Zum Hauptinhalt springen

Puristischer Schönling

Mazda legt seinen legendären Roadster MX-5 in ultimativer Form neu auf: fahrdynamisch so perfekt wie immer, als Targa-Version RF so elegant wie noch nie.

Peter Hegetschweiler, Barcelona
Dolce Vita in japanischem Design: Der Mazda MX-5 mit Targa-Dach. Fotos: PD
Dolce Vita in japanischem Design: Der Mazda MX-5 mit Targa-Dach. Fotos: PD

Schönheit muss leiden, besagt ein geflügeltes Wort. Aber gilt das auch, wenn es um ein Auto geht?

Diese Frage könnte man sich bei Mazdas MX-5 stellen. Wenn der Begriff nicht so arg strapaziert wäre, müsste man ihn als Kultmodell bezeichnen; quasi eine rollende Legende, seitdem ihn Mazda 1989 auf die Räder gestellt hat. Damals proklamierten ihn die Japaner als «Retter aller Roadster», weil es solche offenen Zweisitzer dieser klassisch-sportlichen Art wie einst den MG, den Austin Healey oder den Triumph TR 2 sonst nicht mehr gab. Schlicht, schnell und – dies vor allem – bezahlbar, so lautet diese Mazda-Philosophie, an der sich auch mit der neuen Generation nichts geändert hat. Warum auch? Der MX-5 ist der weltweit meistverkaufte zweisitzige Sportwagen. In den 28 Jahren seit seiner Lancierung lief er über eine Million Mal im japanischen Hiroshima vom Band; in die Schweiz wurde er bis Ende 2016 exakt 9976-mal verkauft.

Fahrmaschine: Knapp geschnittenes Cockpit mit optimaler Sitzposition. Foto: PD
Fahrmaschine: Knapp geschnittenes Cockpit mit optimaler Sitzposition. Foto: PD

Natürlich: Einfach einen klassischen Roadster nachzubauen, war Mazdas Sache nicht; erst recht nicht unter den heute deutlich schärferen gesetzlichen Anforderungen. Statt einfacher Stahlrohre als Flankenschutz in den Türen erfüllt der MX-5 heute dank Skyactive-Technologie, die bei Mazda für Effizienz und Leichtbau steht, nicht nur bezüglich Sicherheit höchste Ansprüche. Und das Cockpit mit seinen immer noch glasklaren Rundinstrumenten wirkt so edel wie übersichtlich, auch wenn und gerade weil sich Mazda all die virtuellen Cockpitspielereien mancher Mitbewerber spart. Mit der neuen Zeitlosigkeit liegt Mazda offenbar nicht völlig daneben. Warum sonst hat Fiat für den im letzten Jahr lancierten 124 Spider nicht nur auf die technische Basis des MX-5 zurückgegriffen, sondern auch gleich sein Cockpit übernommen? Nach fast drei Jahrzehnten Marktabsenz des 124 lässt sich auch mit japanischem Design offenbar ein Hauch von Dolce Vita versprühen.

Fahrspass pur als Credo

Auch die vierte Generation des Mazda-Originals ist das geblieben, was ein Roadster immer schon war: ein Purist, der sich nicht dem Luxus, sondern dem Fahrspass verschrieben hat. Dazu prädestinieren ihn sein extrem tiefer Schwerpunkt, sein extrem tiefes Gewicht von knapp über 1000 Kilo bei einer Länge von immerhin 3,92 Metern und, natürlich, sein Hinterradantrieb. Wer die Gänge der präzisen Sechsgangschaltung ausdreht – Wandler-Automatik auf Wunsch – und sich dann von der scharf reagierenden Lenkung in die Kurve legen lässt, der spürt Asphalt und Querkräfte in fast jeder Faser seines Körpers. In jedem Fall in den Händen, in den Füssen – und im Rücken.

Natürlich könnte man sich ob solcher Voraussetzungen gut etwas mehr Dampf unter der Haube vorstellen, als ihn der Vierzylindersauger mit 160 PS produziert: von 0 auf 100 km/h in 7,4 Sekunden, Topspeed 215 km/h. Und denkt dabei insgeheim an einen Turbo. Aber der ist Mazda nach wie vor zu wenig klassisch oder puristisch. Und natürlich klingt ein Sauger halt viel schöner. Immer noch, nicht nur bei Mazda.

Stummelheck: Auch bei offenem Dach bleiben rund 130 Liter Ladevolumen. Foto: PD
Stummelheck: Auch bei offenem Dach bleiben rund 130 Liter Ladevolumen. Foto: PD

Dennoch gibt es für den Roadster ab Sommer neuen Schub. Formalen Schub. Ohne dass der MX-5 unter der «Verschönerung», dem Styling zum RF – kurz für «Retractable Fastback» –, hätte leiden müssen. Denn: Geändert hat sich dort, wo es bei einem MX-5 wirklich drauf ankommt, rein gar nichts.

Hatten die Japaner bei der letzten Auflage nicht unbedingt eine glückliche Hand, als sie als Alternative zum puristischen Stoffdach eine MX-5-Variante mit elektrisch versenkbarem Klappdach lancierten, so ist ihnen mit dem RF ein formaler Quantensprung gelungen. Auf Knopfdruck verschwindet jetzt allerdings nur noch der obere Aluteil des Daches im Heck, und zwar in 13 Sekunden und in einer hübsch anzuschauenden Choreografie. Die vermeintliche B-Säule hingegen bleibt in Finnenoptik stehen – und fertig ist die japanische Targa-Version à la Porsche. Im Vergleich mit dem Zuffenhausener «Vorbild» ist sie allerdings dreieinhalbmal günstiger. Den Mazda MX-5 RF mit 131 PS gibt es ab 30'500 Franken, die stärkere Version mit 160 PS ab 33'500 Franken.

Eine Skulptur in edlem Grau

Das gekonnte Fastback-Styling der Designer aus Hiroshima verleiht dem MX-5 RF im Vergleich zur Softtopvariante, die selbstverständlich im Programm bleibt für die Puristen, einen vollkommen eigenständigen Charakter. Ein bisschen mehr Dämmung, ein paar Elektromotoren und das feste Dachteil schlagen zwar mit 45 Kilogramm Mehrgewicht zu ­Buche, aber das verträgt das Leicht­gewicht problemlos. Kommt dazu: Die exklusive Dreischichtlackierung Machine Grey Metallic unterstreicht das neue Design des Roadsters gekonnt und lässt den Mazda-Targa fast schon wie eine Skulptur erscheinen. Formvollendet ist der RF in jedem Fall. Und erleiden muss man ihn schon gar nicht.

Peter Hegetschweiler fuhr den MX-5 RF auf Einladung von Mazda Schweiz am 26./27. Januar in Spanien.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch