Licht im Dunkel

Hinterradantrieb, Ferrari-Motor, Fahrdynamik pur: Die neue Giulia verspricht alles, was man bei Alfa Romeo jahrzehntelang schmerzlich vermisst hat.

Comeback als Urknall: Die Giulia Quadrifoglio von Alfa Romeo steht dank Ferrari-Mithilfe mit 510 PS am Start. Bilder: Alfa Romeo

Comeback als Urknall: Die Giulia Quadrifoglio von Alfa Romeo steht dank Ferrari-Mithilfe mit 510 PS am Start. Bilder: Alfa Romeo

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Kann man das Rad der Zeit einfach so zurückdrehen? Mehr als 30 Jahre ist es her, seit mit dem Alfa 75 der letzte «echte» Alfa Romeo in Arese vom Band lief, der letzte mit Hinterradantrieb. Danach basierten alle Nachfolgemodelle auf den Plattformen aus dem Fiat-Konzern, die unisono auf Vorderradantrieb ausgelegt waren.

Und so begann der sportliche Nimbus der italienischen Marke erst recht mehr und mehr zu bröckeln, das legendäre «cuore sportivo» geriet mehr und mehr ins Stottern – und hat zuletzt fast schon aufgehört zu schlagen. Gerade mal 64'870 Alfa Romeo haben die Italiener im vergangenen Jahr weltweit absetzen können, 1046 davon – Giuliettas und Mitos, der exklusive Mittelmotor- Sportler 4C inklusive – gingen in die Schweiz.

Heraus aus dem Dauertief

Tempi (der Erfolgslosigkeit) passati? Wirklich? Harald Wester (58) glaubt das nicht nur, er ist sogar felsenfest davon überzeugt», wie er verlauten lässt. Der Deutsche, früher Entwicklungschef bei Ferrari, heute CEO von Alfa Romeo und Maserati zugleich, hat auch gar keine andere Wahl.

4 Endrohre und ein Diffusor am Heck.

Er muss das Rad der Zeit schlicht zurückdrehen, mit neuem Elan und dem geballten Know-how, das ihm im Konzern zur Verfügung steht, Alfa aus dem Dauertief herausführen. Fünf Milliarden Euro, von Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne gesprochen, stehen Wester zur Verfügung, acht neue Modelle will er bis 2018 auf den Markt bringen. Und weil nomen eben omen ist, wird die neue Ära von einer Giulia eingeläutet. Mit was für einer!

Neue Giulia

Konnte die Ur-Giulia aus dem Jahre 1962 die Herzen der Alfisti mit ihrem gerade mal 90 PS starken Doppelnockenwellen- Motor und mit ihren sportlichen Fahreigenschaften auch (oder gerade) dank Hinterradantrieb begeistern, so trumpft Westers neue Giulia als Topmodell Quadrifoglio heute so auf: mit einem 510 PS starken V6-Bi-Turbo-Benziner aus der Zusammenarbeit mit Ferrari, mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,9 Sekunden und einem Topspeed von 307 km/h.

Dank diesem enormen Leistungspotenzial avancierte die Giulia Quadrifoglio im vergangenen Herbst bei Testfahrten zur schnellsten serienmässigen Mittelklasselimousine der Welt: Mit 7:39 Minuten hat das neue Alfa-Flaggschiff auf der Nordschleife des Nürburgrings eine Spitzenzeit erreicht, die laut Alfa bisher weder vom Audi RS5 noch vom BMW M4 oder vom AMG C63 von Mercedes zu toppen war.

Symbol für eine neue Ära

Zu einem Preis von 87'000 Franken kommt dieses Kraftpaket Mitte Juni in den Handel – zum Topseller wird die Topversion aber genau deshalb kaum werden. Wenn sie Harald Wester seit der Weltpremiere an der IAA Frankfurt im letzten Herbst dennoch stets medial forciert hat, dann gab es für den Alfa-Chef andere Gründe. So steht der Supersportler nicht nur symbolhaft für die neue Ära von Alfa Romeo, sondern auch auf einer völlig neuen und eigenständigen (Hinterrad-)Plattform, welche die einst so hochgepriesene Fahrfreude wieder in jeden Alfa zurückbringen soll.

Die Giulia duckt sich tief auf die Strasse.

Hunderttausend Giulias will Wester im ersten vollen Verkaufsjahr absetzen, der Quadrifoglio dürfte dabei prozentual nur einen kleinen Teil davon ausmachen. Die Volumenmodelle dürften zunächst die beiden 2,2-Liter-Selbstzünder mit wahlweise 150 oder 180 PS sein, die wie der Quadrifoglio schon in den nächsten Wochen in den Handel kommen – in etwa zum halben Preis (ab 41'500 Franken). Im Sommer werden ein 280 PS starker Benziner und ein weiterer Diesel mit 210 PS folgen, beide als erste Giulias mit Allradantrieb. Am Hinterradkonzept beim Quadrifoglio wollen die Italiener hingegen festhalten.

Handarbeit: Die 6 Gänge zum Glück.

Diese zügige Erweiterung der Motoren- und der Getriebepalette ist dennoch bloss der Anfang der eigentlichen Alfa-Offensive. Denn auf dieser neuen Architektur sollen auch eine grosse Limousine und zwei SUV aufbauen, der kleinere der beiden wird bereits Ende Jahr erwartet. Im Weiteren geplant sind ein Spider und ein viertüriges Coupé. Einen Giulia-Kombi sieht Wester, der sich mit den neuen Modellen auch Erfolge in den USA und in China verspricht, hingegen nicht. Diesen Part soll künftig die überarbeitete Giulietta spielen. Den Kleinwagen Mito streicht Alfa ersatzlos aus dem Angebot.

Peter Hegetschweiler fuhr die neuen Giulia-Modelle auf Einladung von Alfa Romeo Schweiz am 17./18. Mai in Italien.

Hier testen wir für kurze Zeit eine Infografik:

Erstellt: 20.05.2016, 14:06 Uhr

Alfa Romeo Giulia

Die Fahrmaschine

Kategorie Mittelklasse-Sportlimousine
Masse Länge 4643 mm, Breite 1860 mm, Höhe 1426 mm, Radstand 2820 mm
Kofferraum 480 Liter
Motoren 2,2 Liter Turbodiesel mit 150 oder 180 PS. Quadrifoglio mit 2,9-Liter-V6-Bi-Turbo mit 510 PS
Fahrleistungen 0 bis 100 km/h in 3,9 bis 8,4 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von 220 bis 307 km/h
Verbrauch 4,2 bis 8,5 Liter auf 100 Kilometer
CO2-Ausstoss: 109 bis 198 Gramm/Kilometer
Preis ab 49'500 Franken, Quadrifoglio ab 87'000Franken


Infos: www.alfaromeo.ch

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