Hellcat – Fahrspass auf Amerikanisch

Stimmt: Trotz Comeback des Ford Mustang sind Muscle Cars nicht mehr zeitgemäss. Spass machen sie trotzdem – vor allem in den USA

Das einzig «Grüne» am Dodge Challenger Hellcat ist die Farbe – unter der Haube steckt ein 6,2-Liter-V8 mit 707 PS. Foto: Dodge

Das einzig «Grüne» am Dodge Challenger Hellcat ist die Farbe – unter der Haube steckt ein 6,2-Liter-V8 mit 707 PS. Foto: Dodge

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«Es klingt wie beim Soundcheck von Metallica, und in der Luft liegt der Geruch von verbranntem Gummi», so lässt sich das Rendezvous mit dem Dodge Challenger Hellcat beschreiben. «Wenn man dieses Auto startet, wackeln die Wände, und der Boden vibriert. Und wenn man Vollgas gibt, gehen die Reifen in weissem Rauch auf.» Kein Wunder: Laut Dodge ist dieses Modell der stärkste Muscle Car, der je in Detroit vom Band gelaufen ist.

707 PS und 881 Nm Drehmoment

Unter der langen Haube der «Höllenkatze » – was für ein Name? – steckt nicht etwa Hightech, sondern ein 6,2 Liter grosser V8-Motor, aus dem ein Kompressor 707 PS quetscht: 881 Nm katapultieren den Dodge in weniger als vier Sekunden auf Tempo 100 und danach schier ungebremst weiter. Zumindest theoretisch sollen fast 330 km/h möglich sein. Das gibt zwar Punkte beim Autoquartett, doch den Amerikanern ist viel wichtiger, dass der Muscle Car die Viertelmeile in nur 10,8 Sekunden schafft und damit auch in dieser Disziplin jedem Chevrolet Camaro oder Ford Mustang die Schau stiehlt. Für diesen Kraftakt hat die Abteilung Street and Racing Technologies (SRT) mit dem Challenger gründlich trainiert – schliesslich stammt die Grundkonstruktion noch aus den 90er-Jahren, als Daimler seinem damaligen Allianzpartner Chrysler die Plattform der E-Klasse überlassen hat. Schon für die normalen Challenger und natürlich für den eng verwandten Chrysler 300 haben die Amis diesen Baukasten tapfer weiterentwickelt.

30'000 Liter Luft pro Minute

Und für den Dodge Challenger Hellcat haben sie noch einmal jedes Bauteil angefasst: Achsen, Lenkung, Federn, Getriebe – alles wurde für die brachialen Kräfte der neuen Topversion verstärkt. Die Brembo-Bremsen sind die grössten, die in der Chrysler Group in Serie verbaut werden, und am legendären Hemi- Motor ist ausser dem Block nichts mehr, wie es mal war. Der Kompressor schaufelt 30000 Liter Luft in der Minute in den auf 6,2 Liter vergrösserten Hubraum, die auf 1,3 Zentimeter erweiterten Spritleitungen saugen den 70-Liter- Tank zur Not wohl in einer halben Stunde leer, und damit das Kraftwerk nicht in Rauch aufgeht, hat Dodge die Kühlleistung verdreifacht. Ach ja, und ganz nebenbei haben die Ingenieure den Wagen auch noch so abgestimmt, dass man ihn ohne orthopädische Schäden und mit dem Segen des Sheriffs halbwegs gelassen und überraschend bequem durch den Alltag bewegen kann. Nicht umsonst lassen sich schliesslich im digitalen Cockpit und auf dem grossen Touchscreen in der Mittelkonsole über 100 verschiedene Parameter so einstellen, dass die Höllenkatze zum Kuschelkater wird.

Weniger als 60'000 Dollar

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Der Aufwand ist enorm und das Ergebnis für Autofans spektakulär. Aber die vielleicht grösste Sensation an diesem Auto ist sein Preis: Weil der Challenger noch auf der alten, längst abgeschriebenen E-Klasse aus der gemeinsamen Zeit mit Daimler basiert und die Dodge-Mannschaft konsequent auf jede Form von Hightech verzichtet hat, verschleudern die Amerikaner diesen Challenger für nicht einmal 60000 Dollar. Damit wird der stärkste Muscle Car aller Zeiten zugleich zum billigsten Supersportwagen der Welt. Das gilt übrigens nicht nur in Amerika, sondern auch in der Schweiz: Selbst wenn die Direktimporteure 50 Prozent aufschlagen würden, bleibt das Preis-Leistungs-Verhältnis einmalig. «Mehr PS pro Dollar bietet niemand», freut sich darum Dodge-Chef Tim Kuniskis.

Erstellt: 13.03.2015, 18:30 Uhr

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