Elektrische Rolle rückwärts

Wie aus dem 90 Jahre alten Oldtimer Loryc ein neues Akku-Auto wird.

Der Deutsche Charly Bosch hat auf Mallorca die Marke Loryc als Stromer wiederbelebt. Fotos: Thomas Geiger

Der Deutsche Charly Bosch hat auf Mallorca die Marke Loryc als Stromer wiederbelebt. Fotos: Thomas Geiger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eigentlich hatte er nur keine Lust mehr, ständig den asthmatischen Vierzylinder seines über 90 Jahre alten Oldtimers zu reparieren. Doch seitdem der deutsche Auswanderer Charly Bosch auf Mallorca den Anfang der 20er-Jahre auf der Insel gebauten Loryc zum Elektromobil umgerüstet und darüber im Internet berichtet hat, steht sein Telefon nicht mehr still. Denn plötzlich ist alle Welt Feuer und Flamme für den Retro-Roadster und Bosch ist drauf und dran, Marke und Modell nach ewigen Zeiten mit einem neuen Elektrofahrzeug wieder zu beleben.

Nur rund 100 Autos gebaut

Allerdings muss er jedem, der ihn auf seinen offenen Zweisitzer mit der weissen Karosserie und den roten Speichenrädern anspricht, erst einmal eine kleine Vorlesung halten. «Denn Loryc – diese Marke kennt selbst auf Mallorca heute kaum mehr jemand.» Wie auch, wenn die 1920 gegründete Firma nur etwas mehr als 100 Autos gebaut hat, die industrielle Revolution und die Erfindung der Massenproduktion ihr bereits 1925 wieder den Garaus gemacht hat und es weltweit vielleicht noch ein Dutzend Fahrzeuge gibt? Also erzählt er die Geschichte von den Importeuren, die französische De Dion-Bouton auf die Insel holten und sich die Lizenz gesichert und 1920 mit dem Bau eigener Fahrzeuge begonnen hatten. Er berichtet vom Sieg eines Loryc bei der Huelta de Calatuna und von der Rekordrunde in Le Mans. Und dann erzählt er, wie er bei der Suche nach einem Ford-T-Modell auf Mallorca auf den Loryc gestossen ist. Wie er die Besitzer zum Verkauf überreden konnte, weil er ihnen versprach, dass der Wagen auf der Insel bleibt. Wie sehr er die ersten Ausfahrten genossen hat. Und wie genervt er war, als der Motor immer wieder den Geist aufgab.

Am fünften Tag gefahren

Da sei ihm die Idee gekommen, den Loryc auf einen Elektroantrieb umzurüsten. Denn Bosch, der mit dem gleichnamigen Auto-Spezialisten nicht verwandt ist, kennt sich mit Stromern besser aus als mit Verbrennern. Also stand er vier Tage und vier Nächte in der Werkstatt und ist am Morgen des fünften Tages zur Jungfernfahrt gestartet. «84 Kilometer ohne Probleme», erzählt Bosch und strahlt vor Freude. Das ist jetzt knapp zwei Jahre her, und seitdem hat der Loryc klaglos weitere 6000 Kilometer zurückgelegt. Dabei hat Bosch so viel positives Feedback bekommen, dass er seinen Oldtimer zur Vorlage für einen Neubau machen will. Die Namensrechte hat er sich bereits gesichert, und die Eckdaten für das Serienmodell stehen auch: Die Karosserie bleibt nah am Original, darunter gibt es einen stabilen Rahmen, bessere Bremsen als bei seinem Veteranen und auch ein bisschen mehr Power. Während Bosch sein Auto auf 65 km/h limitiert hat und nach knapp 100 Kilometern an die Steckdose muss, soll der Akku im Serienmodell mit 20 PS immerhin gut 100 km/h schaffen, und die Akkus sollen für mehr als 200 Kilometer reichen. «So kommt man an jeden Punkt der Insel – und wieder heim.»

Warten auf Markteinführung

Hätte man den Bosch vor ein paar Wochen nach den Eckdaten für sein Geschäftsmodell gefragt, dann hätte er noch von etwa 50000 Euro gesprochen, die der neue Loryc kosten soll. Er hätte mehrere hundert Autos im Jahr in Aussicht gestellt und die ersten Fahrzeuge noch für dieses Frühjahr versprochen. Doch mittlerweile ist er zurückhaltender geworden. Denn obwohl ihm bald 40 Zulieferer aus der Autoindustrie unter die Arme greifen und Geld für den Privatier eine Nebenrolle spielt, haben Bosch die Dimensionen des Projekts überrascht, und er ist mit seinen Vorhersagen etwas vorsichtiger geworden. «Das neue Auto kommt auf jeden Fall», sagt er zwar und bittet zum Beweis in seine neue Werkstatt, wo ein Mitarbeiter am Rahmen des Prototyp schraubt. «Doch über Preis und Markteinführung rede ich erst wieder, wenn der Loryc tatsächlich auf der Strasse steht.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.02.2015, 18:02 Uhr

Ein Auftritt mit Stil: Der lautlose Oldtimer gehört zu den «Malle»-Attraktionen.

Artikel zum Thema

Britisches Duell im Namen der Königin

Wenn der 24. Bond-Film ab dem 5. November in die Kinos kommt, dann dürfen sich die Automobilfans freuen. Mehr...

Jetzt baut BMW einen XL-Van für Kind und Kegel

Mit dem 2er Gran Tourer zielt BMW auf Grossfamilien und Freizeitaktivisten ab. Mehr...

Vernunft in der Unvernunft

Der jüngste Beweis, dass viel PS nicht wenig Platz bedeuten muss, kommt aus Spanien. Seat bietet den Leon Cupra auch als Kombi ST an. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Vergleichsdienst

Finden Sie in nur fünf Schritten die optimale Versicherung für Ihr Auto.
Jetzt vergleichen.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Mit geschwellter Brust: Ein Mann aus Indien zeigt bei einem Wettbewerb für die beeindruckendste Gesichtsbehaarung stolz seinen Schnurrbart. Der Wettbewerb fand am Rande des jährlichen Kamel Festivals in der nordindischen Wüstenstadt Pushkar statt. (20. November 2018)
(Bild: Himanshu SHARMA ) Mehr...