Ein Sportwagen aus Holz und Plastik

1964 präsentierte die kleine englische Sportwagenfirma Marcos das Modell GT, eine Flunder mit Vierzylindermotor, Kunststoffkarosserie und einem Chassis aus Sperrholz!

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Fast alle Sportwagenbauer der Sechzigerjahre setzten bei der Konstruktion ihrer Fahrgestelle auf Stahlrohre oder Stahlblech. Marcos aber baute das Chassis mit verleimten Sperrholzplatten aus 386 Einzelteilen. Aber nicht nur deshalb war der Marcos GT etwas Besonderes.

Design für ein halbes Jahrhundert

Die Gestaltung des Marcos GT, der bereits Marcos' dritter Wurf war, übernahm Dennis Adams, und das Ergebnis war eine Sensation bei der Fahrzeugpräsentation an der Racing Car Show in London im Jahr 1964.

Der Marcos GT war ultraflach und gleichzeitig etwa im Vergleich zu einem Lotus Elan relativ gross. 4,08 Meter Länge, 1,62 Meter Breite und 1,14 Meter Höhe ergaben eine dramatische und dynamische Erscheinung, unterstützt durch die lange Fronthaube mit den zweimal zwei unter Plexiglas angeordneten Scheinwerfern und einem kurzen Fastback-Heck.

Auf jeden Fall war der GT deutlich hübscher als seine Vorgänger. Tatsächlich war das Design so langlebig, dass sich selbst Nachfolgemodelle wie Mantula, Martina, Mantara und deren Nachkommen kaum vom 1964 vorgestellten GT unterschieden, und sogar Marcos-Fahrzeuge im neuen Jahrtausend atmeten noch die Design-DNA, die 50 Jahre früher erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wurde.

Holz statt Stahl

Beim Fahrgestell setzte man auf die bereits bewährte Holzkonstruktion, die den Vorteil hatte, dass sie mit minimalem Werkzeugaufwand in rund 35 bis 40 Stunden zusammengebaut werden konnte. Man war bei Marcos überzeugt, dass die Torsionssteifigkeit bei geringerem Gewicht mit vergleichbaren Stahlchassis mithalten konnte. Und dass man ab 1969 dann doch auf einen Rohrrahmen überging, hatte wohl nur fertigungstechnische Gründe.

An das Holzchassis wurden dann die mechanischen Teile angeschraubt, also Motoren von Volvo und Ford, sowie die Fahrwerkskomponenten. Die Karosserie wurde am Stück in Polyester gefertigt, die grosse und vollständig herunterklappbare Haube war natürlich separat.

In England wurde der Marcos wegen der Steuervergünstigungen gerne als Bausatz für 1485 Pfund angeboten, der fertige Wagen kostete in der Schweiz rund 20'000 Franken. Es gab mannigfaltige Optionen zu kaufen, so zum Beispiel Speichen- oder Magnesiumräder, ein Achtspurtonband, Sicherheitsgurten, Nebellampen, Rückfahrlampen, Lederausstattung, Überrollbügel sowie etwa zusätzliche Sitzkissen für kleinwüchsige Fahrer.

Liegend im Marcos 1600 GT

In kaum einem anderen Fahrzeug der Sechzigerjahre sitzt man so tief – mit dem Hintern nur wenige Zentimeter über der Strassenoberfläche – und so liegend wie in einem Marcos. Die ausgestreckten Füsse finden die Pedale weit vor dem Lenkrad. Die Sitze sind fest eingebaut. Um Pedale und Lenkrad optimal erreichen zu können, sind jene einstellbar. Die Fusspedalerie kann man mittels eines Drehknopfes am Armaturenbrett verschieben, für die Anpassung des Abstands zum Lenkrad allerdings sind umfangreichere Umbauten und eine Teildemontage des Armaturenbretts nötig. Selbst grosse Fahrer über 1,90 Meter finden Platz im flachen Sportwagen, keine Selbstverständlichkeit vor 50 Jahren und nicht zuletzt dem mit 1,95 Meter Länge überdurchschnittlich langen Designer Dennis Adams zu verdanken. Ist der Fahrer zu klein, muss er sich mit Sitzkissen, die man sogar ab Werk kaufen konnte, behelfen.

Der komplette Antriebsstrang stammt vom Ford Cortina, der Motor wurde von Marcos mit offiziell vom Ford Performance Center erhältlichen Teilen auf rund 100 PS gebracht.

Es brummt tüchtig

Im Innern wird es ab 120 km/h so richtig laut, was den echten Sportwagenfan kaum erschüttern dürfte. Der Motor bietet viel Durchzug und hängt gut am Gas. Das Fahrwerk gehört zur strafferen Sorte, hält aber zur Härte eines Morgans jener Zeit noch tüchtig Abstand. Insgesamt ist der Wagen ohne grosse Entbehrungen zu fahren.

Wer Volksaufläufe und neugierige Passanten scheut, die den auffälligen und wohltönenden Wagen gerne kennenlernen, der sollte wohl zu einem introvertierteren Fahrzeug greifen. Ein Marcos aber fällt immer auf!

Wer gerne einmal selber Marcos-Fahrzeuge genauer anschauen möchte, sei auf das Treffen der Kunststoffautos «Fantastic Plastic» (URL: //www.zwischengas.com/de/infos/fantastic-plastic-2014-treffen-der-kunststoffautos.html) verwiesen, welches dieses Jahr wieder am 17. Mai 2014 in Rain und im Verkehrshaus Luzern stattfindet. Marcos ist dieses Jahr anlässlich des 50. Geburtstags des Marcos GT als Ehrenmarke eingeladen.

Weitere Informationen zum Marcos 1600 GT finden sich auf www.zwischengas.com.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.05.2014, 17:45 Uhr

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