Reifeprüfung bestanden

Der Porsche 911 Targa ist zurück. Und zwar unwiderstehlicher denn je.

Schwäbischer Jungbrunnen: 20 Jahre nach dem letzten Targa mit Überrollbügel steht der neue 911 Targa parat. Foto: Porsche

Schwäbischer Jungbrunnen: 20 Jahre nach dem letzten Targa mit Überrollbügel steht der neue 911 Targa parat. Foto: Porsche

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Ich bin 61-jährig, trage graues, kreativ-verwegen zerzaustes Haupthaar, bin in zweiter Ehe mit einer beträchtlich jüngeren – allerdings nicht blonden – Frau verheiratet, arbeite in der gemeinhin als «sexy» wahrgenommenen Filmindustrie, treibe viel Sport und ziehe trotzdem den ganzen Tag den Bauch ein. Ich bin also – mein Kontostand mal als Petitesse vernachlässigt – der Porsche-Kunde schlechthin. Dass ich den neuen 911 Targa im südlichsten Italien probefahren sollte, erschien mir also selbstverständlich.

Und so sass ich inmitten von zwei Dutzend Journalisten aus halb Europa im schicken Porsche-Center in Bari, gepampert von langbeinigen Schönheiten in Porsche- Shirts, und lauschte den Vorträgen der Entwickler und Designer des neusten Wurfes aus Zuffenhausen. Sie fachsimpelten über PSM (Porsche Stability Management), PASM (Porsche Active Suspension Management) und über PTV (Porsche Torque Vectoring), sie erklärten die Porsche- typische, hecklastige Auslegung des Allradantriebs, sie unterhielten sich ausgiebig über den Sinn des Überrollbügels und – klar – über das sensationell-spektakuläre, in gerade mal 19 Sekunden sich vollautomatisch öffnende Targadach. Und darüber, wie nahtlos exakt 20 Jahre nach dem Auslaufen des letzten 911 Targa mit klassischem Überrollbügel dieses seit 1965 erfolgreiche ursprüngliche Karosserie-Konzept wieder aufgenommen und weitergeführt werde.

Alter ist beim Targa kein Thema

Ich verstand wenig, schaute mir die Bilder an und verliebte mich sogleich in diese absolute Meisterwerke der Autobaukunst. Und dann hörte ich den Satz, der so markant war, dass ich ihn selbstverständlich nicht nur auf den 911er bezog: «Nein», wischte der Porsche-Mann die ketzerische Bemerkung eines Journalisten über den doch in die Jahre gekommenen Targa unter den Tisch: «Älter ist der Targa nicht geworden. Nur reifer!» Geht doch!

Später, auf den sonnenüberfluteten Landstrassen zwischen den so wunderbar blühenden Mandelbäumen Apuliens, lernte ich eine völlig neue Lektion: Sicherheitsgurte – so dachte ich bis anhin – schützen den Menschen vor dem Abflug in die Windschutzscheibe bei unerwarteten und übermässigen Verzögerungen des Fahrzeuges – auch Crash genannt. Mein Kollege im Fahrersitz belehrte mich eines Besseren: Nach einem vermeintlich unmotivierten Halt drückte er auf der Mittelkonsole die Taste «Sport-Plus», kippte den Schaltheben auf «M», und 400 PS katapultierten das gut anderthalb Tonnen schwere Geschoss in gefühlten 3 Sekunden auf Tempo 75. Ein, zwei Klicks an der Wippe am Lenkrad später nahm er bei vielleicht 160 km/h den Fuss wieder vom Gas – am Ende dieser irren Beschleunigung hing ich in den Gurten. Nach dem Motto «Wer später bremst ist länger schnell», flogen wir kontrolliert und trotzdem abgehoben über die schmalen Strassen, um die engsten Kurven und die hügeligen Geraden.

Der Porsche-Fahrer schlechthin

Nachdem ich endlich meine coole Contenance zurückgewonnen hatte und meine Brille wieder gerade auf der Nase sass, sah ich einen entspannt-glücklichen Mann am Lenkrad: «Schon sehr agil», lächelte er. Dann durfte ich ans Steuer – und ja: Es war ein Traum! Ein Traum, der alles wahr werden lässt: mit offenem Dach, durch einen zweistufigen Windabweiser nur einem leichten Windhauch ausgesetzt, einen sensationellen Sound aus den beiden Doppelendrohren der Sportabgasanlage im Ohr, wie auf Schienen über die Strassen – atemberaubend. «Das Auto für die intensiven Momente im Leben.» Für einmal stimmt der Werbeslogan. Am Ende der Fahrt bin ich 40 Jahre jünger – das Haupthaar immer noch zerzaust, vor bubenhafter Begeisterung.

Ich bin der Porsche-Fahrer schlechthin, die 148'200Franken für die 350-PS-Variante beziehungsweise die 166 500 Franken für den «S» mit 400 PS muss ich halt noch auftreiben. «Drannä bliibä, drannä bliibä», würde die blonde Dame sagen, an die mich die perfekten Kurven, das knackige Heck und der überschäumende Power im Hintern dieses Traumautos schon den ganzen Tag erinnert hatten.

Christian Gerig fuhr den neuen 911 Targa im April auf Einladung der Porsche Schweiz AG in Italien

Erstellt: 10.05.2014, 07:31 Uhr

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