Kult-Auto

Als der Manta für Furore sorgte

Heute erinnert man sich fast nur noch an ihn wegen der Fuchsschwänze an der Antenne und des Films «Manta Manta». Dabei hatte Opel ein richtig gutes Coupé gebaut.

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Im Januar 1969 hatte Ford Europa den Capri lanciert. Es handelte sich dabei um ein sportliches Coupé, das einem Ehepaar mit zwei Kindern Platz bot. Charles M. Jordan, Chef der Opel-Stylingabteilung, hatte für die deutsche GM-Tochter ein ähnliches Fahrzeug entworfen: Neben dem Ascona als Familienauto sollte eine sportliche Version namens Manta für Furore sorgen. Dieses Duo hatte die Lücke zwischen dem Kadett und dem Rekord auszufüllen; Ascona und Manta waren aber deutlich sportlicher getrimmt.

Im Normalfall baute Opel seine Coupéausführungen, indem ein bestehendes Modell entsprechend abgeändert wurde. Beim Manta schlug man einen anderen Weg ein; er sollte vor allem eine längere Motorhaube als der Ascona zeigen, und auch das Heck durfte keine Ähnlichkeit mit dem Limousinenmodell aufweisen.

Der Manta als eigenständiges Coupé

Am 9. September 1970 wurde der Manta vorgestellt (der Ascona sollte erst auf dem Turiner Salon im November 1970 zu sehen sein), und das Publikum reagierte begeistert. Jordan – ein Ferrari-Enthusiast und Besitzer eines 250 GT Lusso – hatte bei Pininfarina einige Details «ausgeliehen», die vorwiegend dem Heck des Wagens zugutekamen.

Der Manta wurde in drei verschiedenen Ausführungen mit zweckentsprechenden Motoren hergestellt. Manta und Manta S besassen beide einen Vierzylindermotor mit 1584 cm3 Inhalt, der aber leistungsmässig unterschiedlich aufgemacht war. In der Basisausführung standen 68 PS (Verdichtung 8,2:1) zur Verfügung, und die Höchstgeschwindigkeit wurde mit 156 km/h angegeben. Der S-Motor arbeitete bei einem Verdichtungsverhältnis von 9,5:1 und leistete 80 PS, was für 164 km/h Spitze reichte. Auch die Ausstattung von Manta und Manta S zeigte Unterschiede: Stossstangenhörner aus Kunststoff, ausstellbare Seitenfenster, elektrische Uhr und Beleuchtung unter der Motorhaube, im Kofferraum und im Handschuhfach zeichneten unter anderem den Manta S aus.

Der SR für sportliche Fahrer

Für den sportlichen Fahrer war der mit einem S-Motor bestückte Manta SR gedacht. Für alle drei Modelle stand auch ein 1,9-Liter-Vierzylindermotor zur Verfügung. Bei einer Verdichtung von 9:1 leistete er 90 PS und verhalf zu einer Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h.

Von den beiden «kleineren» Modellen hob sich der SR mit seiner mattschwarz lackierten Motorhaube, den Halogenscheinwerfern, Drehzahlmesser, breiteren Felgen, Hutmuttern an Stelle der Radkappen und einer Scheibenwaschanlage mit Fussbedienung ab. Ausserdem waren Amperemeter und Öldruckmesser montiert. Alle Extras mussten natürlich berappt werden; und so kosteten die drei Modelle in der Schweiz ab 11'075 Franken, 11'800 Franken und 12'695 Franken.

Applaus von der Presse

Im Dezember 1970 konnte die «Automobil Revue» einen Manta S und einen SR testen. Einige Stichwörter aus dem Fahrbericht: «Fahrsicher und kurvenfreudig; Fahrwerk: hohe Klasse, angenehmer Federungskomfort, ausgesprochen handlich; Leistung ohne Lärm; Ausrüstung reich dotiert.» Anlässlich dieses Tests erreichte der S eine Spitzengeschwindigkeit von 165,5 km/h, der SR 174 km/h. Von 0 auf 160 km/h beschleunigte der SR in 39,5 s (S: 67 s), der Durchschnittsverbrauch wurde beim S mit 12,1 und beim SR mit 13,7 Litern je 100 km registriert.

Spar-, Luxus- und Sportausführungen

Ab 1972 folgten weitere Varianten, darunter eine Sparausführung mit dem 1,2-Liter-Kadett-Motor, eine Luxusvariante mit Vinyldach, Kopfstützen und elektrischer Scheibenwaschpumpe und schliesslich 1973 eine eingespritzte Version namens GT/E, die es auf 105 PS und 190 km/h Höchstgeschwindigkeit brachte. Damit war man vorne dabei auf der Autobahn!

In völlig neuem Kleid

Während fünf Jahren war der Manta ohne grössere Modifikationen produziert worden, doch auf der Frankfurter IAA 1975 erschien er in einem neuen Kleid. Dave Holls und sein japanischer Helfer Hideao Kodama (der schon am «ersten» Manta gearbeitet hatte) zeichneten für das Design verantwortlich. Dem neuen Wagen hatte der Opel GT 2 Pate gestanden, eine Ideenstudie von H. Haga, die als Nachfolger des berühmten Opel GT angedacht gewesen war.

