran Tourer ausserdem mit einem bis 1905 Liter Fassungsvermögen bietenden Kofferraum und mit allen erdenklichen Staufächern, Gummizügen, Haltenetzen sowie Schubladen ausgestattet. Da sich die zweite Sitzreihe um bis zu 13 Zentimeter verschieben lässt, wird der Fussraum auch für erwachsene Passagiere nie zu knapp. Und sollte es mal hart auf hart kommen, können laut BMW bis zu 6 (!) Kindersitze montiert werden. Was den praktischen Nutzen des Gran Tourer als Familienfahrzeug anbelangt, hat BMW nichts ausgelassen und sich bei erfolgreichen Mitbewerbern wie dem VW Touran oder dem Ford C-Max Inspiration geholt, wie Baureihenchef Peter Krist unverblümt eingesteht: «Besonders stolz bin ich aber auf unser Design, das meines Erachtens am dynamischsten ist.» Tatsächlich bleibt der Blick immer wieder am scharf gezeichneten Blechkleid des Gran Tourer hängen. Die Schwerfälligkeit der Kastenformate anderer Grossraumlimousinen geht ihm ab. Und das Interieur erfüllt die Premiumansprüche erwartungsgemäss. Ein noch grösseres Verkaufsargument dürfte darüber hinaus die Tatsache sein, dass BMW die neue Grossraumlimousine schon zum Verkaufsstart als Allradversion anbietet. Dass der Gran Tourer vor allem in Europa und China, aber nicht in den USA für Umsatz sorgen soll, erstaunt nur im ersten Moment. «Mit seinen kompakten Abmessungen wäre er für den amerikanischen Markt trotz dem grossen Platzangebot ein Kleinwagen», erklärt Krist. Deshalb denke man nicht daran, den im BMW-Werk in Regensburg gebauten 2er Gran Tourer nach Übersee zu exportieren. Die Frage, ob dereinst ein grösserer Van der 4er-Baureihe diese Aufgabe übernehmen könnte, bleibt vorerst unbeantwortet.

Premium – auch bei den Extras

Im 220d xDrive arbeitet ein Zweiliter- Vierzylinder-Diesel laufruhig unter der Haube. Er treibt das rund 1,6 Tonnen schwere Gefährt mit Achtgang-Automatikgetriebe, 190 PS und 400 Newtonmetern Drehmoment in allen Fahrsituationen zügig voran. Damit werden auch die Ansprüche sportlich ambitionierter Familienväter und -mütter erfüllt. Die Topversion der Selbstzünder soll laut BMW zudem mit einem Normverbrauch von knapp 5 Litern das Familienbudget schonen. Die gute Strassenlage und die leicht erhöhte Sitzposition geniesst man aber auch im mit 192 PS stärksten Benziner, dem 220i mit reinem Frontantrieb. Und dessen befürchteten Einflüsse auf die Lenkung? Die sind auf der ganzen Probefahrt beim besten Willen nicht zu spüren. Hat BMW bei der neuen Tourer-Baureihe also alles richtig gemacht? Der Starterfolg des Active Tourer und die ersten Eindrücke des Gran Tourer machen ganz den Anschein. Verliert BMW mit den beiden Familienautos nun trotzdem wie befürchtet an Exklusivität? Das darf bezweifelt werden. Denn auch wenn die beiden neuen Modelle zum grossen Teil auf das Familiensegment ausgerichtet sind, werden sie nicht für jedermann erschwinglich sein. Zwar beginnt die Preisliste für den 2er Gran Tourer in der Schweiz bei 38 100 Franken. Dafür bekommt die Familie aber «nur» die 216d-Basisversion mit dem 116 PS starken Dreizylinder-Diesel. Macht man dann noch auf der langen Extraliste bei Positionen wie dem Kofferraumöffner mit Bewegungssteuerung, der adaptiven Fahrwerks-Dämpfung, den Sportsitzen, der Lederausstattung oder beim Abstandstempomaten und beim Staupiloten ein Kreuz, wird der Gran Tourer – zumindest was den finalen Kaufpreis anbelangt – definitiv dem Ruf als Premiumfahrzeug aus Bayern gerecht. Thomas Borowski fuhr den 2er Gran Tourer am 24./25. April auf Einladung der BMW (Schweiz) AG in Kroatien.

Erstellt: 05.05.2015, 10:09 Uhr

BMW 2er Gran Tourer

Modell: 5-türige Grossraumlimousine mit bis zu 7 Sitzen.
Masse: Länge 4556 mm, Breite 1800 mm, Höhe 1641 mm, Radstand 2780 mm.
Kofferraum: 645 bis 1905 Liter.
Motoren: 2 Benziner und 3 Diesel mit 116 bis 192 PS (85-141 kW).
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 7,6 bis 11,1 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von 192 bis 223 km/h.
Verbrauch: 3,9 bis 6,4 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangabe).
CO2-Ausstoss: 104 bis 149 Gramm/Kilometer. Markteinführung: ab Juni 2015.
Preise: ab 38 100 Franken.
Info: www.bmw.ch

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