Baby-Benz mit Batterie

Als Plug-in-Hybrid wird die C-Klasse von Mercedes-Benz zum Favoriten der Vielfahrer.

Lautloser Gleiter: Der Mercedes-Benz C 350 e schafft als Plug-in-Hybrid rein elektrisch bis zu 31 Kilometer. Foto: Mercedes-Benz

Lautloser Gleiter: Der Mercedes-Benz C 350 e schafft als Plug-in-Hybrid rein elektrisch bis zu 31 Kilometer. Foto: Mercedes-Benz

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mercedes-Benz legt die C-Klasse an die lange Leine: Denn nach der S-Klasse bieten die Schwaben jetzt auch den Enkel des Baby-Benz als Plug-in-Hybrid an. Im Team angetrieben von einem Vierzylinder- Benziner mit 211 PS und einem E-Motor mit 82 PS, der aus einem 6,4 kWh grossen Lithium-Ionen-Akku gespeist wird, fährt sie bis zu 31 Kilometer rein elektrisch. Und weil man den Akku je nach Stromstärke innert 90 bis 180 Minuten auch an der Steckdose laden kann, sinkt der Normverbrauch auf 2,1 Liter und macht den C 350 e zum sparsamsten Mercedes der Modellpalette. Kein Wunder, dass vor allem Vielfahrer auf die C-Klasse für die Steckdose fliegen sollen und es zur Limousine deshalb gleich auch einen Kombi gibt.

Intelligentes Gaspedal

Die Intelligenz steckt dabei weniger in der Hardware, die Mercedes in einem Baukasten sortiert hat und bis 2017 in insgesamt 10 Modellen einbauen möchte, sondern was den C 350 e gegenüber der Konkurrenz ausmacht, ist das intelligente Zusammenspiel der beiden Motoren: «Kein anderer Hybrid in dieser Klasse hat so eine schlaue Steuerung wie der C 350 e», behauptet Baureihenchef Christian Früh. Zwar kennt man einen Spar- oder Sportmodus genauso von anderen Hybriden wie eine Taste, mit der man den Antrieb in den E-Betrieb zwingt oder den Verbrenner so weit aufdreht, dass er zwischendurch sogar den Akku nachlädt. Und auch die E-Save- Funktion, mit der man genügend Strom für die letzten Kilometer im Wohngebiet sparen kann, ist nicht neu. Doch die Vernetzung mit dem Navigationssystem, mit dem Abstandstempomaten und einem intelligenten Gaspedal gibt es so noch bei keinem anderen Hersteller.

Damit reguliert die Elektronik nicht nur, wie stark sie rekuperiert oder den Wagen im Segelbetrieb rollen lässt. Sondern mit sanftem, aber bestimmtem Gegendruck kurieren sich auch noch so schwere Bleifüsse: Ein variabler Druckpunkt signalisiert beim Beschleunigen die Grenze zwischen dem reinen E- und dem Mischbetrieb, und wer zu flott auf den Vordermann zurollt, der spürt ein unzweifelhaftes Pulsen im Pedal. «Fuss vom Gas und rollen lassen», übersetzt Früh dieses Kommando.

Elektrisch bis Tempo 130

Zwar kann der Baureihenleiter stundenlang über die vorausschauende Betriebsstrategie philosophieren, aber im Grunde kann man in den C 350 auch einfach einsteigen, losfahren und dem Standard-Set-up vertrauen. Denn die Zusammenarbeit ist dann so gut geregelt, dass man den Hybriden fährt wie jede andere C-Klasse und dabei ganz intuitiv zum Sparer wird. Selbst wenn am Ende eher 5,0 statt der weltfremden 2,1 Liter aus dem Normzyklus auf dem Bordcomputer stehen dürften.

Auch beim Elektrischfahren muss man sich umstellen: Zwar schafft die C-Klasse theoretisch unter Strom bis zu 130 km/h. Aber man muss sehr sachte beschleunigen, wenn man an der Ampel ohne Verbrenner starten möchte. Dann allerdings winken im besten Fall 31 Kilometer, in denen die C-Klasse emissions- und geräuschlos durch die Stadt gleitet. Das freut übrigens nicht nur das Gewissen, sondern auch das Gehör. Denn vor allem im Kontrast zum flüsterleisen E-Motor hat der Vierzylinder keinen guten, harmonischen Klang. Zwar will Mercedes mit dem C 350 e vor allem seine CO2-Vorgaben erreichen, doch ein dynamisches Fahrverhalten gibt es als Zugabe: Dafür muss man nur in den Sport- oder gar den Sport+-Modus wechseln. Denn der strafft nicht nur Lenkung und Luftfederung, sondern der schweisst auch die beiden Motoren zu einer sprichwörtlichen Power-Unit zusammen: Eine Systemleistung von 279 PS und ein gemeinsames Drehmoment von 600 Nm sind imposant. Nicht umsonst schmilzt die Sprintzeit im Sparer von 0 auf 100 auf 5,9 Sekunden.

Konkurrenz im eigenen Haus

Fahrleistungen wie ein Sechs- und ein Verbrauch wie ein Dreizylinder – das gibt es nicht zum Nulltarif. Doch weil Mercedes die Technik zum Erfolg führen will, verbieten sich zu hohe Aufpreise von selbst. Mit 65 800 Franken für die Limousine und 67 800 Franken für den Kombi ist der C 350 e darum sogar noch etwas billiger als der 333 PS starke C 400, der aber auf allen Vieren vorfährt. Mit Allrad kann der Hybrid nicht dienen, dafür ist mit der Luftfederung schon ein teures Extra an Bord.

Natürlich will Früh vor allem in den Teichen von Audi und BMW fischen, denn die haben in der Mittelklasse noch keinen Plug-in-Hybriden am Start. Doch gefährlich wird der C 350 e auch einem anderen Auto: dem C 300 BlueTec Hybrid. Denn selbst wenn er 5000 Franken billiger ist und Diesel tankt – einen normalen Hybriden braucht im Zeitalter der Plug-in-Technik keiner mehr.

Erstellt: 27.03.2015, 18:07 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Vergleichsdienst

Finden Sie in nur fünf Schritten die optimale Versicherung für Ihr Auto.
Jetzt vergleichen.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Glücksfänger: Spärlich bekleidete Männer versuchen im Saidaiji Tempel im japanischen Okyama einen vom Priester in die Menge geworfenen Stab, den «Shingi», zu ergattern. (15. Feburar 2020)
(Bild: Kim Kyung-Hoon ) Mehr...