Grösser und moderner

Der Manta B war grösser geworden als das Urmodell. In der Länge hatte er um 18,2 cm, in der Breite um 3,8 cm zugenommen; dafür war die Karosserie um 3,8 cm niedriger. Die Gürtellinie war noch tiefer platziert worden. Der Wagen wies 20 Prozent mehr Glasfläche auf. Die Front fiel stark nach vorne ab; die Einzelscheinwerfer waren rechteckig. In technischer Hinsicht war nicht viel geändert worden, einzig die vorderen Radaufhängungen zeigten sich in modifizierter Form.

Ausbau und Variantenreichtum

Wiederum wurde auch beim Manta B sukzessive Variante um Variante ergänzt. Schon bald standen fünf verschiedene Typen zur Wahl: Manta, Manta L, SR, E und GT/E. Die beiden letzteren Modelle waren unter der schwarz lackierten Motorhaube mit dem 1,9-Liter-Motor bestückt.

Während der E mehr auf Komfort ausgerichtet war, sollte der GT/E die Sportwagenfahrer begeistern: weniger Chrom, dafür ein grosser Frontspoiler und superbreite 185-, auf Wunsch 195/70-HR-13-Reifen. Selbstverständlich war dieser Wagen auch härter gefedert als das E-Modell.

Mehr Variabilität und ein Herz für die Jugend

1979 änderte das Werk auch die Typenbezeichnungen. Von jetzt an wurde von den Manta, Manta L, SR, CC, CCE, E und GT/E gesprochen. Mit dem CC führte man ein Kombi-Coupé ein. Dieses Coupé wies eine Heckklappe auf; die hintere Sitzbank liess sich teilweise oder ganz wegklappen.

Es wurde weiter verbessert, es wurden aber auch neue Käuferkreise angesprochen. Am Genfer Salon von 1980 feierte der Manta GT/J Premiere, ein speziell auf die Jugend zugeschnittenes Modell. Wie schon sein Vorbild aus den frühen Siebzigerjahren, der Opel GT/J, zeigte er weniger Chrom, dafür aber schwarze Seitenstreifen. Der 1,3-S-Motor leistete 75 PS, der 100 PS starke 2-Liter-Vierzylinder stand ebenfalls zur Verfügung. In der 1,3-Liter-Ausführung kostete der GT/J 13'800 Franken und war sogar noch günstiger als ein Kadett mit gleicher Motorisierung.

Rallyemodell Manta 400

Jahrelang schon hatte Opel im Rallyegeschehen aktiv und erfolgreich mitgemischt. Meistens brachten die Opel Ascona Siegesnachrichten nach Hause; 1981 aber erschien ein Manta auf dem Markt, der für derartige Unternehmen ebenfalls geeignet schien: der Manta 400.

Sein in Zusammenarbeit mit dem englischen Experten Cosworth entwickelter Vierzylindermotor wies einen Hubraum von 2410 cm3, ein Verdichtungsverhältnis von 9,7:1, zwei oben liegende Nockenwellen und vier Ventile pro Zylinder auf. Trendgemäss war der Motor mit einer Benzineinspritzung ausgerüstet. Das Werk bezifferte die Motorleistung auf 144 PS bei 5200/min. Mit breiteren Reifen wurden die grösseren Fahrleistungen auf die Strasse gebracht. Der Manta 400 lief spielend über 200 km/h; von 0 bis 100 km/h beschleunigte das Fahrzeug in 7,5 s.

Ein Ende in Raten

Anfang der Achtzigerjahre wurde der Manta nochmals aufgerüstet, erhielt einen grösseren Frontspoiler und sogar einen Heckspoiler sowie Schürzen. Ein neuer 1,8-Liter-Motor mit 90 PS stand zur Verfügung. Das Ausstattungsangebot wurde ausgebaut. Und es gab nun auch für die kleineren Motoren ein Fünfganggetriebe. Doch die Zeiten änderten, ab 1985 schrumpfte das Manta-Angebot stark. Dem Kunden blieb nur noch die Wahl zwischen dem GT, GSi oder dem Typ 400; Letzterer konnte nur zweitürig erstanden werden. Das Angebot schmolz weiter, ab September 1987 wurde einzig der GSi Exclusiv mit dem nun erforderlichen Katalysator in der Schweiz angeboten. Und schliesslich war 1988 nach 1'056'436 Exemplaren Schluss.

Es sollte dann ein gutes Jahr dauern, bis im Herbst 1989 an der IAA in Frankfurt der Opel Calibra vorgestellt wurde, der technisch auf dem Vectra basierte und als 2+2-Coupé mit einem hervorragendem cw-Wert von 0,26 brillierte. Er war ab 1990 sogar als zweiter Opel überhaupt in 4x4-Konfiguration erhältlich. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Weitere Informationen zum Opel Manta, viele Bilder, Testbericht und Unterlagen finden sich auf Zwischengas.com.

Erstellt: 12.06.2013, 10:38 Uhr

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